Der Dortmunder Karl-Martin Dittmann kennt die Olympiasiegerin Aline Rotter-Focken schon viele Jahre. Dieses Foto entstand nach der Siegerehrung. © UWW/Caliskan
Olympische Spiele

Ringerin Aline Rotter-Focken holt Gold – Dortmunder bei der Siegerehrung

Zum ersten Mal holt eine deutsche Ringerin eine olympische Medaille – und dann gleich Gold. Mittendrin war ein Dortmunder, der am Montag (2.8.) sogar an der Siegerehrung teilnehmen durfte.

Die deutsche Ringerin Aline Rotter-Focken sorgte am Montag (2.8.) bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio für ein historisches Ereignis: Die 30-Jährige aus dem Schwarzwald holte die erste olympische Medaille für Deutschland im Frauenringen.

Das deutsche Ringer-Team und seine Fans waren am Nachmittag völlig aus dem Häuschen. Denn nach dem Einzug ins Finale machte Aline Rotter-Focken wahr, wovon alle kaum zu träumen gewagt hatten: Die ehemalige Weltmeisterin gewann die Gold-Medaille in der Gewichtsklasse bis 76 Kilogramm (Freistil). Ihre Gegnerin war die fünfmalige Weltmeisterin Adeline Gray aus den USA.

Das Foto mit Aline Rotter-Focken ist nach dem Einzug ins Finale entstanden. Links der Dortmunder Karl-Martin Dittmann.
Das Foto mit Aline Rotter-Focken ist nach dem Einzug ins Finale entstanden. Links der Dortmunder Karl-Martin Dittmann. © UWW/Caliskan © UWW/Caliskan

Einer, der sich mit den anderen aus der Ringer-Familie heiser jubelte, war Karl-Martin Dittmann (60) aus Dortmund-Kirchlinde. Der Generalsekretär des Deutschen Ringerbunds hatte gleich doppelten Grund zur Freude. „Ich wurde zur Siegerehrung eingeteilt“, erzählte er am Vormittag im Telefonat mit dieser Redaktion. „Das ist eine große Ehre. Der Weltverbandspräsident hat mich ausgewählt.“

Und wie kommt er zu dieser Ehre? „Wahrscheinlich, weil eine Deutsche im Finale war und ich UWW-Europapräsident bin.“ United World Wrestling (UWW) ist der internationale Amateur-Verband der Ringer. Die Medaille auf dem Tablett durfte Dittmann allerdings nicht überreichen. „Das ist immer einem IOC-Member vorbehalten. Ich war für Blumen und Maskottchen zuständig.“

Blumen und Maskottchen überreicht

Aline Rotter-Focken krönt ihre Karriere mit einer Goldmedaille. © dpa © dpa

Aline Rotter-Focken, die aus Krefeld stammt, kennt Martin Dittmann seit vielen Jahren. „Bei der Siegerehrung habe ich ihr gesagt, dass ich sie am liebsten in den Arm nehmen würde, aber dass wir das ja nicht dürften“, erzählt er. Das hätten sie dann nach dem offiziellen Teil nachgeholt.

Den Olympia-Sieg habe er Aline Rotter-Focken durchaus zugetraut. „Bei den gestrigen Kämpfen war sie einfach souveräner als die Amerikanerin“, so Dittmann. Man sei also sehr optimistisch gewesen. „Dennoch, ein Kampf muss erstmal gekämpft und in sechs Minuten gewonnen werden.“

Der Dortmunder Karl-Martin Dittmann verteilte an die drei Ringerinnen Blumen und Maskottchen.
Der Dortmunder Karl-Martin Dittmann verteilte an die drei Ringerinnen Blumen und Maskottchen. © privat © privat

Für ihn sei es ein unbeschreibliches Gefühl gewesen, in der Halle zu stehen und die deutsche Nationalhymne zu hören. „Das erlebt man ja nicht alle Tage, ein Gänsehaut-Moment.“ Wie und ob man den Olympia-Sieg feiern werde, wisse er noch nicht. „Alkohol gibt es hier ja nicht.“

Der letzte Gold-Jubel des Deutschen Ringer-Bunds liegt schon eine Weile zurück. Vor 29 Jahren in Barcelona hieß der Olympiasieger Maik Bullmann. Damals hatte Karl-Martin Dittmann als Tourist zum ersten Mal an den Olympischen Spielen teilgenommen. So schließt sich auch für ihn persönlich ein Kreis.

Karl-Martin Dittmann ist seit dem 29. Juli in Tokio, vorher durfte er aufgrund der strengen Corona-Regeln nicht einreisen. „Weil die Ringerwettkämpfe erst am 31. Juli begonnen haben.“ Für den Vorsitzenden des KSV Kirchlinde sind es mittlerweile die achten Olympischen Spiele in Folge.

Karl-Martin Dittmann (Mitte) mit den deutschen Kampfrichtern Jeffrey Spiegel (l.) und Uwe Manz.
Karl-Martin Dittmann (Mitte) mit den deutschen Kampfrichtern Jeffrey Spiegel (l.) und Uwe Manz. © prviat © prviat

Trotz der besonderen Corona-Situation fühle er sich wohl, auch wenn er nur „zwischen Hotel und Halle“ pendeln dürfe. „Der Weg führt über eine Brücke, es ist irre heiß hier, das ist schon sehr anstrengend.“

Im Gegensatz zu anderen empfinde er seinen Aufenthalt nicht „wie im Knast“. „Die Japaner sind wahnsinnig freundlich, sie begegnen einem stets mit einem Lächeln.“ Drei junge Japanerinnen seien fast ausgeflippt vor Freude, als er ihnen Pins mit dem Ringer-Logo überreicht hatte. Der Anblick der leeren Tribünen und Fan-Shops sei aber schon befremdlich.

Tägliche Corona-Tests

An die Corona-Tests habe er sich gewöhnt. „Jeden Morgen muss ich als erstes eine Speichelprobe abgeben“, berichtet Dittmann. Zudem müsse er täglich seine Temperatur messen und sie in eine App eintragen.

Nach dem aufregenden Gold-Finale wartet auf Dittmann ein weiteres besonderes Ereignis: Er wird noch Dr. Thomas Bach, den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, zu einem Gespräch treffen.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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