Patrick Arens vom Schaustellerverein Rote Erde organisiert neben Kirmessen zum Beispiel auch den Dortmunder Weihnachtsmarkt mit. © Peter Bandermann (Archiv)
Kirmes-Fazit

33.000 Besucher bei FreDOlino – trotzdem: „Schausteller gehen mit schlechtem Gefühl“

Für Dortmunder Schausteller war FreDOlino die erste Kirmes seit langem. Entsprechend groß war die Vorfreude. Nun zieht ein Organisator Bilanz – mit einer fraglichen Zukunftsperspektive.

„Die Kollegen freuen sich nach langer Pause darauf, wieder Freude in die Stadt zu bringen“, sagte „FreDOlino“-Mitorganisator Patrick Arens vor der Eröffnung des Kirmesparks Anfang Juli. FreDOlino war für Schausteller in Dortmund ein Hoffnungsschimmer. Wegen Corona hatte es lange keine Kirmes-ähnlichen Veranstaltungen gegeben.

Zwischen dem 2. und 25. Juli hatte der Kirmespark mittwochs und sonntags am Festplatz Ebertstraße geöffnet. Es war der Nachfolger des Pop-Up-Freizeitparks „FunDOmio“, der im vergangenen Jahr die ausgefallene Dortmunder Kirmes ersetzt hatte.

Stimmung im Kirmespark sei gut gewesen

Nun zieht Mitorganisator Patrick Arens gegenüber unserer Redaktion eine Bilanz, wie FreDOlino bei den Besuchern ankam und ob der Park die Hoffnungen der Schausteller erfüllen konnte.

„Die Stimmung war wirklich gut. Man merkt, dass die Leute Kirmes vermissen“, meint Arens. Er sei anfangs skeptisch gewesen, ob viele Besucher kommen würden. Während der ersten Woche durften nämlich nur Geimpfte, Genesene oder Getestete in den Park. Doch auch mit der 3G-Regel sei der Zulauf „ordentlich“ gewesen.

„In der zweiten Hälfte haben wir sogar ganz Dortmund erreicht“, sagt er. Insgesamt hätten knapp 33.000 Menschen FreDOlino besucht. Wegen Corona hätten 1800 Besucher gleichzeitig auf den Festplatz gedurft, der normalerweise für bis zu 8000 Menschen Platz bietet.

Dennoch: Der Platz sei selten maximal ausgelastet gewesen. „Wir hatten einen lockeren Durchfluss, so dass sich die Besucher immer gut auf die ganze Fläche verteilt haben“, so der Mitorganisator, der auch Vorsitzender des Dortmunder Schaustellervereins Rote Erde ist.

Auf FreDOlino sei kein Corona-Fall zurückzuführen

In den Stoßzeiten seien etwa 1100 Menschen gleichzeitig im Kirmespark gewesen. Durchschnittlich hätten sie sich dort eineinhalb bis zwei Stunden aufgehalten. Mit der Einhaltung von Abständen habe es somit keine Probleme gegeben. „Es gibt bisher keinen bekannten Corona-Fall, der auf die Kirmes zurückzuführen ist“, sagt Arens. Und auch bei den an der Kirmes durchgeführten Schnelltests sei kein Test positiv ausgefallen.

Die Gesamteinnahmen der Kirmes könne Arens nicht abschätzen. Das liegt auch am veränderten Preissystem: Bei FunDOmio im vergangenen Jahr mussten Besucher einen Pauschalpreis bezahlen. Mit dieser Flatrate durften sie dann unbegrenzt auf alle Fahrgeschäfte. Abgesehen von einem pauschalen Hygienepreis bezahlten die Menschen in diesem Jahr alle Attraktionen einzeln.

Dem FreDOlino-Mitorganisator Patrick Arens zufolge waren die meisten seiner Kollegen mit den Umsätzen des Kirmesparks zufrieden. © Oliver Schaper (Archiv) © Oliver Schaper (Archiv)

Patrick Arens habe mit vielen Kollegen gesprochen und die meisten seien mit den Umsätzen zufrieden gewesen. Dennoch sagt er: „So ein Park ist finanziell nicht wie eine richtige Kirmes.“ Der Hauptantrieb der Schausteller sei gewesen, wieder ins „reguläre Arbeiten“ zu kommen. Die letzte reguläre Veranstaltung sei für sie der Weihnachtsmarkt 2019 gewesen.

Arens: „Wenn das so weitergeht, haben wir Schausteller erstmal wieder keinen Plan“

„Es war wichtig, dass wir endlich wieder unter Menschen gekommen sind und unseren Beruf ausüben konnten“, so Arens. Und doch ergänzt er: „Die Schausteller gehen mit einem schlechten Gefühl aus der Kirmes.“ Denn neben FreDOlino gebe es nicht viele weitere Veranstaltungen, die die Schausteller nun besuchen könnten.

Gerade die großen Feste der Region wie die Cranger Kirmes oder das Düsseldorfer Schützenfest seien die Haupteinnahmequellen der Schausteller. Die würden aber weiterhin ausfallen. Auch die Corona-Pandemie entwickele sich eher wieder weg von Großveranstaltungen: Sinkendes Impftempo, steigende Inzidenz.

„Wenn es so weitergeht und wir wieder die Inzidenzstufe zwei erreichen, haben wir Schausteller erstmal wieder keinen Plan“, so Arens. Und besonders frustrierend sei für ihn und seine Kollegen, „wenn wir mit ansehen müssen, dass sich Menschen an Stränden tummeln, aber keine Kirmes besuchen dürfen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2000 in Heinsberg geboren, seit 2020 als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten. Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund. Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen im Lokaljournalismus gemacht - und dort fühle ich mich zuhause.
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Nick Kaspers

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