Mittelalterliche "Zockerei" gibt es im Volksgarten beim Mäuseroulette des Gaudiums. Nun hat sich aber der Initiator verzockt, meint unser Autor. © Uwe von Schirp (Archiv)
Meinung

Zoff ums Gaudium: Hoch gepokert, erpresst – und zweimal verzockt

Seit fünf Wochen steht der Mittelaltermarkt auf der Kippe. Nun gibt es Konzepte und Alternativen. Einer Erpressung folgt Ernüchterung. Unser Autor meint: Da hat sich einer zweimal verzockt.

Detlef Huß hat sich verzockt – und das gleich zweimal. Denn es gibt eine Perspektive für weitere Mittelaltermärkte im Mengeder Voksgarten. Womöglich mit, eventuell auch ohne das Ehepaar Huß. Das ist zweitrangig. Über die Perspektive sollten Mengeder Bürger und alle Gäste froh sein. Denn Mengede braucht solch einen Markt.

Er zieht Menschen von Nah und Fern an. 15.000 Besucher – ein Spaß für Klein und Groß. Man muss gar kein Mittelalter-Fan sein, die Musik nicht mögen und kann Gewandungen belächeln.

Das Gaudium war in seinen zwölf Auflagen ein Ort, an dem bei Kirschbier und Spanferkel der Alltag in Vergessenheit geraten ist. Bei freiem Eintritt spielten soziale und wirtschaftliche Unterschiede kaum eine Rolle. Und das ist gut so. Wer auch immer künftig den Mittelaltermarkt ausrichtet: Der Markenkern sollte bleiben. So will es das Stadtbezirksmarketing, und das ist gut.

Wieso ein Konzept?

Bislang stand das Gaudium für Detlef und Erika Huß. Sie haben ehrenamtlich für das Stadtbezirksmarketing die Organisation übernommen. Respekt, Anerkennung und Dank! Sie sind für ihre eingeschworene Community das Fest in Persona. Folgerichtig ist auch deren Einsatz, es fortzusetzen. „Kein Gaudium ohne Erika und Detlef“, sagen sogar einige.

Aber das geht zu weit. Denn Detlef Huß ist zu weit gegangen ist. Wo kommen wir hin, wenn ein Organisator dem Grünflächenamt und Lokalpolitikern die Pistole auf die Brust setzt? „Der Stromkasten kommt weg oder wir schmeißen hin!“ Geht‘s noch? Das ist ja schon Erpressung.

Folgerichtig, dass Politik, Stadtbezirksmarketing und Grünflächenamt nach Alternativen Ausschau gehalten und gefunden haben. Und Huß hat sich mit seinem inszenierten „Wir machen weiter“ am Samstag ein zweites Mal verzockt. Dem Jubel der Community folgten nach Axel Kunstmanns spontaner Stellungnahme Verblüffung und Ernüchterung. Zwei potenzielle Bewerber auf eine Übernahme haben ihre Konzepte doch schon auf den Tisch gelegt.

Maßstab, was möglich ist

Wieso ein Konzept von uns?, fragt die Gaudiums-Familie. Fotos aus zwölf Jahren sollten reichen. Huß und die Seinen sind hier einer Selbstüberschätzung unterlegen: „L’état c‘est moi“, sagte einst Ludwig XIV. „Der Staat bin ich.“

Um es klar zu sagen: Das Gaudium war Maßstab, was im Mengeder Volksgarten bei Großveranstaltungen möglich ist. Der Maßstab wurde zunehmend aber zur individuellen Wunschliste von Detlef Huß – und zum vermeintlichen Maß aller Dinge. Eine törichte Verwechslung.

Denn der größte Park im Ort ist eine öffentliche Grünanlage. Sie ist grandios für solche Veranstaltungen. Mit der Sanierung und einer neuen technischen Infrastruktur wurde ein Ende des früheren „Gewurschtels“ eingeleitet. Ob für Ferienspaß oder TBV-Wochenende: Vor Jahrzehnten baute jeder nach seinem Bedarf. Das hat ein Ende. Gut so!

Aufs falsche Haus gesetzt

Dass es bei der Neugestaltung Konflikte zwischen Mengeder Politik und städtischer Verwaltung gab – geschenkt. Deswegen existiert seit Herbst 2020 der Arbeitskreis Volksgarten. Veranstalter, Stadtverwaltung und Politiker stimmen die Planungen ab. Die Bezirksvertretung beschließt sie.

Detlef Huß gehört dem Arbeitskreis an. Im Juni versuchte er, sich einmal mehr einem Konsens zu entziehen. Es mündete in der versuchten Erpressung – ein fragwürdiges Verständnis von Gemeinsinn.

Nun gibt es klare Regeln. Konzepte sind gefragt – ein Einverständnis mit den Gegebenheiten im Volksgarten inklusive. Anders geht es nicht.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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