14 Raubzüge in 20 Jahren: Chef-Duo der "Panzerfaust-Bande" droht die Sicherungsverwahrung

mlzÜberfall in Dortmund

Nach einer Serie von Überfällen auf Geldtransporter drohen den Mitgliedern der sogenannten "Panzerfaust-Bande" empfindliche Strafen – Ende 2015 hatte die Bande in Bodelschwingh zugeschlagen.

Hagen/Dortmund

, 21.02.2019, 16:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess gegen die siebenköpfige "Panzerfaust-Bande" hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag vor dem Hagener Schwurgericht drastische Haftstrafen beantragt. Die beiden Köpfe der Bande sollen zu jeweils 14 Jahren und vier Monaten verurteilt werden.

Außerdem soll gegen das Serienräuber-Duo die unbefristete Sicherungsverwahrung verhängt werden – zum Schutz der Allgemeinheit.

Staatsanwalt will Bandenmitglieder lange hinter Gittern sehen

Gegen die übrigen Mitglieder beantragte die Staatsanwaltschaft Gefängnisstrafen von 4 Jahren, 9,5 Jahren, 14 Jahren sowie 14 Jahren und zwei Monaten.

Nur ein Angeklagter, der bei der Vorbereitung eines für den Winter 2017 geplanten Coups geholfen hat, soll noch einmal mit der maximalen Bewährungshaftstrafe von zwei Jahren davon kommen.

Geldtransporter-Route nach Dortmund ausspioniert

In Dortmund hatte die Bande am 12. Dezember 2015 ihren 14. Coup verübt. Die Bandenchefs und ihre Komplizen hatten es auf einen Geldtransporter abgesehen, der laut Staatsanwaltschaft 9 Millionen Euro an Bord hatte. Das Geld war damals von Duisburg nach Dortmund gefahren worden.

Die Route des Geldtransportes hatte die Bande offenbar schon vorher ganz genau ausspioniert. Dass sich der Transporter in Duisburg in Bewegung gesetzt hatte, hatte ein Spionageposten per Telefon sofort an die wartenden Komplizen durchgegeben.

Täter drohte mit Panzerfaust-Attrappe

Das Fahrzeug war damals gegen 18.42 Uhr an der Richterstraße im Stadtteil Bodelschwingh von einem der Angeklagten mit einem Ford Galaxy gerammt und durch ein weiteres Fahrzeug eingekeilt worden. Dann hatten die Täter sofort das Feuer eröffnet und mehrfach auf den Motor geschossen. Ein Bandenmitglied soll die Fahrer zudem mit einer täuschend echt aussehenden Attrappe einer russischen Panzerfaust bedroht haben.

Den Tätern war es danach aber nur teilweise gelungen, mit Hilfe eines Trennschneiders an das Geld im Innern des Fahrzeugs zu kommen. Die Beute soll am Ende rund 300.000 Euro betragen haben.

Sturmgewehr auf Dauerfeuer gestellt

Nachdem die Angeklagten am 27. September 2017 bei einem Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) festgenommen worden waren, hatten die Ermittler in einer Garage in Wuppertal Maschinen- und Sturmgewehre, eine Panzerfaust-Attrappe sowie passende Magazine und Munition sicherstellen können.

Jetzt lesen

Über DNA-Spuren an den Waffen und Überprüfungen der privaten Geldflüsse hatten die Ermittler nachträglich eine Überfall-Serie bis zurück ins Jahr 1997 konstruieren können. Bei den Überfällen war fast immer geschossen worden – mal in die Front-, mal in die Seitenscheiben, mal in die Luft. Mehrere Fahrer hatten Schnittwunden durch Glassplitter erlitten.

In einem Fall sprach die Staatsanwältin am Donnerstag sogar von einer Salve, weil der 48-jährige Hauptangeklagte "das Sturmgewehr auf Dauerfeuer gestellt" habe. Häufig war auch eine Panzerfaust als Drohmittel eingesetzt worden.

Weitere Tatorte in ganz Nordrhein-Westfalen

Die weiteren Tatorte neben Dortmund lagen in Langenfeld, Hagen, zweimal Neuss, Düsseldorf, zweimal Werl, Wetter, Wülfrath, Velbert und Erkrath, Solingen und Euskirchen. Die Beute lag nicht selten im Millionenbereich.

Urteile am 11. März

Im Prozess hatten die Angeklagten teilweise Geständnisse abgelegt. Die Namen der Komplizen behielten die jeweiligen Angeklagten dann aber für sich.

Anders als die ursprüngliche Anklage sah die Staatsanwaltschaft von der Forderung nach einer teilweisen Verurteilung auch wegen Mordversuchs ab.

Nicht zuletzt mit Blick auf die hohe Anzahl von insgesamt 14 Schwerverbrechen und die teils bis heute noch schwer traumatisierten Überfallopfer sah die Staatsanwaltschaft bei den Angeklagten überwiegend kaum Raum für Milde.

Am 1. März sollen die Verteidiger der Angeklagten ihre Schlussvorträge halten. Die Urteile sollen am 11. März verkündet werden.

Lesen Sie jetzt