Geschäftsführer Michael Melcher und Filialleiter Christian Hartmann ringen mit dem Mangel an Waschmaschinen, glauben aber, dass jeder Kunde ein passendes Gerät bekommt. © Holger Bergmann
Chip-Mangel

Waschmaschinen-Not in Dortmund: Kunden müssen teils 25 Wochen warten

Man braucht ein Elektrogerät? Dann geht man zum Händler und kauft sich eins. Das ist das Normalste von der Welt. Falsch. Auf einige Waschmaschinen muss man gerade bis zu 25 Wochen warten.

Waschmaschine auf, Wäsche rein, Waschmittel rein, Temperatur einstellen, Maschine anschalten. Es gab mal Waschmaschinen, die so funktionierten. Doch diese Waschmaschinen verbrauchten auch viel Wasser, viel Strom, viel Waschmittel und passten nicht in das Leben jeder Familie.

Deshalb sind Waschmaschinen von heute viel flexibler einstellbar. Denn sie sind bis ins Detail programmierbar, sogar manchmal vom Handy aus. Dafür benötigen die Geräte Computer-Chips. Doch die sind gerade knapp. Weltweit.

Deshalb gibt es momentan Lieferschwierigkeiten vor allem für Waschmaschinen, Trockner und Spülmaschinen. Der Grund? „Die hohe Nachfrage“, sagt Michael Melcher, Geschäftsführer von „Wir lieben Technik“, deren Dortmunder Filiale an der Martener Straße liegt.

Smarte Geräte

Der Durchbruch der Digitalisierung während der Corona-Pandemie habe die Nachfrage nach smarten Geräten so stark gesteigert, dass die Produktion den Bedarf nicht erfüllen kann.

Nach Informationen des Elektronik-Händlers wird sich das Problem bis ins nächste Jahr hinziehen. Und das, obwohl einige Hersteller ihre Geräte bereits umstellen, auf weniger programmgesteuerte Funktionen.

Der Mangel ist ein Problem, von dem viele Kunden möglicherweise noch gar nichts bemerkt haben. Denn die Lager sind noch gut bestückt, sagt Michael Melcher. Kunden, die einen Trockner brauchen, keine Markenvorliebe haben und sich beraten lassen, werden demnach auch ein Gerät bekommen.

Vorzeitig bestellt

Die Lager sind deshalb gut gefüllt, weil es eine Art Warnung der Hersteller gab. „Die haben die Entwicklung bereits im Frühjahr vorhergesehen“, sagt Stefan Walther von EP: Walter in Huckarde.

„Die haben dann auf Kurzarbeit umgestellt und wir wussten Bescheid“, erinnert sich Stefan Walter. Er selbst habe danach so disponiert, dass er bis Juli 2022 für sein Geschäft keinen Mangel befürchten muss.

Tägliche Suche

Nur Kunden, die sich vielleicht bei einer Internet-Suche auf ein ganz spezielles Gerät einer ganz speziellen Marke festgelegt haben, die müssen damit rechnen, dass ihnen der Verkäufer sagt: „Das gibt es gerade nicht“. Auf einzelne Geräte müssen Kunden momentan 16 bis 25 Wochen warten

Das sorgt zunächst vor allem für Aufwand bei den Händlern. „Wenn man weiß, gewisse Geräte gehen besonders gut, dann ist man jetzt schon täglich dabei, zu suchen, ob man noch eins bekommen kann“, sagt David Schiedek von D.S. Hausgerätetechnik in Mengede.

Wissen, was man braucht

David Schiedek entdeckt aber auch Positives in der Situation: „Kunden lassen in dieser Situation vermehrt reparieren, das ist sowieso nachhaltiger als Neukaufen“. Das sei aber ein Trend, den er schon vor dem Chip-Mangel wahrgenommen habe. „Ich repariere momentan deutlich mehr Geräte, als ich verkaufe“, sagt Schiedek.

Der Rat von Michael Melcher an seine Kunden lautet: „Es ist von Vorteil, wenn man genau einschätzen kann, wie das Gerät im Haushalt genutzt werden soll, dann findet man im Beratungsgespräch auf jeden Fall ein Gerät“.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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