Die Eltern von Verena Liepelt sind nach dem Schock-Anruf einer falschen Polizistin immer noch aufgewühlt (Symbolfoto). © dpa
Telefon-Betrug

Schock-Anruf: Betrügerin verlangt Kaution für angeblich inhaftierte Tochter

Eine falsche Polizistin am Telefon versetzt ein Dortmunder Ehepaar in Angst und Schrecken. Die Tochter soll einen Radfahrer tot gefahren haben und einsitzen. Die Betrügerin will eine Kaution.

Verena Liepelt kann es immer noch nicht fassen, mit welcher krassen Geschichte eine Telefonbetrügerin ihre Eltern (beide 71) in Dortmund-Mengede konfrontiert hat: „Die angebliche Polizistin behauptete, ich hätte mit dem Auto einen Radfahrer umgefahren, der gestorben sei, und ich würde nun im Gefängnis sitzen. Für meine Freilassung forderte sie eine Kaution.“

Im Hintergrund, erzählt die 37-Jährige weiter, habe gleichzeitig eine Frau laut geschluchzt und geweint. „Diese Frau sollte wohl ich sein.“ Die unverfrorene Anruferin habe sich ausgerechnet Frau Wache genannt – das sei an Dreistigkeit wohl nicht mehr zu überbieten, findet Verena Liepelt.

Der Vorfall ereignete sich am Mittwochvormittag (13.1.). „Meine Eltern sind immer noch aufgewühlt, vor allem mein Vater.“ Verena Liepelt ist sicher: „Mindestens die Hälfte, die einen solchen Anruf erhält, fällt darauf rein. Schließlich geht es um das eigene Kind, dem was passiert sein soll.“

Betroffene Tochter will andere warnen

Zudem seien gerade in der Corona-Krise viele Menschen einsam und hätten wenig Kontakt zu ihren Familienmitgliedern. „Da will man doch sofort helfen“, meint Verena Liepelt. Deshalb sei sie froh, ihre Geschichte öffentlich zu machen, um so andere zu warnen.

Ihre Eltern hätten zum Glück sehr besonnen reagiert. „Während mein Vater weiter mit der Unbekannten sprach, hat meine Mutter über Handy versucht, mich auf allen möglichen Kanälen zu erreichen.“ Als klar gewesen war, dass es der Tochter gut geht, habe der Vater das Gespräch beendet.

Verena Liepelt ist auch aus einem zweiten Grund besorgt: „Woher weiß die Anruferin, dass meine Eltern eine Tochter haben und dass ich Autofahren kann?“ Sie habe seit dem Vorfall ein sehr mulmiges Gefühl: „Hat da jemand unsere Familienverhältnisse recherchiert?“ Sie habe ihre Eltern zu äußerster Vorsicht geraten – auch wenn es an der Tür klingelt.

Keine Angaben zu Kaution und Ort der Übergabe

Wie hoch die Kaution sein sollte, das habe sich ihr Vater nicht getraut zu fragen. Auch ein Ort für die Geldübergabe sei nicht genannt worden. „Wegen Corona hätten sich die Betrüger ja einiges einfallen lassen können. Eine Übergabe an der Haustür zum Beispiel, weil ein Besuch im Gefängnis nicht erlaubt ist“, meint die 37-Jährige. Und mit einer Schutzmaske hätten die Täter ganz unverdächtig ihr Gesicht verdecken können.

Den Vorfall hat das Mengeder Ehepaar der Polizei gemeldet. Auch eine angebliche Rufrücknummer, die die Unbekannte genannt hat, haben sie an die Beamten weitergegeben.

„Das Ehepaar hat sich wirklich super verhalten“, lobt Polizeisprecher Sven Schönberg im Gespräch mit dieser Redaktion. Aktuell häuften sich in Dortmund wieder Fälle von Trickbetrug. In seinen Augen spiele Corona dabei keine Rolle „Diese Anrufe, die in Wellenbewegungen auftreten, gab es doch auch schon davor.“

Dass die Familie von Verena Liepelt ausspioniert wurde, hält Sven Schönberg nicht für sehr wahrscheinlich. „Das war ein Anruf ins Blaue.“ Viele ältere Menschen hätten Kinder, da seien die Chancen für die Betrüger hoch, die richtigen zu erwischen.

Ältere Menschen unbedingt aufklären

Der geschilderte Fall sei besonders perfide und niederträchtig. „Wenn jemand tot gefahren worden sein soll, ist man persönlich besonders berührt, da bauen die Betrüger massiv Druck auf“, sagt Schönberg.

Ganz wichtig sei die Aufklärung der potentiellen Opfer, auch durch die Angehörigen. Tipps finden sie zum Beispiel im Internet unter Polizei-Beratung.de. „Um ältere Menschen zu schützen, sprechen Sie mit ihnen über die Methoden der Trickbetrüger“, heißt es auch auf der Seite der Polizei.NRW.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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