10 Jahre Waldlehrpfad: Ein nachhaltiges Naturerlebnis zwischen Damwildgehege und Öko-Wippe

mlzSüggelwald in Eving

Wichtiger als jede Theorie ist es, die Dinge selbst zu erleben. Das ist das Prinzip des Waldlehrpfades der Kreisjägerschaft Dortmund, der Kindern die Natur nahebringt - seit zehn Jahren

Eving

, 26.09.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Wald und seine Besonderheiten zu erkunden - dazu lädt der Erlebnispfad im Süggelwald seit zehn Jahren besonders Kinder ein. An sieben Stationen entlang des 1,7 Kilometer langen Weges rund um das Damwildgehege mit seinen etwa 30 Tieren kann man vieles erfahren: über die Sauerstoffproduktion von Bäumen, die Jagdmethoden der Greifvögel, die Nützlichkeit von Insekten und vieles mehr. Wichtig sei es dabei, die Kinder nicht mit trockenen Erklärungen zu langweilen, sondern sie aktiv etwas tun zu lassen, erläutert Magnus Benkhofer. Der Brechtener ist Obmann für die rollende Waldschule und den Waldlehrpfad der Kreisjägerschaft. So könnten die Kinder etwa an der Greifvogelstation ihre eigene Größe mit der Spannweite der Flugkünstler vergleichen. Eine Aussichtsplattform bietet eine gute Sicht auf das Damwildgehege.

Die rollende Waldschule verfügt über 65 Exponate

Ziel des Lehrpfades sei es, den Kindern ihre Heimat und Umwelt näherzubringen, bringt es Jörg Tigges, 1. Vorsitzender der Kreisjägerschaft Dortmund, auf den Punkt. Das Interesse und die Neugier sollen geweckt werden. An 40 bis 45 Tagen im Jahr besucht Magnus Benkhofer mit der rollenden Waldschule Dortmunder Schulen. Diese ist ein Anhänger mit 65 ausgestopften heimischen Tieren. Die Sammlung reicht von Fuchs und Waschbär über Dachs und Iltis bis zu Sperber und Habicht. „Habt ihr die alle totgeschossen?“ wollten die Schüler von ihm wissen, berichtet Magnus Benkhofer. Er antworte dann, dass dies für 80 Prozent der Exponate nicht zutreffe. „Der Fischadler beispielsweise zieht hier bei uns nur durch. Wir haben noch versucht, dieses Tier in unserer Auffangstation aufzupäppeln, es ist dann aber gestorben“, schildert der Obmann. Beeindruckt seien die Kinder vom Hermelin, dessen nur im Winter schneeweißes Fell einst für die Kleidung von Königen verwendet wurde.

10 Jahre Waldlehrpfad: Ein nachhaltiges Naturerlebnis zwischen Damwildgehege und Öko-Wippe

Der Waldlehrpfad der Kreisjägerschaft im Süggelwald besteht aus sieben Stationen. Finanziell unterstützt wird er von der Dr. Gustav-Baukloh- sowie von der Wildtier-Biotopschutz-Stiftung NRW. © Uwe Brodersen

Jedes Jahr finden die Waldjugendspiele im Süggelwald statt. Diese richten sich an die 4. Klassen der Grundschulen. Auch in diesem Jahr werden nach Angaben von Magnus Benkhofer vom 7. bis 11. Oktober täglich acht bis zwölf Klassen, also rund 300 Schülerinnen und Schüler, erwartet. Der Süggelwald ist auch mit dem öffentlichen Nahverkehr gut zu erreichen, die Stadtbahnhaltestelle „Waldesruh“ befindet sich in unmittelbarer Nähe. Die beiden Jäger schätzen, dass in den vergangenen 20 Jahren insgesamt 60.000 Schüler von den Angeboten der Kreisjägerschaft, die Natur besser kennenzulernen, profitiert haben. Der Lehrpfad wird von einem Team aus acht bis zehn ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut.

Vorfahrt für nachwachsende Rohstoffe

Im Lernort Natur kommen auch die Themen Energieversorgung und Klimawandel zur Sprache. Die Energiestation auf dem Waldlehrpfad sei es, an der sich die Teilnehmer erfahrungsgemäß am längsten aufhalten würden, erzählt Magnus Benkhofer. „Da wird mindestens 20 Minuten diskutiert.“ Die Station veranschaulicht, dass dem Heizwert eines Raummeters Holz mit 2.100 Kilowattstunden jeweils 210 Liter Heizöl, 385 Kilogramm Kohlebriketts oder 210 Kubikmeter Erdgas entsprechen. Von allen diesen Energieträgern verursacht das Holz die niedrigsten Kosten. Die Station plädiert dafür, nachwachsenden Rohstoffen die Vorfahrt zu geben. Der Dortmunder Stadtwald produziere ein solches Festmeter Holz innerhalb von zwei bis zweieinhalb Stunden, verdeutlicht Magnus Benkhofer.

10 Jahre Waldlehrpfad: Ein nachhaltiges Naturerlebnis zwischen Damwildgehege und Öko-Wippe

Jörg Tigges und Magnus Benkhofer (v.l.) demonstrieren auf der Wippe, der letzten Station des Lehrpfades, die Sensibilität des ökologischen Gleichgewichts. © Uwe Brodersen

Gut illustriert wird das sensible ökologische Gleichgewicht auf der letzten Station des Lehrpfades, auf einer Wippe, die die Schüler betreten. Diese vermittelt ihnen, welch kleine Veränderung ausreichen kann, damit die Wippe sich auf der anderen Seite senkt. So sei etwa der ausreichende Bestand von Beutetieren entscheidend für das Überleben von Jägern im Tierreich.

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