Noch werden im Friseursalon Coiffeur Thadeusz nur Haare geschnitten. Bald könnten hier auch Corona-Tests durchgeführt werden. © David Ehwein
Coronavirus

Premiere: Erster Frisörsalon in Dortmund möchte Corona-Teststelle werden

David Ehwein möchte in seinem Frisörsalon eine Corona-Teststelle eröffnen, um seinen Kunden ein besseres Gefühl geben zu können. Das Gesundheitsamt Dortmund sei dabei keine große Hilfe, sagt er.

Sich einfach schnell im Friseursalon testen und sich dann mit negativem Ergebnis und gutem Gefühl die Haare schneiden lassen: Das ist die Idee von Friseurmeister David Ehwein aus Dortmund-Oespel. Er möchte mit seinem Salon Coiffeur Thadeusz gerne zu einem Corona-Testzentrum werden.

Die Idee stamme ursprünglich von einem Kunden: „Ein Kunde meinte, dass man, wenn man sowieso im Salon sitzt, sich doch auch direkt impfen lassen kann. Nun dürfen wir hier natürlich nicht impfen, aber man könnte ja testen und so war die Idee geboren“, sagt Ehwein.

Berge an Infomaterialien vom Gesundheitsamt

Er informierte sich weiter und fragte vor einem Monat beim Gesundheitsamt Dortmund an, wie er offizielle Teststelle werden könne. Daraufhin erhielt er einen Berg an Materialien und Voraussetzungen. Das Gesundheitsamt sei nicht immer eine Hilfe, so Ehwein: „Ich wollte beim Gesundheitsamt erfahren, wo ich mich als Tester ausbilden lassen kann. Als Antwort kam dann nur, man müsse jemanden einstellen, wenn man das nicht kann.“

Trotz dieser Hindernisse bleibt Ehwein bei seinem Plan und hat die Zulassung beantragt. Nach einer Online-Schulung und einer praktischen Einheit bei seinem Hausarzt darf der Friseurmeister mittlerweile Coronatests durchführen. Sobald die Zulassung da ist, will er auch seine Mitarbeiterinnen ins Boot holen.

Die Stadt Dortmund erklärt auf Anfrage der Redaktion, dass die Bearbeitung eines Antrages bis zu zwei Wochen dauert, wenn alle Mindestanforderungen erfüllt sind. Wenn die Bestätigung der Stadt kommt, wäre Coiffeur Thadeusz der erste Friseursalon in Dortmund, der auch Teststelle ist.

Nur zwei Teststellen in Oespel

David Ehwein ist es wichtig, die Tests durchführen zu können, um seinen Kunden mehr Sicherheit zu geben: „Die Leute sind verunsichert und kommen nicht mehr. Viele wollen lieber warten, bis sie geimpft sind.“ Aktuell braucht es zwar kein negatives Testergebnis für einen Friseurbesuch, für Ehwald ist das allerdings nur noch eine Frage der Zeit: „Ich rechne fest damit, dass das noch kommt und darauf möchte ich uns vorbereiten.“

Er habe Verständnis, wenn Kunden nicht erst einen Termin für den Test machen wollen, um dann zum Friseur zu fahren. Besonders, weil es in Oespel gerade nur zwei Stellen gibt, an denen getestet wird.

Wenn Coiffeur Thadeusz zu einem offiziellen Testzentrum wird, dürfen sich allerdings nicht nur Kunden, sondern alle Interessenten dort testen lassen. Einen Termin für den Test können dann alle, ob Kunde oder nicht, über die Internetseite des Friseurs machen. Noch ist unklar, wo die Materialien für die Tests herkommen werden, aber David Ehwein überlegt, sich einer Apotheke oder Praxis anzuschließen, um die Ausrüstung gemeinsam zu bestellen.

30.000 Verlust im zweiten Lockdown

Die letzten Monate waren für den Dortmunder ein ständiges Auf und Ab. Die Corona-Politik kann er momentan nicht nachvollziehen: „Ich halte es generell für falsch, Geschäfte zu schließen, die ein wirksames Schutzkonzept haben und das auch umsetzen. Im Supermarkt sind unbegrenzt viele Kunden, die die Masken oft schlecht tragen, aber der Buchladen auf der Ecke, in dem nur eine Kunde wäre, der muss schließen.“

Über die Sozialen Medien ist er mit Friseuren in ganz Deutschland vernetzt: „Viele Kollegen konnten oder wollten nach dem zweiten Lockdown nicht mehr weiter machen.“ Auch für David Ehwein war der zweite Lockdown hart: „Ich hatte 10.000 Euro Rücklagen, alles weg. Auch das angesparte Hochzeitsgeld von 10.000 Euro ist weg und dann noch ein 10.000-Euro-Dispo von meiner Hausbank. Dieser Lockdown hat mich eben mal 30.000 Euro gekostet.“

Zwar sei der März ein sehr umsatzstarker Monat gewesen, aber dennoch könne man die Ausfälle von zehn Wochen Lockdown nicht einfach so ausgleichen.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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