Die Schwieringhauser Brücke ist seit September 2020 für den motorisierten Verkehr gesperrt. Entgegen ursprünglichen Plänen soll nun ein Neubau womöglich an gleicher Stelle erfolgen - allerdings erst ab 2025. © Uwe von Schirp
Dortmund-Ems-Kanal

Schwieringhauser Brücke: Schifffahrtsamt prüft Neubau zwischen alten Rampen

Für die Schwieringhauser Anwohner bleiben die Perspektiven düster: Kein Brücken-Neubau vor 2025. Das Schifffahrtsamt prüft einen Ersatz an gleicher Stelle. Und der hätte durchaus Vorteile.

Die Hiobsbotschaft kam vor zwei Wochen: Voraussichtlich erst 2027 kann motorisierter Verkehr wieder den Dortmund-Ems-Kanal in Schwieringhausen überqueren. Seit acht Monaten kommen nur noch Fußgänger und Radfahrer über den Kanal. Grund ist der marode Zustand des Bauwerks aus dem Jahr 1934.

Für die Schwieringhauser Anwohner ist es eine Horrorbotschaft. Sie müssen weite Umwege in Kauf nehmen. Und fragen, warum ein Baubeginn erst 2025 möglich sein soll. Schließlich gibt es seit 2006 einen rechtsgültigen Planfeststellungsbeschluss. Auf Anfrage dieser Redaktion nimmt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Westdeutsche Kanäle nun Stellung.

„Die Planfeststellung aus dem Jahr 2006 sah einen Ersatz der Brücke in endgültiger Parallellage zirka 20 Meter nördlich der vorhandenen Brücke vor“, schreibt Sven Diers vom Fachbereich Ersatzinvestitionen. „Ursächlich für die geplante Änderung der Trasse für das neue Bauwerk war der Wunsch, den Straßenverkehr während der Bauzeit über die vorhandene Brücke aufrecht halten zu können.“

WSA prüft Neubau an gleicher Stelle

Das könne nun aufgrund der erforderlich gewordenen Sperrung nicht mehr erreicht werden. Das WSA prüfe daher, ob aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen eine neue Brücke an gleicher Stelle gebaut werden könne.

Weil zusätzliche Rampenkörper entfallen, bedeute das vermutlich einen geringeren Eingriff in die Natur und Landschaft. Und es führe zu geringerem Flächenverbrauch und geringeren Baukosten. „Eine erste Abschätzung der erforderlichen Projektphasen und -laufzeiten ergab, für den Ersatz in gleicher Lage, einen möglichen Baubeginn im Sommer 2025“, schreibt Diers.

Dichter Baumbestand säumt die Rampen zur Schwieringhauser Brücke. Unterhalb liegt das Naturschutzgebiet Siesak. Ein Neubau der Brücke an gleicher Stelle würde weniger in die Natur eingreifen.
Dichter Baumbestand säumt die Rampen zur Schwieringhauser Brücke. Unterhalb liegt das Naturschutzgebiet Siesak. Ein Neubau der Brücke an gleicher Stelle würde weniger in die Natur eingreifen. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

In den zurückliegenden Monaten seien umfangreiche Überprüfungen und Nachrechnung der vorhandenen Bausubstanz durchgeführt worden, um die weiteren Projektschritte vorzubereiten.

Sven Diers erklärt: „Aufgrund der vorhandenen Personalausstattung ist es dem WSA leider nicht möglich, alle erforderlichen Maßnahme zeitgleich auszuführen. Die Maßnahmen müssen daher priorisiert werden.“ Aufgrund der Sperrung sei die Schwieringhauser Brücke in der Priorisierung weiter nach vorne gelangt.

Behelfsbrücke aus statischen Gründen nicht möglich

Bei den Überprüfungen habe sich herausgestellt, dass die vorhandenen Widerlager aufgrund voranschreitender Schäden einen Kraftfahrzeug-Verkehr nicht mehr aufnehmen können. Die im Herbst in Erwägung gezogene Behelfsbrücke sei daher aus statischen Gründen nicht umsetzbar.

Offen ist indes, ob die marode Stahl-Fachwerkbrücke bis zu einem Neubau zumindest für Fußgänger und Radfahrer nutzbar bleibt. „Wenn in den kommenden Jahren bei Prüfungen weitere oder sich vergrößernde Schäden festgestellt werden, könnte dies zu einer kompletten Sperrung führen“, erklärt der Mitarbeiter des WSA.

Einbetonierte Baken ersetzen seit einigen Wochen die provisorische Sperrung.
Einbetonierte Baken ersetzen seit einigen Wochen die provisorische Sperrung. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Im schlimmsten Fall drohe ein vorzeitiger Rückbau der alten Brücke. „Maßgeblich für diese Entscheidung ist die jährliche Beurteilung des Prüfingenieurs zur Gefährdung für die Nutzer der Brücke, der Betriebswege und für die Schifffahrt.“

Frage des Denkmalschutzes noch offen

Bleibt letztlich die Frage des Denkmalschutzes. Eine abschließende Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde sei noch nicht erfolgt.

„Die Eintragung des Brückenüberbaus in die Denkmalliste erfolgte zeitlich deutlich nachdem der Planfeststellungsbeschluss zum Rückbau und Ersatz des Bauwerkes rechtskräftig und somit unanfechtbar wurde“, erklärt Sven Diers. „Aus Sicht des WSA ist die Einstufung als Denkmal daher nicht für den Ersatz in Parallellage hinderlich.“

Anders verhalte es sich, wenn ein Planänderungsverfahren eingeleitet und ein Neubau in der vorhandenen Lage erfolgen solle. Dann, so Diers, „ist jedoch eine erneute Abwägung der möglichen Einwendungen der Denkmalschutzbehörde durch die Planfeststellungs- und Anhörungsbehörde erforderlich.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp
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