Im Kirchlinder Seniorenzentrum sind einige Bewohner am Coronavirus gestorben. © Freddy Schneider (Archivbild)
Coronavirus im Altenheim

Seniorenheim schätzt: 100-prozentige Impf-Quote wird es nie geben

Anfang des Jahres kam es zu einem Corona-Ausbruch in einem Dortmunder Awo-Seniorenheim. Infolgedessen starben 19 Bewohner. Wie viele Bewohner sind mittlerweile geimpft?

Ein Coronavirus-Ausbruch im Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Kirchlinde sorgte Anfang des Jahres für viele Schlagzeilen. 19 Bewohner starben dort im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Daraufhin testete das Gesundheitsamt Dortmund regelmäßig die Bewohner und Beschäftigten.

Seitdem ist laut Stadt Dortmund kein weiterer Bewohner des Heims am Coronavirus gestorben (Stand: 22. April 2021).

Ein Angehöriger, dessen Mutter im Seniorenheim lebt, berichtet der Redaktion, dass am 18. März Antikörpertests bei Bewohnern durchgeführt wurde, die noch keine zweite Impfung erhalten haben.

Ein Antikörpertest gibt Aufschluss darüber, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert war. Bei Menschen, deren Antikörpertest positiv ist, geht das Robert-Koch-Institut davon aus, dass sie keine zweite Impfung benötigen.

Der Sohn beklagt, dass die Ergebnisse der Antikörpertests jetzt, Ende April, immer noch nicht vorliegen.

Das sagt das Gesundheitsamt

Dazu sagt Anke Widow, Pressesprecherin der Stadt Dortmund: „Alle Personen, die zwei Auslöser – wie beispielsweise Impfung und Infektion – hatten, zeigten im Mittel gute Antikörperwerte.“

Anders sei es bei den Personen, die nur einmal geimpft oder nur infiziert waren. Da seien die Titer (Maß eines Antikörpers) „im Mittel geringer ausgefallen, das heißt: die getesteten Personen hatten weniger Antikörper“, so Widow.

Außerdem fragt sich der Sohn der Seniorenheim-Bewohnerin, wie die Impfung im Altenheim weitergeht. Ihn beunruhigt die hohe Fluktuation im Altenheim. „Es ziehen neue Bewohner ein oder neue Mitarbeiter werden eingestellt. Die ‚Neuen‘ sind möglicherweise nicht geimpft.“ Und weiter: „Es gibt also immer noch viele Ungeimpfte im Altenheim.“

Awo-Leitung zu Impfzahlen

Die Pressesprecherin der Awo, Katrin Mormann, sagt auf Anfrage der Redaktion: „Wir geben keine konkreten Impfquoten bekannt.“ Dennoch verzeichne das Heim eine „hohe Impfbereitschaft“.

„Trotzdem wird es nicht möglich sein, eine 100 prozentige Impfquote zu erreichen“, sagt Mormann. Denn in Seniorenheimen gibt es „naturgemäß immer Ein- und Auszüge“.

Hintergrundinformationen

So läuft der Besuch im Awo-Seniorenheim in Kirchlinde ab

  • Beim Betreten des Seniorenzentrums werden die Besucher im Eingangsbereich nach Symptomen wie Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Geschmacksverlust, Übelkeit oder erhöhte Temperatur gefragt.
  • Sollten Besucher diese oder ähnliche Symptome zeigen, kann ihnen der Besuch verwehrt werden. Dies gilt auch, wenn die Besuchsperson negativ auf COVID 19 getestet wurde oder bereits geimpft ist.
  • Für die Besuche sind am Eingangsbereich PoC-Schnelltests möglich.
  • Besuche sollen „im Einklang mit der jeweils geltenden Verordnung des Landes und den Anweisungen der Gesundheitsämter“ einhergehen.

„Deshalb wird es in den Seniorenzentren immer, so unsere Schätzung, 20 bis 30 Prozent der dort lebenden und arbeitenden Menschen geben, die nicht geimpft sind“, so Mormann. Außerdem gibt es keine Impf-Pflicht. Es gelten aber nach wie vor: Test- und Maskenpflicht sowie die Einhaltung der AHA-Regeln.

Laut der Pressesprecherin lassen sich Bewohner und Mitarbeiter immer mehr individuell impfen. Beispielsweise beim Haus- und Facharzt oder im Impfzentrum. „Gruppen-Impfungen gibt es in unseren Einrichtungen nur noch selten.“

Anke Widow von der Stadt Dortmund wird beim Thema Impfung schon konkreter. Sie sagt: „Die 1. Impfung am 2. Januar haben 106 Bewohner*innen und die 2. Impfung am 23. Januar haben 41 Bewohner*innen erhalten.“ Aktuell leben, laut der Awo, 114 Menschen in dem Seniorenheim in Kirchlinde.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, Menschen, die am Coronavirus trotz erster Impfung erkrankt waren, frühestens sechs Monate nach Genenesung erneut zu impfen, so Widow. „Bisherige Erkenntnisse besagen, dass ein bereits an COVID-19 erkrankter Mensch nach der Infektion für sechs Monate geschützt ist.“

Impfzentrum organisiert Impfung vor Ort

Weil alle Bewohner einer Senioreneinrichtung zur höchsten priorisierten Impf-Gruppe gehören, werden sie mehrheitlich geimpft. Die Seniorenheime selbst melden Impfzentren, wenn neue Bewohner eingezogen sind, die noch keine Impfung erhalten haben. Das Impfzentrum organisiert dann die mobile Impfung vor Ort.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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Frederike Schneider

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