Melanie Schmelzer, Gisela Koch, Marc Schmelzer sowie Ulrike und Dieter Seemann (v.l.) wohnen unmittelbar neben dem neuen Spielplatz. Die Anlage an sich stört sie nicht. Sie fordern aber Regeln - vor allem für die Abendstunden. © Uwe von Schirp
Vonovia

Vonovia-Sanierung: Neuer Spielplatz raubt Nachbarn abends die Nerven

Ein neuer Spielplatz und Fitnessparcours wird zum Hotspot. Vor allem in den Abendstunden. Der „Spielplatz-Tourismus“ nervt die Anwohner. Sie fordern eine Lösung – und bieten selbst eine an.

Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann ist vom neuen Fitness-Parcours in der Wohnsiedlung zwischen Brinkmann und Erdmannstraße begeistert. Der Wohnungskonzern Vonovia hat die Anlage zusammen mit einem Spielplatz zwischen den Häusern aus den 50er-Jahren angelegt.

Eine Wohnumfeldverbesserung. „Ich finde es schön, dass das hier so offen ist“, sagt Kunstmann bei einem Ortstermin. Die Anlage gehört der Vonovia. Sie hat Hausrecht. Aber: Fitness-Parcours und Spielplatz sind offen zugänglich – für jedermann.

Melanie und Marc Selzer wohnen im 1. Obergeschoss, 15 Meter davon entfernt. Sie freuen sich über den im Zuge der energetischen Sanierung ebenfalls erneuerten Balkon. Größer als der alte ist er: acht Quadratmeter Südseite.

„Das ist hier eine Ruheoase“, sagt Melanie Selzer über die Siedlung. Die Häuser stehen weit auseinander. Die Bäume sind alt. Der neue Rasen leuchtet in saftigem Grün. „Ich hab mich hier immer wohlgefühlt“, erklärt Ehemann Marc.

Mittags Ruhe – abends Lärm

„Die Anlage ist wunderschön geworden“, sagt Dieter Seemann. Seit 33 Jahren lebt er mit Ehefrau Ulrike im Nachbarhaus. „Auf den Fitness-Parcours habe ich mich gefreut.“ Mittlerweile ist die Vorfreude ziemlich im Keller.

Es ist Donnerstagabend (12.8.), gegen 20 Uhr. Rund 15 Kinder toben auf dem Spielplatz. Mütter und ältere Schwestern sitzen auf den Bänken und unterhalten sich ruhig. Aber die Häuserwände reflektieren den Schall der juchzenden Kinder. Ihr Spaß stellt die Anwohner auf die Probe.

„Ich bin mit den Nerven am Ende“, erklärt Ulrike Seemann. „An ein gemütliches Sitzen auf dem Balkon oder Grillen hinter dem Haus ist nicht mehr zu denken“, sagt ihr Mann. Bis in die Dunkelheit des späten Abends halte der Lärmpegel an. „Die meisten Nachbarn haben ihr Schlafzimmer zum Spielplatz hin.“

Viele Besucher hinterlassen Spuren

Stunden vorher, bei einem Besuch der Anlage dieser Redaktion am Donnerstagmittag war es indes ruhig. „Los geht es abends, meistens ab acht“, erzählt Dieter Seemann. „Heute ist es ja noch vergleichsweise leer“, sagt Melanie Selzer. Nachbarin Gisela Koch holt ihr Smartphone heraus und zeigt ein Video. „Gestern habe ich 50 Leute gezählt“, berichtet die Über-80-Jährige. „An einem der ersten Tage waren es mal über hundert.“

Die vielen Besucher hinterlassen Spuren. Die fünf Nachbarn berichten von überquellenden Mülleimern, von Notdurft verrichtenden Kindern an Bäumen und den neuen Müllinseln. Mehrfach betonen sie jedoch, dass sie nichts gegen die neue Anlage haben. Sie stören sich auch nicht an den Gruppen aus den Kindergärten, die tagsüber her kämen.

Zaun und Nutzungsregeln fehlen

Vor allem abends seien es aber Kinder aus den umliegenden Siedlungen, etwa von der nahen Großwohnsiedlung, die den neuen Hotspot aufsuchen. „Es waren sogar Leute aus Westerfilde, Mengede und Huckarde hier“, sagt Dieter Seemann. „Mich stört der Spielplatz-Tourismus.“

Der Fitness-Parcours zwischen Brinkmannstraße und Erdmannstraße ist Bestandtteil der Neugestaltung des Wohnumfeldes durch Vonovia. Von ihm gingen bislang keine abendlichen Störungen aus – wohl aber angrenzenden Spielplatz. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Wenig überraschend: Denn kurz nach Fertigstellung kursierten in mehreren Facebook-Gruppen Bilder vom neuen Spielplatz. Seemann kritisiert, dass Vonovia die Anlage vor der endgültigen Fertigstellung freigegeben habe. Ein Zaun und eine Tafel mit den Nutzungsregeln fehlen noch. Beides sei in Auftrag gegeben, versicherte Vanessa Weber beim Ortstermin mit dieser Redaktion am Dienstag (10.8.). In dessen Verlauf kamen die Anwohner hinzu und trugen ihre Kritik der Vonovia-Regionalleiterin vor.

Marc Selzer schlägt vor, Spielplatz und Fitnessparcours in den Abend- und Nachtstunden abzuschließen. Er arbeitet im Objektschutz bei einer Sicherheitsfirma. Und sagt: „Wenn Vonovia mir das Hausrecht überträgt, schließe ich gegen eine Aufwandsentschädigung abends gerne das Tor ab und morgens vor dem Dienst wieder auf.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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