Mit diesem Schaubild erläutert die Stadt die Situation unter der Erde und die verschiedenen Zuständigkeiten. © Stadt Dortmund/Grafik Sauerland
Beschädigte Anschlussleitungen

Tagesbrüche in Dortmund: Stadt weist Bürger-Kritik zurück

Ein Tagesbruch in Kley sorgt weiter für Gesprächsstoff. Nicht nur, dass ein Grundstückseigentümer die Reparatur bezahlen muss, wurmt einige Bürger. Mit der Stadt gehen sie hart ins Gericht.

Der Tagesbruch in Kley ereignete sich bereits Mitte Dezember und ist bislang nicht repariert. Nach wie vor muss der motorisierte Verkehr eine Umleitung fahren. Darüber regt sich anscheinend aber niemand auf.

Der Unmut der Bürger geht in eine andere Richtung. Ihnen stößt übel auf, dass ein Grundstückseigentümer für den Tagesbruch verantwortlich gemacht wird und deshalb auch für die Kosten aufkommen muss.

Die Stellungnahme der Stadt zu den Kritikpunkten der Bürger liegt mittlerweile vor. Vorab erklärt Stadtsprecher Christian Schön die Rechtslage. „Die wenigsten Eigentümer wissen, dass nicht nur die Rohre für Schmutz- und Regenwasser unter dem Haus, sondern auch die Leitungen von der Grundstücksgrenze bis zum öffentlichen Kanal in der Straße ihnen gehören.“

„Tagesbrüche stellen eine große Gefahr dar“

Viele wüssten deshalb auch nicht, in welchem Zustand die Leitungen sind und dass sie für Schäden haften müssen. „Unentdeckte Schäden und undichte Leitungen belasten die Umwelt. Austretendes Schmutzwasser kann Verunreinigungen von Boden und Grundwasser zur Folge haben, was mit einem Bußgeld geahndet werden kann“, so Schön.

Gerade Tagesbrüche durch unterspülte Straßenflächen stellten eine große Gefährdung dar und könnten teuer für die Eigentümer werden, wenn sie die Schäden beheben müssen. Deshalb rät Schön: „Eine Untersuchung kann versteckte Schäden aufdecken und Risiken für Eigentümer senken.“

Der Tagesbruch in Kley wurde noch nicht repariert.
Der Tagesbruch in Kley wurde noch nicht repariert. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Eine regelmäßige Wartung der Abwasserleitungen sehe zudem der Gesetzgeber vor, so Schön. „Spätestens alle 30 Jahre hat der Eigentümer eine sog. Zustands- und Funktionsprüfung verpflichtend durchzuführen.“

Dortmunder Bürger haben eine andere Sicht auf die Lage. Mit Blick auf den jüngsten Tagesbruch in Kley sparen sie nicht mit Kritik:

Der Tagesbruch in Kley befindet sich mitten auf der Straße über dem städtischen Kanal. Ist dort die Anschlussleitung des Hauses? Dass das Absacken des städtischen Kanals die Ursache für den Defekt der privaten Anschlussleitung sein könnte, wird vollkommen ausgeschlossen.

Laut Stadt verläuft die private Grundstücksanschlussleitung genau unter dem vorhandenen Tagesbruch. Bevor ein betroffener Grundstückseigentümer die Aufforderung zur Sanierung erhält, erfolge immer eine Kamerauntersuchung des öffentlichen Kanals durch den Kanalbetrieb der Stadtentwässerung Dortmund.

„Erst wenn durch diese Kamerauntersuchung in Verbindung mit einem Farbtest die Ursache eindeutig festgestellt wurde, wird der Eigentümer zur Sanierung aufgefordert“, so Schön. Der öffentliche Kanal in der Dorneystraße habe vor dem Tagesbruch keine Beeinträchtigungen aufgewiesen.

Die Stadt hat es nicht nötig, Beweise für den ordnungsmäßigen Zustand des städtischen Kanals vorzulegen, sondern verlangt dieses nur von den Eigentümern der Häuser.

Die Stadtentwässerung inspiziere und kontrolliere sämtliche öffentlichen

Kanäle unter Beachtung des einschlägigen Normen- und Regelwerkes, so Schön.„Sobald Hinweise auf einen Tagesbruch vorliegen, erfolgt darüber hinaus noch eine weitere sogenannte Kamerauntersuchung und Dokumentation des Zustandes des öffentlichen Kanals durch den Kanalbetrieb der Stadtentwässerung.“ Diesen Inspektionsbericht kommentarlos an die betroffenen Bürger zu versenden, sei aus Erfahrung kontraproduktiv, „da die Interpretation der Dokumentation erhebliche Fachkenntnisse voraussetzt.“

Die Sanierung von Hausanschlussleitungen ist oft nur mit der Sanierung des öffentlichen Kanals möglich. Dadurch explodieren die Kosten für den Eigentümer.

„Die Unterstellung durch den Fragesteller wird mit Nachdruck zurückgewiesen“, so Schön. Vielfach liege die Schadensursache in einem unfachmännischen Anschluss der Grundstücksanschlussleitung an den städtischen Kanal. „Das fachgerechte Herstellen dieses Anschlusses liegt in der Verantwortung des Anschlussnehmers, also desjenigen, der seine Anschlussleitung an den öffentlichen Kanal anschließt.“ Fehler führten häufig auch zu einer Beschädigung der öffentlichen Abwasseranlage.

Gelistete Firmen der Stadt verdienen sich eine goldene Nase, ohne für einen Abschluss der Arbeiten zu sorgen.

Die Stadtentwässerung habe als Bürgerservice und zur Sicherstellung einer möglichst hohen Qualität eine Liste mit Firmen erstellt, die u.a. eine Sanierung defekter privater Abwasserleitungen anbieten, so Schön. „Dazu wurden gemeinsam mit dem Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) Qualitätsstandards aufgestellt, welche die Firmen erfüllen müssen.“ Der Stadtentwässerung seien keine Fälle bekannt, in denen die Firmen ihre Arbeiten nicht beendet hätten.

Diese Firmen melden Schäden am öffentlichen Kanal nicht der Stadt, da sie sonst nichts mehr verdienen können.

„Die Unterstellung des Anfragenden wird nachdrücklich zurückgewiesen“, so Schön. Die Sanierung festgestellter Schäden erfolge auf Grundlage eines

Sanierungskonzeptes durch Vertragsfirmen unter Wahrung des öffentlichen Vergaberechts. „Privat von einem Grundstückseigentümer beauftragte Firmen haben weder einen Vorteil noch einen Nachteil, wenn mögliche Schäden am öffentlichen Kanal gemeldet oder nicht gemeldet werden würden.“

Ohne Rechtsanwalt und gute Rechtsschutzversicherung geht hier gar nichts mehr.

„Dieser falschen Behauptung wird widersprochen“, so Schön. Die Abwicklung von Tagesbrüchen auf dem Dortmunder Stadtgebiet habe bislang noch zu keinem Rechtsstreit geführt.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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