Die Reparaturkosten für diesen Tagesbruch muss der Grundstückseigentümer übernehmen. Bürger können aber schon im Vorfeld aktiv werden. © Stadt Dortmund
Defekte Anschlussleitungen

Viele Antworten: Tagesbrüche und die Folgen für Grundstückseigentümer

Für die Reparaturkosten eines Tagesbruchs im Dortmunder Westen muss ein privater Grundstückseigentümer aufkommen. Hier gibt es viele Informationen zu diesem wichtigen Thema.

Ein kleiner Tagesbruch hat für einen Grundstückseigentümer große Folgen: Weil ein Schaden in seiner Anschlussleitung an den öffentlichen Kanal das Loch an der Straßenoberfläche verursacht hat, muss er laut Stadt nicht nur die Reparatur veranlassen, sondern auch für die Kosten aufkommen. Konkret soll Bodenmaterial in die geschädigte Leitung geraten sein und sich so ein unterirdischer Hohlraum gebildet haben.

Dieser Fall ereignete sich am 15. Dezember an der Dorneystraße in Dortmund-Kley. Zwei Tage später schrieb dazu Stadtsprecher Christian Schön: „In Dortmund, wie auch in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens, liegen Eigentum und Verantwortung der Anschlussleitungen zum öffentlichen Kanal beim Grundstückseigentümer.“

Das Thema ist auf ein großes Leserinteresse gestoßen. Vielen Bürgern ist nämlich gar nicht bekannt, dass sie in Fällen wie diesen in der Verantwortung stehen können. Deshalb hat diese Redaktion mit der Stadt das Thema noch einmal vertieft. Die Antworten lesen Sie hier.

Wie groß ist der Schaden beziehungsweise wie hoch sind die Kosten für den Grundstücks-Eigentümer an der Dorneystraße?

Zu der Höhe der Kosten kann die Stadt nichts sagen, da der Grundstückseigentümer privat mit der Sanierungsfirma abrechnen muss und die Kosten nicht an die Stadtentwässerung Dortmund übermittelt werden. Der Eigentümer hat inzwischen eine Firma beauftragt. Diese kann die Arbeiten voraussichtlich Anfang Januar 2021 beginnen.

Gab es schon häufiger Tagesbrüche in Dortmund in Zusammenhang mit Schäden an privaten Grundstücksanschlussleitungen?

Tagesbrüche aufgrund defekter Grundstücksanschlussleitungen treten immer häufiger auf, da die Verantwortlichkeit des Grundstückseigentümers für diese Leitung oftmals nicht bekannt ist und daher regelmäßige Untersuchungen ausbleiben. Eine genaue Anzahl kann die Stadt aber nicht nennen.

Kann eine defekte Anschlussleitung auch andere Schäden anrichten?

Ja, sagt Stadtsprecher Christian Schön und zählt als Beispiele Exfiltration,
Infiltration (aus- und eintretendes Wasser) und Gebäudevernässung auf. „Allgemein können Schäden negative Auswirkungen auf die Standsicherheit, die Betriebssicherheit und die Dichtheit einer Leitung haben.“

Um die Zahl von Tagesbrüchen zu verringern, läuft durch die Stadtentwässerung eine flächendeckende Untersuchung der gesamten 95.000 privaten Grundstücksanschlussleitungen. Wie weit ist sie fortgeschritten?

Im Schnitt kann die Stadtentwässerung mit ihrem Kamerafahrzeug jährlich circa 3000 Leitungen schaffen. Die ersten Befahrungen haben im September 2019 im Wasserschutzgebiet im Dortmunder Süden begonnen. Durch die besonderen Herausforderungen im Wasserschutzgebiet wurden dort bislang erst rund zwei Drittel der 3.000 Grundstücke befahren.

Wie ist das bisherige Ergebnis?

„Zum jetzigen Zeitpunkt der Untersuchungen kann nur gesagt werden,
dass es sowohl Grundstücksanschlussleitungen gab, die schadensfrei waren, als auch Leitungen, bei denen Schäden aller drei Schadenklassen A, B und C gemäß DIN 1986-30 festgestellt wurden“, so Christian Schön.

Bei Schäden der Schadensklasse A handelt es sich um große Schäden, die kurzfristig saniert werden müssen. Schäden der Schadensklasse B, mittelgroße Schäden, müssen dagegen erst innerhalb der nächsten zehn Jahre saniert werden. Die Sanierung von sogenannten Bagatellschäden der Schadensklasse C muss in der Regel bis zur Wiederholungsprüfung durchgeführt werden.

Mitte Dezember wurde der Tagesbruch an der Dorneystraße entdeckt.
Mitte Dezember wurde der Tagesbruch an der Dorneystraße entdeckt. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Wie hoch sind hier die Kosten für die Reparatur im Durchschnitt (vor dem Eintritt eines Tagesbruchs)?

Da ein Grundstückseigentümer die anfallenden Kosten privat mit einer Sanierungsfirma abrechnet, liegen der Stadtentwässerung Dortmund keine genauen Zahlen dazu vor. Je nach Sanierungsverfahren (offene Bauweise, Reparatur, Renovierung) und örtlicher Begebenheit können die Kosten stark variieren. Sie liegen in der Regel zwischen 250 und 500 Euro pro laufenden Meter.

Kommt es zu einem Tagesbruch, wird der Schaden größer. „Auch hier kann es verschiedene Folgen und daher wieder viele Unterschiede bei den Kosten geben“, so Christian Schön.

Die Überprüfung hat im Dortmunder Süden begonnen. Wie ist die weitere Reihenfolge?

Nach Abschluss der Untersuchung der Wasserschutzzone wird das Einzugsgebiet „Hörder Bach“, ebenfalls im Dortmunder Süden, untersucht. „Die Stadtentwässerung orientiert sich bei der Festlegung der Untersuchungsgebiete an den aktuell vorliegenden Generalentwässerungsplanungen“, so Schön.

Kann ein Grundstückseigentümer auch selber aktiv werden?

Wer Zweifel hat, ob seine Leitungen noch sicher sind, sollte auf keinen Fall warten. Auch private Firmen führen solche Befahrungen mit der Kamera durch. Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale hat die Stadtentwässerung eine Liste mit Unternehmen zusammengestellt, die die gemeinsam entwickelten Kriterien und Standards anwenden und sich dazu verpflichtet haben.

Diese Firmen führen gegebenenfalls auch Reparaturen durch. Die Liste der Firmen finden Interessierte im Internet unter rathaus.dortmund.de

Wo kann man sich beraten lassen?

Für Fragen und Beratung rund um das Thema Entwässerung steht die Stadtentwässerung, Abteilung Grundstücksentwässerung, laut Christian Schön jederzeit zur Verfügung. Unter Tel. (0231) 50-24 755 oder per E-Mail: grundstuecksentwaesserung@stadtdo.de

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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