Mitten durchs Grüne soll die Zufahrt zum geplanten Neubaugebiet führen. Die unmittelbaren Anwohner sind entsetzt. © Beate Dönnewald
Über 200 Wohneinheiten

Protest gegen Baugebiet im Dortmunder Westen: „Brutal und rücksichtslos“

Die Stadt plant im Dortmunder Westen ein neues Baugebiet mit mehr als 200 Wohneinheiten. Baustart soll 2024 sein. Schon jetzt regt sich Widerstand innerhalb der Nachbarschaft.

Für die Anwohner ist ihr Anliegen alternativlos. „Der Bebauungsplan muss verhindert werden“, sagen einige Nachbarn des geplanten Wohnquartiers mit mehr als 200 Wohneinheiten im Dortmunder Westen.

Einige haben sich im Garten von Rainer Diesing versammelt. Corona-gerecht mit viel Abstand. Der Anwalt wohnt in der Straße Auf dem Toren 38 in Lütgendortmund. Sollte sich die Stadt mit ihrem Bebauungsplan Lü 141 am Bezirksfriedhof durchsetzen, würde die Zufahrtsstraße zum neuen Wohngebiet mitten durch einen Grüngürtel führen. Sie verliefe direkt neben Haus und Garten von Rainer Diesing. Viele Eschen stehen hier, manchmal beobachte er mit seiner Frau Wildtiere am Waldesrand, so der Lütgendortmunder.

Ein ähnliches Schicksal würde Marcel Christofzik ereilen, der 2019 ins „Ida-Carré“ gezogen ist. Denn seine Doppelhaus-Hälfte, Auf dem Toren 33, steht genau gegenüber der vorgesehenen Zufahrt. „Und dahinter soll ein Kindergarten gebaut werden. 100 zusätzliche Autos würden hier dann jeden Morgen entlang fahren“, befürchtet der 32-Jährige.

„Demnächst haben wir hier eine Ringautobahn“

Auch die erwachsenen Kinder von Ulrike Schröder sind betrübt. Sie hätten gerade erst das Haus neben Rainer Diesing gekauft und seien noch im Umbau, schildert sie. „Zum Zeitpunkt des Hauskaufs war das Areal noch als Friedhofsfläche ausgewiesen“, sagt Ulrike Schröder. Nun soll ein Bebauungsplan neue Fakten schaffen.

Mehr als kritisch sieht diese Entwicklung auch Michael Schneider, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Idastraße. Vor allem mit Blick auf die aktuell schon schwierige Verkehrs- und Parkplatzsituation. „Die Lage würde sich durch die Wohnbebauung noch deutlich verschlechtern.“ Zudem hätten schon jetzt einige Häuser Setzrisse, die er auf den LKW-Verkehr der vorherigen Bauphase zurückführt. „Die Straßen sind nicht dafür gemacht.“

Marcel Christofzik steht vor seinem Haus und blickt auf die andere Straßenseite. Genau hinter der Baustelle soll die Zufahrtstraße zum neuen Wohnquartier gebaut werden. Der 32-Jährige befürchtet ein hohes Verkehrsaufkommen.
Marcel Christofzik steht vor seinem Haus und blickt auf die andere Straßenseite. Genau hinter der Baustelle soll die Zufahrtstraße zum neuen Wohnquartier gebaut werden. Der 32-Jährige befürchtet ein hohes Verkehrsaufkommen. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Auch die zweite geplante Zufahrtsstraße am Wendehammer der Straße „Auf dem Toren“ löst kollektives Kopfschütteln aus. Hier ist die Wohnbebauung besonders dicht, hier spielen Kinder auf der Straße. „Das ist als Sackgasse geplant, demnächst haben wir hier eine Ringautobahn“, stöhnt Udo Diesing.

„Hier wird ein ökologisch wertvolles Gebiet zerstört“

Sein Bruder Rainer sieht neben den persönlichen Problemen auch Verluste für die Allgemeinheit. „Hier wird ein ökologisch wertvolles Gebiet zerstört, eine Klimaschutzzone und Frischluftschneise.“ Der Anwalt schüttelt den Kopf: „Das ist brutal und rücksichtslos.“ Der Anwohner hat recherchiert und ist im Internet auf die Klimaanalyse der Stadt Dortmund von 2019 gestoßen.

Viele Argumente habe er darin gefunden, die gegen eine Bebauung sprechen, so der Jurist. „Park- und Grünanlagen (…) können als lokale Klimaoasen wirken. (…) Die Flächen der Grünvernetzung sollten unbedingt erhalten und möglichst vergrößert werden“, heißt es darin beispielsweise zum Volksgarten und Bezirksfriedhof. Stattdessen wolle die Stadt nun eine Biotop-Landschaft zerstören, so Diesing.

Aufgrund des „tonigen Bodens“ erwartet Rainer Diesing zudem ein Entwässerungsproblem. Das geplante Regenrückhaltebecken reiche nicht aus, ist er sich sicher. „Die Anwohner müssen bei Regenereignissen mit Überflutungen rechnen.“

Anwohner schließen juristische Schritte nicht aus

Einige Anlieger haben sich mit ihren Bedenken bereits an die Stadt gewandt. Sobald es die Corona-Krise zulasse, wolle man eine Bürgerinitiative gründen. Auch juristische Schritte schließen die Anwesenden im Garten von Rainer Diesing nicht aus.

In ihrem Garten können die Diesings immer mal wieder Wildtiere beobachten.
In ihrem Garten können die Diesings immer mal wieder Wildtiere beobachten. © Diesing © Diesing

Das zukünftige Baugebiet soll auf einem 4,1 Hektar großen Areal neben dem Bezirksfriedhof Lütgendortmund entstehen. Eingegrenzt wird es im Norden durch die Gehölzflächen von Friedhof und Bauhof, im Osten durch die Idastraße und im Süden durch die Straße „Auf dem Toren“. In nächsten Schritt muss die Stadt den Baubebauungsplan aufstellen, danach folgt die frühzeitige Offenlegung.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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