Hausärzte hoffen, dass sie demnächst größere Impfstoffmengen bekommen. © dpa
Aufhebung der Impf-Priorisierung

100 Leute am Tag vor der Tür – aber nur Impfstoff für 24 pro Woche

Die Priorisierung bei den Corona-Impfungen soll ab dem 7. Juni aufgehoben werden. Bei Hausärzten in Dortmund löst diese Aussicht keine Euphorie aus. Das hat vor allem praktische Gründe.

Ab dem 7. Juni (Montag) soll gelten: Jeder kann einen Impftermin machen, egal mit welchem Impfstoff. Einige Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg gehen bereits so vor. Jetzt hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine einheitliche Regelung angekündigt.

In Dortmunder Hausarztpraxen stößt diese Aussicht durchaus auf Skepsis. Nicht, weil die Medizinerinnen und Mediziner nicht mehr Menschen impfen wollten oder könnten. Doch der Dortmunder Hausärztesprecher Dr. Prosper Rodewyk nennt einige praktische Erwägungen, die aus heutiger Sicht eine Umsetzung erschweren würden.

100 Leute vor der Tür, aber nur Impfstoff für 24 Dosen

„Ich kann verstehen, dass Herr Spahn wiedergewählt werden und ganz viele Menschen in die Gaststätten bringen möchte. Aber dann sollen die uns so viel Impfstoff liefern, dass wir das hinkriegen können“, sagt der Dortmunder Internist.

Denn Praxen können weiterhin bestimmte Vakzine nur in begrenzter Menge nachbestellen. „Wenn dann 100 Leute am Tag vor der Tür stehen und ich bekomme nur genug Impfstoff für 24 Impfungen pro Arzt pro Woche, dann ist das nicht schlau. Das erhöht den Druck auf die Praxen in einer Weise, die ich momentan für sehr unglücklich halte.“

Schon jetzt berichten viele Ärztinnen und Ärzte von einer hohen Belastung durch Dauer-Telefonate, Impf-Verwaltung und ungeduldige Patienten.

200- bis 300-mal pro Tag zur Tür laufen

Rodewyk sagt: „Wir haben immer noch eine Pandemie und die Situation, dass jedem Patienten persönlich die Tür geöffnet wird. Da muss allein zwei- dreihundert Mal am Tag jemand zur Tür laufen.“

Selbst bei ausreichenden Liefermengen habe der Aufwand, der für das Impfungen betrieben werden könne, Grenzen. „Denn wir sind primär dafür da, kranke Patienten zu behandeln und kein Impfzentrum.“

Rodewyk kritisiert, dass die Politik wiederholt eine Erwartungshaltung schaffe, die nicht erfüllt werden kann. „Im Februar wurde uns gesagt, der Mai ist der Wonnemonat mit dem Impfen, da sollten wir ganz viel Impfstoff bekommen. Jetzt soll der Juni der Wonnemonat sein. Ich lasse mich überraschen.“

Kritik an der Freigabe aller Corona-Impfstoffe bei nach wie vor beschränkten Liefermengen kam zuletzt auch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Der Interessensverband mit Sitz in Dortmund befürchtet dadurch zunehmende Spannungen im Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten.

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