Überraschender Fund in Brechten: Eichenprozessionsspinner gab es schon 1827

mlzEichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebreitet. Doch jetzt ist klar: In Brechten wurde die Raupe bereits 1827 gesichtet.

Brechten

, 09.07.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst seit ein paar Jahren tritt der Eichenprozessionsspinner verstärkt in Deutschland auf - so ist zumindest eine weit verbreitete Meinung. Durch Zufall haben die Archivare der evangelischen Kirchengemeinde in Brechten, Magdalene Birnitzer und Wilhelm Tappe, jetzt jedoch herausgefunden: Zumindest in Brechten gab es den Eichenprozessionsspinner bereits vor 200 Jahren.

Gefunden haben die beiden das in einem Jahresbericht von 1827 und 1828. Es sei früher üblich gewesen, dass die Pfarrer eine Chronik mit allen erwähnenswerten Ereignissen in der Kirchengemeinde Brechten schrieben, erklärt der ehemalige Brechtener Pfarrer Horst Fängewisch, der von den beiden Archivaren auf den Fund aufmerksam gemacht wurde. Alle diese Berichte liegen mittlerweile im Archiv der evangelischen Kirchengemeinde Brechten, sowohl in der Originalfassung, als auch von Sütterlin übersetzt.

Im Jahresbericht 1827/1828 geht es um den Eichenprozessionsspinner

So sei es wohl hauptsächlich Zufall gewesen, dass Magdalene Birnitzer und Wilhelm Tappe auf einen Jahresbericht von 1827/1828 gestoßen sind, der jetzt wieder auf großes Interesse stoßen könnte. Besonders die Kategorie Naturereignisse hat seine Neugierde geweckt. „Das ist nicht immer was Besonderes, aber in diesem Fall war es sehr spannend“, sagen sie.

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„Im Sommer des Jahres 1827 ließen sich hier Raupen sehen, welche die ältesten Menschen nie gesehen hatten“, heißt es in dem Bericht, den der damalige Pfarrer Johannes Broelemann verfasst hat. Schnell wird klar, dass es sich wohl damals schon um den Eichenprozessionsspinner handelte, der dem Pfarrer Sorgen machte: „Weil sie in langen Reihen fest aneinander hängend von einem Baume über die Erde weg zum anderen ziehen, so heißen sie Prozessions- oder Wanderraupen.“

Schon damals wurden die Fakten zu den Raupen genau geschildert

Auch damals schon waren die Brechtener von den Symptomen geplagt, die heute die Opfer des Eichenprozessionsspinners nervt: „Den Eichbäumen verursachten die Tiere Schaden - aber lästig sind dieselben für Menschen und Tiere durch das Jucken, welches sie verursachen.“

Dass die fliegenden Haare der Raupe daran schuld waren, war damals ebenfalls schnell klar. Sehr genau schildert Johannes Broelemann bereits damals die Fakten: „Dieses Jucken wird durch den Staub erzeugt, der in ihren bedeutend langen Haaren sitzt und der besonders bei trockener Witterung durch die Kleidung der nur Vorübergehenden dringt, und vor dem man auch in bedeutender Entfernung vom Walde noch nicht sicher wäre.“

Brechtener unterschätzen die Raupen

Zu Beginn habe man, ähnlich wie auch in den vergangenen Jahren, den Eichenprozessionsspinner unterschätzt: „Im benannten Jahre waren diese Tiere noch nicht sehr viele, deshalb war man wenig aufmerksam und betriebsam, selbige zu vermindern.“

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Doch es wurde schnell deutlich: Der Eichenprozessionsspinner vermehrt sich schnell. „Aber das Frühjahr des Jahres 1828 zeigte es ganz anders, da wo im vorigen Jahre eine Raupe saß, saßen im folgenden gewiß schon hundert“, schreibt Broelemann. So wurde 1828 bereits von einer Raupenplage gesprochen.

Großer Schaden durch den Eichenprozessionsspinner

Damit blieben auch die Probleme nicht aus. So spricht der damalige Pfarrer von einem großem Schaden, den die Raupen auf den Bäumen hinterlassen. Auch von lästigem Jucken bei Menschen und Tieren ist die Rede. Nach der Bekämpfung mit heißem Wasser schreibt Broelemann am Ende von einem Rückgang der Plage.

„Ich finde das sehr faszinierend“, sagt Pfarrer Hanno Gerke von der evangelischen Kirchengemeinde Brechten zu dem Jahresbericht und den neuen Erkenntnissen daraus. Ähnlich wie viele andere Menschen habe er öfter den Impuls, dass „es doch früher so etwas nicht gegeben hat“.

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