Das sagen Schulleiterinnen aus Dortmund zu der aktuellen Corona-Lage. Unter anderem haben wir mit Sabine Schmidt-Strehlau vom Bert-Brecht-Gymnasium gesprochen. © Stephan Schuetze (Archivbild)
Coronavirus

Trotz Lockdowns: Viele Kinder im Dortmunder Westen gehen noch zur Schule

Im harten Lockdown können Schüler der Klassen 1-7 auch von zu Hause lernen. Doch viele gehen in die Schule – und der Digitalunterricht funktioniert im Dortmunder Westen nur eingeschränkt.

Seit Montag dieser Woche müssen Schüler in Nordrhein-Westfalen nicht mehr zum Unterricht erscheinen. Für Kinder ab Klasse 8 ist Distanzunterricht verpflichtend, bei Kindern der Klassen 1-7 dürfen sich Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder sie zu Hause betreuen. Dort müssten die Kinder am Distanzunterricht teilnehmen.

Im Dortmunder Westen gehen offenbar durchaus viele Kinder weiter in die Schule, wie eine kleine Umfrage unserer Redaktion ergeben hat. Die Schulleiterin des Bert-Brecht-Gymnasiums (BBG) in Kirchlinde, Sabine Schmidt-Strehlau, berichtet auf Anfrage der Redaktion, dass 120 von 385 Kindern der Jahrgänge 5 bis 7 am Mittwoch (16. Dezember) in der Schule gewesen seien – rund 30 Prozent.

Die Lehrerinnen und Lehrer am Bert-Brecht-Gymnasium laden vor dem Unterricht Materialien und Tafelbilder auf die Plattform Classroom von Google. Auf die Plattform haben Kinder und Lehrer Zugriff. „Das funktioniert gut“, sagt die Schulleiterin.

Dass Unterrichtsstunden live gestreamt werden, funktioniere nur in einzelnen Klassen, sagt Schmidt-Strehlau. Um das flächendeckend anzubieten, bräuchte die Schule eine bessere Internetleitung. Das hatten schon im November zwei Lehrer kritisiert, die sich am BBG um die Digitalisierung kümmern.

Die Schulleiterin überlegt derweil, ob sie ab Januar ihren Schülern iPads zur Verfügung stellt, die sie zu Hause nutzen können. So sollte es allen Kindern möglich sein, am Unterricht teilzunehmen – auch diejenigen, deren Eltern zu Hause nicht über die notwendigen digitalen Geräte verfügen. Momentan gibt es rund 250 iPads am BBG. 160 werden von der Schülerschaft genutzt, 93 von Lehrerinnen und Lehrern.

Was der Schulleiterin, im Vergleich zum ersten Lockdown, aufgefallen ist: „Die Kinder selbst sagen wohl zu ihren Eltern: ‚Ich möchte gern in die Schule.‘ Denn: Schule ist Begegnung.“ Und die Kinder vermissen ihre Freunde.

Was die Kinder dieses Jahr vermissen werden, sind Wichtel-Geschenke. Denn das Wichteln fällt genauso aus wie der Gottesdienst, der am Freitag (18.12.) stattgefunden hätte und den viele Schüler vorbereitet hatten.

Ähnliche Beobachtung an der Heinrich-Böll-Schule

Zur Heinrich-Böll-Gesamtschule in Lütgendortmund kommen rund 40 Prozent der Fünft- bis Siebtklässler. Die didaktische Leiterin Dagmar Wolf betont, dass es sich um eine Notbetreuung handelt, für Schüler, deren Eltern einen systemrelevanten Beruf ausüben oder die sonst keine Betreuung gewährleisten können.

So läuft der Unterricht an der Heinrich-Böll-Realschule.
So läuft der Unterricht an der Heinrich-Böll-Realschule. © Stephan Schütze (Archivbild) © Stephan Schütze (Archivbild)

„Der Distanz-Unterricht über IServ gelingt nur bedingt“, sagt Wolf. IServ ist eine digitale Lernplattform, die die Stadt Dortmund der Gesamtschule zur Verfügung gestellt hat. Stadtsprecherin Anke Widow sagt, dass rund 80 von 154 Schulen, unabhängig von der Schulform, in Dortmund IServ nutzen. Wolf erläutert, das digitale Lernen finde in drei Stufen statt.

Zur ersten Stufe gehört, dass die Lehrerschaft Wochenpläne des Stoffs und Aufgaben auf IServ hochladen. Im zweiten Schritt chatten Lehrer mit ihren Schülern – und das während der Unterrichtszeit. Das Unterrichten per Livestream gehört zur dritten Ebene. Und genau da hake es.

„Es haben ja praktisch von heute auf morgen etliche Schulen auf IServ zugegriffen. Das war zu viel“, sagt Wolf und kritisiert, dass die Landesregierung erst am Freitagnachmittag (11.12.) verkündet hatte, dass die Präsenzpflicht ab Montag (14.) aufgehoben werde.

So läuft der Unterricht an der Marienborn-Grundschule

An der Marienborn-Grundschule in Lütgendortmund kann Schulleiterin Christiane Wetter von digitalen Lernplattformen nur träumen. Bei ihr laufe alles noch recht analog. Die Grundschüler hätten am Montag (14.12.) ihre Wochenpläne und Aufgaben für die gesamte Woche bekommen.

Die katholische Marienborn-Grundschule musste für das kommende Schuljahr 2021/22 angemeldete Kinder ablehnen.
Die katholische Marienborn-Grundschule musste für das kommende Schuljahr 2021/22 angemeldete Kinder ablehnen. © Stephan Schütze (Archiv) © Stephan Schütze (Archiv)

„Montag waren wir fast vollständig“, sagt Wetter. Nach und nach seien es weniger geworden: „Heute ist ein Viertel der Kinder gekommen.“

Bis zum 22. Dezember sollen Eltern die Aufgaben ihrer Kinder an der Schule abgeben oder per Post schicken. „Wir werden sie aber auch im Januar einsammeln“, verspricht Wetter.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Freddy Schneider, Jahrgang 1993, Dortmunderin. Gelernte Medienkauffrau Digital/Print und Redakteurin. Seit 2012 arbeitet sie bei den Ruhr Nachrichten.
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Frederike Schneider

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