Eine Krankenschwester pflegt einen Patienten, der im künstlichen Koma liegt und beatmet wird. © dpa
Daten-Analyse

18 Monate Corona: Dortmund hat Top-Position bei Todesfällen

Jede 19. Person in Dortmund ist bislang nachweislich mit dem Coronavirus infiziert gewesen. Blickt man auf die Zahlen der Todesopfer, steht Dortmund im Vergleich zu anderen Städten sehr gut da.

Eineinhalb Jahre lang leben die Menschen in Dortmund schon mit dem Coronavirus. Am Sonntag (5.9.) ist es exakt 18 Monate her, dass die ersten beiden Fälle von der Stadtverwaltung bekannt gegeben worden sind.

Die Frage, wie gut die Stadt insgesamt durch diese Zeit gekommen ist, ist sehr komplex. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind durch teils monatelange Schließungen mancher Betriebe immens – erst jetzt öffnen die ersten Clubs und Discos der Stadt wieder. Andere Auswirkungen der Pandemie, etwa in der psychischen Gesundheit, sind gar nicht zu beziffern.

Rund 400 Covid-Todesfälle laut RKI

Allerdings dienen die Summe der Infektionsfälle und die Zahl der Corona-Todesopfer als Ansatzpunkte für eine Einschätzung, wie erfolgreich die Pandemie in der Stadt bekämpft worden ist.

Und beim Vergleich der 15 größten Städte Deutschlands steht Dortmund außerordentlich gut da: „Nur“ 397 Covid-19-Todesfälle hat das Robert-Koch-Institut für Dortmund notiert. Darin enthalten sind laut Stadt Dortmund auch Menschen, die mit Corona-Infektion aber an einer anderen Ursache gestorben sind.

Mit dieser relativ geringen Zahl hat Dortmund die wenigsten Corona-Todesopfer pro Einwohner aller 15 größten Städte zu beklagen: Pro 100.000 Einwohnern sind bislang rund 68 Dortmunder mit einer Corona-Infektion gestorben. Deutschlandweit liegt der Durchschnitt bei 111. Blickt man auf die 20 größten Städte, hat nur Münster einen besseren Wert als Dortmund (39).

Interessant ist währenddessen, dass Dortmund bei der Zahl der Corona-Infektionen pro Einwohner im Mittelfeld liegt. Für eine Großstadt haben sich hier also bislang „normal-viele“ Menschen infiziert - sogar etwas mehr als im Großstadt-Schnitt. Aber sehr wenige von ihnen sterben an der Infektion.

Umgerechnet 1,3 Prozent der (entdeckten) Dortmunder Corona-Infizierten sind gestorben: Nur ganz knapp hinter Köln (1,2) ist das der Bestwert aller 20 deutschen Großstädte. Deutschlandweit ist dieser Anteil fast doppelt so hoch (2,3 Prozent).

Die Stadtverwaltung sieht verschiedene Faktoren, die sich in Dortmund positiv ausgewirkt haben. Dazu zähle unter anderem die Koordination „von der ersten Stunde an“ im Krisenstab, bevor die ersten Fälle überhaupt aufgetreten sind. Schnell habe man den Arbeitsbereich Kontaktnachverfolgung im Gesundheitsamt aufbauen können.

„Eine der ersten eigenen Teststellen im Gesundheitsamt“

„Die Stadt Dortmund hatte unmittelbar nach Auftreten der ersten Fälle in unserer Stadt als eine der ersten Kommunen überhaupt eine eigene Teststelle im Gesundheitsamt eingerichtet“, so Sprecherin Anke Widow: „Dadurch konnte das Infektionsgeschehen wesentlich besser erkannt und analysiert werden als in den meisten anderen Kommunen.“ Unter anderem in Pflegeeinrichtungen habe man mit mobilen Teams große Ausbrüche weitgehend verhindern können.

Das Management für Fälle in Pflege- oder Behinderteneinrichtungen erfolge nach wie vor in einer eigenen Abteilung des Gesundheitsamtes. Vor allem unter den Über-60-Jährigen gebe es in Dortmund weniger Corona-Infizierte als im NRW-Schnitt, sagt Widow.

Zu den insgesamt positiven Zahlen dürfte auch Dortmunds Bevölkerungsstruktur eine Rolle spielen: „Dortmund hat im Vergleich zu vielen anderen Städten eine relativ junge Bevölkerung“, so Widow: Das Durchschnittsalter (43,5 Jahre in 2019) liegt unter dem NRW-Schnitt (44,2).

Und die in Dortmund besonders von vielen Corona-Fällen betroffenen Stadtbezirke, vor allem die Nordstadt (35,7), liegen noch einmal darunter. „Es ist bekannt, dass ein höheres Lebensalter mit einer höheren Fallsterblichkeit bei einer Corona-Infektion korreliert“, so Widow.

Keine Überfüllung der Krankenhäuser

Grundlage aller Corona-Regeln war immer die Bemühung, das Gesundheitssystem nicht zu überfordern. Wie gut das geklappt hat, kann Dr. Bernhard Schaaf, Leiter der internistischen Intensivmedizin des Klinikums Dortmund, einschätzen.

„In eine Situation der Überfüllung der Krankenhäuser in Dortmund sind wir zu keinem Zeitpunkt der Pandemie gekommen“, sagt er: „Wir hätten immer zur Not noch weitere Intensivstationen eröffnen beziehungsweise chirurgische in internistische Intensivstationen umwandeln können. Die entsprechenden Pläne gab es, zum Glück mussten wir sie aber nicht umsetzen.“

Das bedeutet aber nicht, dass die vergangenen 18 Monate für die Fachkräfte unproblematisch gewesen seien. Durch diese Umplanungen musste man auf andere verschiebbare Behandlungen verzichten. Und Schaaf sagt: „Für die Pflegekräfte und das Arztpersonal waren vor allem die zweite und dritte Welle sehr belastend.“ Insbesondere wenn jüngere Menschen schwer erkranken und sterben, sei das für Pflegende und Ärzte sehr belastend.

„Normalerweise sterben zirka 10 bis 15 Prozent der Patienten auf den Intensivstationen“, erklärt der Mediziner: „In der Corona-Zeit sind 30 bis 40 Prozent der Intensivpatienten verstorben. Das ist für das Krankenhauspersonal psychisch sehr schwierig.“ In dieser Zeit habe das Klinikum auch eine psychologische Betreuung fürs Personal angeboten.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
Zur Autorenseite
Kevin Kindel

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.