Der alte Schriftzug „Hoesch“ erinnert vor dem Hoeschmuseum noch an die stolze Geschichte des Unternehmens. © Dieter Menne (A)
Unternehmensgeschichte

150 Jahre Hoesch: „Der Geist dieses Unternehmens lebt weiter“

Es war ein historischer Tag: Am 1. September 1871 wurde das Eisen- und Stahlwerk Hoesch gegründet. Mit einer Feierstunde vor dem Hoeschmuseum wurde das Jubiläum gewürdigt. Mit besonderen Zeitzeugen.

Am Ende wurde mit Sekt und Karl-Hoesch-Bier angestoßen auf den Jubilar: Vor 150 Jahren wurde mit Hoesch das Unternehmen aus der Taufe gehoben, das Dortmund über mehr als ein Jahrhundert geprägt hatte.

Und auch, wenn das Stahlunternehmen inzwischen im Thyssen-Krupp-Konzern aufgegangen ist, hinterlässt Hoesch weiter Spuren. Das zeigten eindrucksvoll die Zeitzeugen-Berichte bei der kleinen Feierstunde vor dem Hoeschmuseum, die am Mittwoch (1.9.) für den Podcast „Hoesch.150 – Wie Stahl eine Stadt prägt“ aufgezeichnet wurde.

„Hoesch war das größte Unternehmen, das wir je in Dortmund hatten“, stellte der Journalist Till Hoppe, der gemeinsam mit seinem Kollegen Kay Bandermann die Podcast-Reihe produziert und die Feierstunde moderierte, fest. Bei den Gesprächen vor der Kulisse des Hoeschmuseums ging es aber weniger um die frühe Unternehmensgeschichte, sondern vor allem um das Ende der Stahlzeit in Dortmund und was davon übrig blieb.

Der Vorsitzende des Vereins „Freunde des Hoesch-Museums“, Dr. Karl Lauschke (Mitte), erinnerte bei der Feierstunde im Gespräch mit Till Hoppe (l.) und Kay Bandermann an die Hoesch-Geschichte. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Der frühere Arbeitsdirektor Rolf Reppel erinnerte etwa an die ganz besondere Unternehmenskultur der Hoeschianer, die die Montanmitbestimmung besonders pflegten. „Da gab es viel Kampf in der Sache, aber am Ende einvernehmliche Ergebnisse“, blickte er zurück. Und die Verbundenheit ging weit über die Werksmauern hinaus. „Die Hoeschianer teilen ein Stück weit ihr Leben miteinander“, sagte die heutige Thyssen-Krupp-Stahl-Betriebsrätin auf der Westfalenhütte Kirstin Zeidler.

Das bittere Ende von Hoesch

Die feindliche Übernahme durch Krupp, der letzte Hochofen-Abstich und das Ende der Stahlproduktion – all das hat bei den Hoeschianern, von denen viele noch heute als Ehrenamtliche im Hoeschmuseum aktiv sind, Spuren hinterlassen. „Der schlimmste Augenblick war, als das letzte Coil mit einer Plakette versehen wurde. Da standen 600 Leute mit Tränen in den Augen und ein Thyssen-Manager, der sagte: ‚Was soll das? Das wollen wir doch noch verkaufen‘“, erinnerte sich Hoeschianer Udo Szubyn.

Bleibende Erinnerung: Das letzte Stahlcoil wurde am 30. März 2001 auf der Westfalenhütte produziert. © RN-Archiv Vahlensieck © RN-Archiv Vahlensieck

Ob das Ende von Hoesch nicht den Strukturwandel beschleunigt und deshalb im Nachhinein ein Segen war, wollte Kay Bandermann von Oberbürgermeister Thomas Westphal wissen. Der dachte als ehemaliger Wirtschaftsförderer zunächst einmal an die betroffenen Hoeschianer. „Für die Menschen, die davon betroffen waren, war es nicht einfach“, sagte Westphal. „Heute haben wir durchaus einen Vorteil davon.“

Neuansiedlungen und industrieller Kern

Denn die Flächen, die Hoesch hinterlassen hat böten ein ungeheures Potenzial, stellte Westphal fest. Das zeigt die Entwicklung des Phoenix-Sees und von Phoenix-West. Auf der Westfalenhütte reifen weiter Pläne für neue Unternehmensansiedlungen und ein neues Wohngebiet.

Und es bleibt ja auch ein jetzt von Thyssen-Krupp-Stahl betriebener industrieller Kern mit aktuell 1400 Beschäftigten auf der Westfalenhütte. „Stahl hat hier eine Zukunft“, sagte Betriebsrätin Kirstin Zeidler optimistisch. Und auch über die noch verbliebenen Arbeitsplätze hinaus stellte Kay Bandermann fest. „Der Geist des Unternehmens lebt weiter.“

SERIE „150 JAHRE HOESCH“

  • In unserer neuen Serie „150 Jahr Hoesch“ beleuchten wir in lockerer Folge in den kommenden Wochen zahlreiche Aspekte der Geschichte jenes Unternehmens, das Dortmund verändert hat und bis heute prägt.

  • Der Podcast „Hoesch.150 – Wie Stahl eine Stadt prägt“ ist zu hören unter https://hoesch150.podigee.io/
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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