Inhaber Uwe Preul führt das Einrichtungshaus Vintagestore an der Planetenfeldstraße in Dorstfeld. Sein Geschäft hat er kurzum schon vor der Verkündung des harten Lockdowns geschlossen. © Vintagestore
Corona-Krise

Vor dem Lockdown – Geschäftsinhaber mit bewegender Botschaft an Kunden

Er wartet nicht auf den harten Lockdown, er hat sein Geschäft schon am Samstag abgeschlossen. Uwe Preul vom Vintagestore in Dorstfeld bewegt mit seiner Entscheidung viele Dortmunder.

Die Entwicklung der Infektionszahlen und die angespannte Lage in immer mehr Krankenhäusern in Deutschland hat Uwe Preul nachdenklich gemacht. „Alle zweieinhalb Minuten stirbt heute in Deutschland ein Mensch an den Folgen von Corona. Das macht uns traurig“, sagt der Unternehmer in einer Kunden-Botschaft auf der Social-Media-Plattform Instagram.

Uwe Preul führt das Einrichtungshaus Vintagestore an der Planetenfeldstraße in Dorstfeld. Das Geschäft direkt an der A40 und A45 umfasst 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Weitreichende Entscheidung bereits am Freitag getroffen

„Wir dürften bei uns 30 Kunden gleichzeitig reinlassen, aber bei dieser Zahl waren wir nur selten. Allerdings knubbelt es sich schon bei 20 Kunden an manchen Stellen. Deshalb haben wir am Freitag eine Entscheidung getroffen“, sagt Uwe Preul im Gespräch mit der Redaktion.

Die Entscheidung hieß: Egal wann und ab welchem Tag die Politik einen harten Lockdown beschließt, das Vintagestore macht am Samstag (12.12.) seinen letzten Verkaufstag in diesem Jahr. „Weil wir beobachtet haben, dass sich die Menschen im Geschäft zu nahe kommen. Wir fühlen uns einfach nicht gut dabei. Das Ladenlokal ist trotz aller Sicherheitsmaßnahmen ein kritischer Ort“, so Uwe Preul.

„Wirtschaftlich muss es irgendwie funktionieren“

Man habe in diesem Land auch gewisse Verpflichtungen, auch wenn diese nicht in Gesetzen niedergeschrieben seien. „Wir haben eine Verantwortung nicht nur gegenüber unseren Freunden und Familien, sondern auch gegenüber den Leuten, die wir nicht kennen“, sagt Uwe Preul und ergänzt: „Wir sehen uns nicht in der Lage, die Verantwortung dafür zu übernehmen, ob sich Menschen bei uns im Laden anstecken oder nicht.“

Mit dieser Video-Erklärung bewegte der Geschäftsinhaber am Wochenende viele Dortmunder. „Ja, das Feedback ist extrem gut“, sagte er am Sonntagnachmittag. Da stand fest, dass er am Mittwoch, 16.12., ohnehin hätte schließen müssen. Nun tut er es schon zwei Tage früher.

Keine Aufforderung an andere Geschäftsleute

„Wirtschaftlich muss es einfach irgendwie funktionieren. Ich habe ein paar Rücklagen – und es ist ja kein Dauerzustand“, sagt Uwe Preul. Nach drei Jahren mit einem sehr kleinen Geschäft an der Karl-Marx-Straße ist er in diesem Frühjahr zur Planetenfeldstraße umgezogen.

„Da war es im Lockdown wirtschaftlich eng, aber danach war das Kaufverhalten insgesamt gut in diesem Jahr. Dadurch konnten wir ein Polster aufbauen“, so Uwe Preul, dem ein Satz noch ganz wichtig ist: „Ich verlange eine solche Entscheidung, wie wir sie getroffen haben, ausdrücklich nicht von anderen, die jeden Euro brauchen. Ich weiß, dass viele es nicht so machen können.“

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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