1,1 Mio. verschwanden

DORTMUND "Es liegt nicht an fehlenden Unterschriften oder Regelungen, sondern an der kriminellen Energie" - so die Erklärung von OB Gerhard Langemeyer, warum eine 41-jährige Mitarbeiterin in seinem Amt über fast sechs Jahre 1,1 Mio. veruntreuen konnte.

von Von Gaby Kolle

, 26.09.2007, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knapp 1,3 Mio. betrugen die Bargeld-Abhebungen des OB-Büros im untersuchten Zeitraum 2002 bis 2007 insgesamt. Davon unterschlug die teilgeständige und zeitweilig inhaftierte Sachbearbeiterin nach bisherigen Erkenntnissen 1,101 Mio., um nach eigenen Angaben ihre Kokain- und Spielsucht zu finanzieren. 690 Mal hob sie Beträge zwischen 50 und 5.000 bar von Stadtkonten ab. Angeblich für repräsentative Zwecke wie Bewirtungen, Geschäftsreisen, Altersjubiläen.

Knapp 1,3 Mio. betrugen die Bargeld-Abhebungen des OB-Büros im untersuchten Zeitraum 2002 bis 2007 insgesamt. Davon unterschlug die teilgeständige und zeitweilig inhaftierte Sachbearbeiterin nach bisherigen Erkenntnissen 1,101 Mio., um nach eigenen Angaben ihre Kokain- und Spielsucht zu finanzieren. 690 Mal hob sie Beträge zwischen 50 und 5.000 bar von Stadtkonten ab. Angeblich für repräsentative Zwecke wie Bewirtungen, Geschäftsreisen, Altersjubiläen.

Allein im vergangenen Jahr waren im OB-Amt 344.000 als Baranweisungen für solche Zwecke verbucht, davon lenkte die Frau 310.000 in ihre eigene Tasche um. In den ersten drei Monaten dieses Jahres nahm das OB-Amt nur 3.000 Bargeld wirklich in Anspruch, die Beschuldigte bediente sich mit 75.000 .

Gut gefälschte Unterschriften von Vorgesetzten auf Zahlungsaufträgen und Verwendungsnachweisen, erfundene Anlässe, die Mischung von echten und falschen Belegen und nebulöse Verwendungszwecke gehörten zum Unterschlagungsinstrumentarium der Frau.

Zahlreiche Sicherheitslücken im Rechnungswesen haben ihr die Untreue in diesem Ausmaß ermöglicht. Der im Mai fristlos entlassenen Mitarbeiterin sei es gelungen, so Rechnungsprüferin Seybusch, "ein nahezu geschlossenes System aufzubauen". Die Geldbotin gab sich quasi selbst ihre Aufträge, konnte schalten und walten, wie sie wollte.

Sie stellte die Belege für Barauszahlungen aus, hob das Geld persönlich ab und verbuchte es anschließend selbst. Eine Kontrolle gab es nicht. Nur einmal, im Mai 2004. Doch was konkret geprüft wurde: noch unklar. Leicht machte es der Beschuldigten auch das "Vertrauensverhältnis" zu den Mitarbeitern der Stadtkasse, so Seybusch. Und der Umstand, dass der Haushaltsansatz für das OB-Amt viel höher war als der Bedarf und die Frau Zugriff auf diese Budgetzahlen hatte.

Sie war so schlau, den Etat nie zu überziehen. Das verfügbare Budget war in den Jahren 2002 bis 2006 oft nur zu Dreiviertel verbraucht worden. Darüber hinaus, erklärte Seybusch, habe man im Jahr 2006 "den Bock zum Gärtner gemacht" und die Beschuldigte an Berichten für das Finanzcontrolling des Amtes mitarbeiten lassen.

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