Ein Gedenkkreuz aus Holz erinnert an den Mann, der offenbar im Lütgendortmunder Park der Generationen verstorben ist. © Freddy Schneider
Gedenkkreuz

Tragischer Tod: Holzkreuz erinnert in Dortmunder Park an einen Verstorbenen

Ein 55-jähriger Mann ist im November im Park der Generationen in Lütgendortmund gestorben. An ihn erinnert ein hölzernes Kreuz. Sein Neffe nennt ihn eine „kleine Legende“, die alle kannten.

Die Stimmung ist trist. Das liegt am einsetzenden Nieselregen. Der Himmel ist grau – es sind nur wenige Menschen im Park unterwegs. Keine Überraschung, schließlich befindet sich Dortmund im Lockdown.

„So will doch niemand sterben.“

Angehöriger des Verstorbenen

Bei einigen regelmäßigen Parkbesuchern ist die Stimmung aber auch deshalb gedrückt, weil hier erst vor Kurzem ein Mann verstorben ist. Ein Mann, den viele hier gut kannten. An seinen Tod erinnert ein Gedenkkreuz, das direkt neben der Boule-Bahn steht. Es ist klein und besteht nur aus zwei einfachen Holzlatten. Mit schwarzem Filzstift hat jemand ein Datum draufgeschrieben: „10.11.2020“.

Dortmunder verstarb wohl auf Parkbank

An jenem 10. November 2020, einem Dienstag, soll der 55-jährige Dortmunder hier im Park der Generationen in Lütgendortmund gestoben sein. Auf der Bank neben der Boule-Bahn.

„So will doch niemand sterben“, sagt ein Mann zwischen 25 und 35 Jahren. Seine Maske verdeckt Nase und Mund. Die Augen sehen ehrlich aus. „Ich bin der Neffe.“

Sein Onkel soll im Park so etwas wie eine „kleine Legende“ gewesen sein. „Alle kannten ihn mit Vornamen.“

Kerzen und Blumen niedergelegt

Sein Cousin, der Sohn des Toten, habe das Gedenkkreuz aufgestellt. „Wir haben im November Kerzen zum Kreuz gestellt und Blumen niedergelegt“, berichtet der Mann.

Er hat Angst, dass das Kreuz verschwinden muss, sobald dieser Artikel erscheint. Diese Angst sei unbegründet, versichert dagegen der Dortmunder Stadtsprecher Christian Schön. Das Kreuz dürfe bleiben.

Im Lütgendortmunder Park sind am Mittwochnachmittag bei Nieselwetter nur wenig Menschen anzutreffen.
Im Lütgendortmunder Park sind am Mittwochnachmittag bei Nieselwetter nur wenig Menschen anzutreffen. © Freddy Schneider © Freddy Schneider

„‚Spontane Gedenkorte‘ gibt es immer wieder – oft in Zusammenhang mit Verkehrsunfällen“, sagt Schön. Als Beispiel nennt der Sprecher sogenannte „Ghostbikes“, die es auch in Dortmund gibt.

Der Neffe steht mit Abstand neben zwei Kumpel und einer Bekannten seines verstorbenen Onkels im Park. Die vier erinnern sich an den 55-Jährigen. Die Kumpel beschreiben ihn als „feinen Kerl“. Er habe immer geholfen und seinen Freunden Geld geliehen, wenn „Not am Mann“ war. Der Dortmunder soll jeden Tag im Park gewesen sein.

„Man dachte, er ist eingeschlafen“

Die Stammgäste des Parks waren am 10. November 2020 nicht dabei, als der Dortmunder verstarb. Doch hat sich rumgesprochen, wie er verstorben sein soll. Diejenigen, die an dem Tag vor Ort waren, dachten zunächst, der 55-Jährige sei auf der Bank eingeschlafen. Das erzählt der Neffe.

Das Kreuz steht neben der Boule-Bahn im Park der Generationen in Lütgendortmund und erinnert an den Verstorbenen.
Das Kreuz steht neben der Boule-Bahn im Park der Generationen und erinnert an den Verstorbenen. © Freddy Schneider © Freddy Schneider

Ein Krankenwagen soll in den Park gerufen worden sein, als klar war, dass etwas nicht stimmt. Doch die Hilfe kam zu spät. „Er war tot“, sagt der Neffe. Sein Onkel soll zu dem Zeitpunkt betrunken gewesen sein.

Dass es an diesem Tag einen Einsatz gegeben hat, „der zu dem Fall passen könnte“, gibt ein Pressesprecher der Feuerwehr Dortmund bekannt. Details nennt er jedoch nicht. Die Polizei kann nur sagen, dass es an jenem Tag keine Hinweise auf ein Tötungsdelikt oder einen Suizid gegeben hat.

Erfroren sei sein Onkel nicht. „Er war nicht obdachlos, hatte eine Wohnung“, stellt der Neffe klar. Am Todestag des 55-Jährigen war es laut Wetterbericht in Dortmund zwischen 5 und 9 Grad kalt.

Das Parkschild ist kaum leserlich. An ihm hängt ein Informationspapier der Stadt Dortmund, das die Besucher daran erinnert, sich an die bestehenden Corona-Regeln zu halten.
Das Parkschild ist kaum leserlich. An ihm hängt ein Informationspapier der Stadt Dortmund, das die Besucher daran erinnert, sich an die bestehenden Corona-Regeln zu halten. © Freddy Schneider © Freddy Schneider

„Warm gehalten“ habe sich der 55-Jährige öfter mit Kräuterlikör, erzählt ein Boule-Spieler, der den Toten gekannt haben will. Auch er nennt den Fall tragisch. Darüber sind sich alle einig. „Er war ein netter Kerl.“

55-Jähriger wurde beerdigt

Stadtsprecher Christian Schön bestätigt, dass es jemanden gibt, auf den Todesdatum und Name zutreffen, der in Lütgendortmund auf dem Bezirksfriedhof beerdigt wurde. „Wenn ein Mensch plötzlich auf einer Parkbank verstirbt, dann ist das auch aus Sicht der Stadt Dortmund ein sehr trauriges und tragisches Ereignis“, sagt Schön.

Der 55-Jährige ist längst eingeäschert und beerdigt. „Da hinten, hinter der Kirche liegt er“, sagt einer seiner Kumpel.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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Frederike Schneider

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