Andreas und Stefanie Rahenbrock an ihrer Heizung. Durch durch den kleinen Schlauch, auf den Andreas Rahenbrock zeigt, lief das Wasser in den Abfluss. © Holger Bergmann
Teure Rechnung

Unglaublicher Verbrauch: Familie hat einen besonderen Wasserschaden

Ein Anruf bei der Hotline von DEW21. Stefanie Rahenbrock freut sich über ein nettes Service-Gespräch. Doch als die Mitarbeiterin einen Scherz macht, stockt Stefanie Rahenbrock der Atem.

Besser eine Rückzahlung als eine Nachzahlung. So denkt Stefanie Rahenbrock. Deshalb wollte sie die Abschlagszahlung für das Trink-Wasser von 40 Euro auf 80 Euro erhöhen. Also erstmal etwas mehr bezahlen und dann das überschüssige Geld zurück bekommen.

Stefanie Rahenbrock und ihre Familie hatten im Februar den großen Schritt gemacht und sich ein Haus am Lütgendortmunder Hellweg gekauft. Fast hundert Jahre alt, verwinkelt mit urigem Garten. „Unsere Villa Kunterbunt“, sagt sie.

Im Juli hatte sie dann die Idee mit der Abschlagszahlung und rief unter der Service-Hotline an. Die Call-Center-Mitarbeiterin fragte kurz nach dem Stand des Wasserzählers und fragte dann laut Stefanie Rahenbrock: „Betreiben sie ein Schwimmbad?“

Wasser abdrehen

Stefanie Rahenbrock lachte noch, doch dann sagte die DEW-Mitarbeiterin: „Drehen sie sofort ihren Wasseranschluss zu, sie haben ein Problem“. Das Problem: Die Familie hatte in weniger als fünf Monaten soviel Wasser verbraucht, wie der Vorbesitzer in einem ganzen Jahr.

Der im Fachjargon „unplausible Wasserverbrauch“ betrug 870.000 Liter Wasser. Ein Mensch in Deutschland verbraucht laut laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft pro Jahr etwa 46.500 Liter Wasser. Mit fünf Personen hätte der Jahres-Verbrauch der Rahenbrocks bei 232.500 Litern liegen sollen.

Deshalb war die Menge des verbrauchten Wassers ein Schock. Zumal nun eine entsprechende Rechnung zu erwarten ist. Stefanie Rahenbrock geht, Wasser und Abwasser kombiniert, von über 5000 Euro Extra-Kosten aus.

Das Schlimmste vermieden

Da tröstet es gar nicht, dass sie ja Glück im Unglück hatte. „Der Anruf, als wir es bemerkt haben, das war ja Zufall. Normalerweise rechnet man den Wasserverbrauch ja zum Jahresende ab.“ Unerkannt hätte sich bis dahin eine fünfstellige Summe auftürmen können.

Dann ging die Fehlersuche los. „Wir haben alles an und wieder abgeschaltet, was wir haben“, berichtet Andreas Rahenbrock. Am Ende stellte sich heraus, dass die Heizung für den hohen Verbrauch sorgte.

Ein herbeigerufener Monteur erkannte, dass ein Schaden den Zufluss zum Warmwasserspeicher störte. Der Defekt aktivierte das Überdruckventil und das ließ das Wasser in den Abfluss laufen.

Nichts gemerkt

Wie hätte man das merken können? „Wenn wir fünf morgens geduscht haben, war das heiße Wasser schnell alle“, berichtet Andreas Rahenbrock. „Aber der Schaden muss direkt nach dem Einzug aufgetreten sein, wir kannten die Heizung nicht anders.“

Die finanzielle Aufbereitung dieses Fiaskos brachte für Stefanie Rahenbrock keine Lichtblicke. Die Elementar-Versicherung zahlt nicht, denn es ist nichts kaputt. Gäbe es irgendeinen durch das Wasser verursachten Schaden, würde die Versicherung sogar die Rechnung für das Wasser übernehmen.

Hoffnung auf Kulanz

Die Garantie für die Heizung war natürlich abgelaufen. Für eine Reparatur der Therme wurden weitere 3000 Euro fällig. In ihrer Verzweiflung hat Stefanie Rahenbrock nun einen Antrag mit Bitte auf Kulanz an die DEW und die Stadt Dortmund gestellt.

Der Antrag ist noch in Bearbeitung, doch realistisch erwartet Stefanie Rahenbrock vielleicht die Möglichkeit, das Geld in Raten abzahlen zu können. Die Stadt hat auf eine Anfrage dieser Redaktion noch nicht geantwortet.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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