Normalerweise finden in der Warsteiner Music Hall Konzerte statt. Jetzt wird sie zum Corona-Impfzentrum für Dortmund. © Oliver Schaper
Coronavirus

2400 Impfungen am Tag: So wird das Dortmunder Impfzentrum funktionieren

Vor Weihnachten sollen die ersten Dortmunder gegen das Coronavirus geimpft werden. Das Impfzentrum in der Warsteiner Music Hall wird schon eingerichtet. Wie wird es dort aussehen?

Man braucht noch viel Fantasie, um sich hier ein Impfzentrum vorzustellen. Noch ist die Warsteiner Music Hall auf Phoenix-West nackt und leer. Doch der Gabelstapler der Feuerwehr und die ersten Holzbauteile stehen schon in der eindrucksvollen Industriekulisse bereit. Vor der Tür wird Material ausgeladen.

Die ersten Bauteile für den Aufbau der „Impfstraßen“ liegen bereit.
Die ersten Bauteile für den Aufbau der „Impfstraßen“ liegen bereit. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

In Messebauweise soll hier das Zentrum entstehen, in dem zehntausende Dortmunder gegen das Corona-Virus geimpft werden sollen. „Wir wollen vor Weihnachten betriebsbereit sein“, kündigt Holger Herlinghaus als Leiter der Arbeitsgruppe Impfen bei der Dortmunder Feuerwehr an. Die Feuerwehr leistet die organisatorische Vorarbeit für Corona-Impfungen in Dortmund.

Die Feuerwehr sorgt aktuell für den Aufbau des Impfzentrums in der Warsteiner Music Hall.
Die Feuerwehr sorgt aktuell für den Aufbau des Impfzentrums in der Warsteiner Music Hall. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

„Gewaltiger Mangel an Impfstoff“

„Es gibt Vorgaben des Landes, die zu erfüllen sind“, erklärt Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner. Aber es fehlten auch noch viele Informationen etwa zur Zahl der Impfdosen, die Dortmund zur Verfügung stehen. Von 46.000 Impfdosen in der ersten Welle war zuletzt die Rede. Das wäre ausreichend für 23.000 Menschen, weil jeder zweimal geimpft werden muss. Was danach kommt, ist noch unklar.

Dabei liegt allein die Zahl der Beschäftigen im Medizin- und Pflegebereich, die gleich zu Beginn geimpft werden sollen, in Dortmund bei rund 40.000. „Die erste Stufe der Impfungen“, prophezeit deshalb Gesundheitsamts-Leiter Dr. Frank Renken, „wird durch einen gewaltigen Mangel an Impfstoff geprägt sein.“

Impfungen im Zwei-Schicht-Betrieb

Die Planung im Impfzentrum ist trotzdem erst einmal großzügig. Bis zu 2400 Menschen sollen hier pro Tag von 8 bis 20 Uhr im Zwei-Schicht-Betrieb geimpft werden, auch an den Wochenende. Dazu entstehen in der denkmalgeschützten Halle insgesamt zehn sogenannte Impfstraßen, durch die Impfwillige mit festen Terminen im Drei-Minuten-Takt gelotst werden sollen.

Das Organisationsteam des Impfzentrums in der Warsteiner Music Hall.
Das Organisationsteam des Impfzentrums in der Warsteiner Music Hall. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Bei der Anmeldung wird die Temperatur gemessen, dann werden die Daten aufgenommen, erklärt Einsatzplaner Tobias Schmolla das Prozedere aus Sicht der Patienten. „Jeder bekommt einen Fragebogen, einen Aufklärungsbogen und einen Laufzettel.“

Damit geht es dann in einen Wartebereich vor einer der zehn Impfstraßen. Nach einem kurzen Arzt-Patienten-Gespräch wird dann geimpft. In einem zweiten Wartebereich müssen die frisch Geimpften 15 Minuten ausharren, um mögliche Nebenwirkungen abzuwarten. All das wird in mobilen Einbauten in der Halle untergebracht.

Am Ende des Durchgangs werden die Daten noch einmal aktualisiert – und der Termin für die Auffrischungsimpfung drei Wochen später vergeben, bevor es durch den „Hinterausgang“ ins Freie geht.

Halle hat moderne Ausstattung und Lüftung

Dieses Einbahnstraßen-System war mit ein Kriterium für die Auswahl der Warsteiner Music Hall als Standort für das Impfzentrum, erklärt Holger Herlinghaus. Als weitere Pluspunkte zählt er die moderne Technik etwa für Lüftung und Akkustik, 300 Parkplätze in unmittelbarer Umgebung, barrierefreie Erreichbarkeit und ausreichend Nebenräume auf.

Holger Herlinghaus leitet die Arbeitsgruppe Impfen in der Dortmunder Verwaltung.
Holger Herlinghaus leitet die Arbeitsgruppe Impfen in der Dortmunder Verwaltung. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Denn für die Verteilung des Impfstoffs, der voraussichtlich eine besondere Tiefkühlung benötigt, soll in der früheren Phoenix-Halle eine Art Apotheke eingerichtet werden. Auch die mobilen Impfteams, die pro Tag 800 Patienten bei Hausbesuchen impfen sollen, werden von hier aus versorgt und eingesetzt.

Eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist ebenfalls vorhanden. Der Bahnhof Hörde ist rund 900 Meter entfernt, erklärt Herlinghaus. Nahe der Halle auf dem Phoenix-West-Gelände ist eine Bus-Haltestelle. Bei der Bus-Anbindung müsse aber eventuell noch nachjustiert werden, räumt der Experte der Feuerwehr ein.

Für die Organisation vor Ort wird die Stadt wohl einen Dienstleister einsetzen, deutet Herlinghaus an. Ein Sicherheitsdienst ist ebenfalls fest eingeplant. In mehreren Städten waren bereits Sicherheitsbedenken wegen möglicher Attacken durch Impfgegner laut geworden.

Medizinisches Personal gesucht

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe stellt das medizinische Personal für das Impfzentrum. Dr. Reinhard Büker hat die ärztliche Leitung übernommen. Und er ist optimistisch, dass sich genug Fachkräfte für das Impfzentrum finden. Die Aufrufe dazu laufen bereits über Online-Plattformen.

„Wir werden die Sache stemmen können“, sagt Büker. Auch die Impfbereitschaft der Patienten sei nach seinem Eindruck hoch, auch wenn es noch Aufklärungsbedarf gebe.

Mit im Boot bei der Planung des Impfzentrums sind die Betreiber der Warsteiner Music Hall. Ende Februar fand hier das letzte Konzert statt, erinnert sich Alexander Richter, Geschäftsführer der Phoenix Betriebs GmbH. Danach kam der Corona-Lockdown für Konzerte, der später auch die Planungen für den Herbst über den Haufen warf. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

„Wir haben den Anspruch die schönste und beste Konzert-Location in dieser Größenordnung zu sein“, sagte Richter. „Jetzt wollen wir das beste Impfzentrum haben.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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