Vier Männer und ein Baum: aufgenommen am 8. Dezember um 19.05 Uhr. Ein pikanter Vorgang – denn für die Finanzierung der Beleuchtung gab es erst 24 Stunden später grünes Licht. © Plutta
Ortseingang

Spielregeln missachtet: Weihnachtsbaum lässt Emotionen hochkochen

Am nördlichen Mengeder Ortseingang erstrahlt ein Tannenbaum im festlichen Licht. Er steht für bürgerschaftliches Engagement. In der Bezirksvertretung sorgt das Projekt für Diskussionen.

Es hat den Anschein einer Posse – mit Undankbarkeit und Prinzipienreiterei. Dabei geht es um vollendete Tatsachen, einen fragwürdigen Alleingang und die Missachtung von Spielregeln. Die Rede ist von einem hell erstrahlenden Weihnachtsbaum am nördlichen Ortseingang von Mengede.

Seit der ersten Adventwoche steht er auf der Verkehrsinsel an der Kreuzung Waltroper Straße/Schaphusstraße. Vorweihnachtliche Deko ist an dieser Stelle nicht neu. Erstmals aber erstrahlt dort ein Baum –vor dem Hintergrund alter Fachwerkhäuser und der evangelischen Remigiuskirche.

Dass der Baum hier steht geht auf das Engagement Mengeder Bürger zurück. Vornehmlich sind es Mitglieder des Kulturvereins. Seit Jahren schon lassen sie es sich nicht nehmen, das Amtshaus mit einem Weihnachtsbaum in festliches Ambiente zu versetzen. Nun also der zweite Baum an der Kreuzung.

Attraktive Ortseingänge

Das ist ganz im Sinne von Stadtbezirksmarketing und Bezirksvertretern, die die Ortseingänge attraktiver gestalten wollen. Bestes Beispiel: die von Landschaftsgärtnern aufgewerteten Kreisverkehre an der „Spinne“ am anderen Ende der Schaphusstraße.

„Tue Gutes und rede darüber.“ Das ist ein Grundsatz von Öffentlichkeitsarbeit – umso mehr, wenn es um ehrenamtliches Engagement geht. Und so ist ein Foto der engagierten Mengeder vor dem hell erleuchteten Baum entstanden. Aufgenommen am 8. Dezember, um 19.05 Uhr – anhand der Kameradaten leicht zu erkennen.

Seit Jahren schon tauchen engagierte Mengeder das Amthaus mit einem leuchtenden Weihnachtsbaum in ein festliches Ambiente.
Seit Jahren schon tauchen engagierte Mengeder das Amthaus mit einem leuchtenden Weihnachtsbaum in ein festliches Ambiente. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Am 29. Dezember erscheint das Foto in der Druckausgabe dieser Zeitung – und noch einmal kochen Emotionen und Diskussionen hoch, die seit gut drei Wochen begraben scheinen: im Sinne des Engagements und der Außendarstellung des Stadtbezirks. Doch Mengeder Bezirksvertreter fühlen sich nun zum zweiten Mal brüskiert, wie unsere Redaktion erfahren hat.

Denn zum Zeitpunkt der Aufnahme des Fotos und des Versands der Presseinformation ist das festliche Licht noch keineswegs beschlossene Sache. Die Bezirksvertretung (BV) hat erst am 9. Dezember getagt.

Trotz Engagement und Spende: kein kostenneutrales Projekt

Unter dem Tagesordnungspunkt 13.11 steht ein Antrag der SPD-Fraktion zur Diskussion: Beleuchtung der Verkehrsinsel Waltroper Straße/Schaphusstraße – Einrichtung eines Stromanschlusses. Trotz des Anpackens der Bürger und der Spende des Baums durch den Gartenbaubetrieb Linneweber: Kostenneutral ist der Schmuck am Ortseingang nicht.

„Der Baum leuchtet ja schon“, eröffnet Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann die Beratung. Geschäftsführerin Antje Klein zeigt sich erstaunt: „Ich habe noch keine Kostenzusage erteilt.“ Die Gesichter der Stadtteilpolitiker zeigen eine Mischung aus Erstaunen und ungläubigen Kopfschütteln. Denn es geht immerhin um einen Betrag von 1785 Euro.

Anja Hubbert (SPD) erklärt, ihr Mengeder Ortsverein habe das Projekt unterstützt – im Sinne der Aufwertung der Ortseingänge. Überlegungen machen die Runde: Wenn der Baum schon leuchte, müsse der Anschluss nicht erst noch gelegt werden. Ergo könne der Antrag von der Tagesordnung.

Vorleistung erzeugt Kopfschütteln

SPD-Fraktionssprecherin Sylvia Dettke ergreift ihr Handy und verlässt zweimal den Saal. Das zweite Telefonat bringt Klärung. Dass der Baum leuchte, sei quasi eine Vorleistung – in der Erwartung, dass die Politiker die Übernahme der Kosten beschließen. Passiere das nicht, würden die Lichterketten am nächsten Tag wieder entfernt.

Erneutes Kopfschütteln. „Erpressung“, ist leise zu hören. „Ich mache mal einen Vorschlag“, sagt Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann. „Normalerweise hätten wir mit Blick auf die Aufwertung des Ortseingangs dem Antrag ja zugestimmt.“

Der Beschluss fällt – wenig überraschend – diesmal nicht einstimmig aus. Mit nur neun Ja-Stimmen und sieben Enthaltungen entscheidet die BV, dass der Baum weiter erstrahlen kann.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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