Kai G. wohnt in Bövinghausen und wartet inzwischen völlig entnervt auf die Gelegenheit, endlich gegen Corona geimpft zu werden. © Privat
Coronavirus

Statt einer Corona-Impfung gab es für Kai G. bisher nur Beleidigungen

Kai G. ist ein Risikopatient, stark übergewichtig. Eigentlich müsste er längst gegen Corona geimpft sein. Einen Termin aber hat er bisher nicht bekommen, stattdessen gab es Beleidigungen.

Kai G. aus Bövinghausen, der seinen vollen Namen lieber nicht hier lesen möchte, versteht langsam die Welt nicht mehr. Der 38-Jährige, der an der Provinzialstraße zu Hause ist, ist stark übergewichtig, bringt bei einer Größe von 1,71 Meter „so 130 bis 140 Kilo auf die Waage, genau kann ich das jetzt nicht sagen“.

Wegen des Übergewichts ist er in ärztlicher Behandlung, hat von seinem Hausarzt auch schon vor Wochen ein Attest bekommen, um frühzeitig an eine Corona-Impfung zu kommen. „Wenn ich das Virus bekäme, könnte ich daran gut sterben“, ist Kai G. sicher.

Ausweichende Antworten oder Vertröstungen

Das Problem: Er hat bis heute keinen Impftermin bekommen können. Die Geschichte, die der Bövinghauser, der derzeit von Hartz IV leben muss, erzählt, ist krass. Denn seit Monaten, so beteuert er, ruft er immer wieder die Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL) an, um einen Termin im Impfzentrum auf Phoenix West zu kommen.

„Jedes mal, wenn ich anrufe, bekomme ich entweder ausweichende Antworten, werde vertröstet“, erzählt der 38-Jährige. Mal seien gerade keine Impftermine frei, mal bestätige man ihm, dass er im Computer vorgemerkt sei, aber gerade kein Impfstoff für ihn da sei.

Das Impfzentrum auf Phoenix West in Hörde. Hier möchte sich Kai G. endlich impfen lassen. Doch alle Anrufe bei der Hotline haben noch keinen Erfolg gebracht.
Das Impfzentrum auf Phoenix West in Hörde. Hier möchte sich Kai G. endlich impfen lassen. Doch alle Anrufe bei der Hotline haben noch keinen Erfolg gebracht. © Stephan Schuetze © Stephan Schuetze

Oder es kommt noch schlimmer, wie Kai G. zu berichten hat: „Einmal hat man mir bei der Hotline gesagt, ich solle doch einfach abnehmen, dann würde sich das Problem erübrigen.“ Da war der Bövinghauser sprachlos. Genau so sprachlos wie in der vergangenen Woche, „als mir ein kerngesunder Kollege erzählt hat, dass er jetzt einen Impftermin in Hörde bekommen hat“.

Hausarzt hat noch andere Risikopatienten zu impfen

Sein Hausarzt, der ihn seit seiner Geburt kenne und ihn deshalb auch duze, könne ihn im Moment auch noch nicht impfen, habe der ihm gesagt. „Der hat so wenig Impfstoff, dass er den natürlich erst mal für ältere Risikopatienten nehmen muss. Das verstehe ich ja auch komplett.“

Was er aber nicht versteht, das ist, weshalb er selbst, als Risikopatient der Priorität 2 eingestuft, bei allen Impfterminen bisher leer ausgegangen ist. Und so hat er Anfang der Woche aus Frust direkt in Düsseldorf beim Gesundheitsministerium angerufen.

Leider mit sehr frustrierendem Ergebnis, wie G. unserer Redaktion berichtet. „Rausgekommen ist nichts, ich habe aber auch da die dumme Antwort bekommen, dass ich die Wartezeit doch gut zum Abnehmen hätte nutzen können. Da habe ich dem Mann gesagt, dass er zwar vielleicht in höherer Position ist, aber deshalb noch lange nicht beleidigend werden muss.“

Kassenärztliche Vereinigung ist ratlos

Offen bleibt, warum der Mann von der Provinzialstraße bisher durch das Impfraster gefallen ist. Das kann sich auch Vanessa Pudlo von der Kassenärztlichen Vereinigung nicht erklären, der wir den Fall von Kai G. schilderten. „Wer von seinem Arzt ein Attest bekommen hat, dass er der Priorisierungsgruppe 2 angehört, hat sich eigentlich frühzeitig einen Impftermin holen können“, bestätigt die Sprecherin der KVWL.

Warum das bei Kai G. bis heute nicht geklappt habe, können sie von außen natürlich schwer nachvollziehen. „Wenn alles so ist, wie der Herr schildert, muss da irgendwo etwas gründlich daneben gegangen sein“, so Vanessa Pudlo. Im Moment allerdings seien Erstimpfungen in den Impfzentren nicht möglich, weil dafür gerade keine Impfstoffe bereitgestellt würden.

Kai G. wird also nichts anderes übrig bleiben, als auf Zeit zu spielen, es ab Mitte Juni wieder bei der Hotline zu versuchen oder zu warten, bis er bei seinem Hausarzt an der Reihe ist. Sehr unbefriedigend, wie nicht nur der 38-Jährige findet.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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