A2 in Brechten: Anwohner wollen Kampf gegen Autobahn-Lärm neu aufnehmen

mlzVerkehr im Nordosten

Brechten und der Autobahnlärm – eine unendliche Geschichte. Jetzt fordern Anwohner, den Kampf für mehr Lärmschutz neu aufzunehmen. Wenn nötig, bringe man auch die Feinstaubbelastung ins Spiel.

Brechten

, 28.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

So recht will kein Politiker dieses tote Pferd noch reiten. „Das Thema ist eigentlich austherapiert“, sagt Bezirksbürgermeister Oliver Stens (SPD) gerne, wenn man ihn auf den Autobahnlärm in Brechten anspricht. Jetzt hat Jürgen Bubendey, der am Teislerweg 24 ziemlich nah an der A2 wohnt, die Politiker noch einmal angepiekst.

„Ich wohne rund 50 Meter entfernt von der A2 und messe dort 71 Dezibel“, trug Jürgen Bubendey ganz sachlich während der Einwohnerfragestunde zu Beginn der letzten Bezirksvertretungs-Sitzung vor. Die empfohlenen Grenzwerte von Bundesumweltamt und Weltgesundheitsorganisation liegen deutlich darunter.

Angestrebt werden soll ein Wert von 50 dBA tagsüber. Davon sei man in Brechten weit entfernt, so Bubendey. „Man hat unter anderem versäumt“, sagt er, „im Zuge des A2-Ausbaus die Brücken in Brechten abzuschotten.“ So könne sich der Lärm je nachdem wie der Wind weht immer wieder im Ortsteil ausbreiten.

762 Unterschriften gegen A2-Lärm – passiert ist nichts

Petra Frommeyer ist CDU-Fraktionsvorsitzende und selbst Brechtenerin. Sie kennt das Lärmschutz-Thema seit 20 Jahren. Sie weiß, dass es schon 2009 eine Solidaritäts-Erklärung von SPD, CDU und Grünen im Dortmunder Stadtrat mit den Anwohnern der A2 in Brechten gab.

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Gemeinsam wurde gefordert, den Einsatz von Flüsterasphalt, eine Erhöhung der Lärmschutzwände und die Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen zu prüfen. Passiert ist nichts. 2013 stellte sich die CDU-Landtagsabgeordnete Claudia Middendorf mit Vertretern der „Interessengemeinschaft Lärmgeschädigter der A2“ auf die Brücke am Schiffhorst und nahm 762 Unterschriften entgegen. Passiert ist nichts.

Schon vor Jahren machten sich Brechtener Bürger bei einem Ortstermin für einen besseren Lärmschutz an der A2 stark. Ohne Erfolg

Schon vor Jahren machten sich Brechtener Bürger bei einem Ortstermin für einen besseren Lärmschutz an der A2 stark. Ohne Erfolg. © Oliver Schaper (Archiv)

„Vor dem Hintergrund des kommenden Lkw-Verbots auf der B1 sollte man die Lärmentwicklung auf der A2 noch mal überprüfen. Das wäre jetzt ein Ansatz“, meint Petra Frommeyer. „Für die CDU im Stadtbezirk ist der Lärmschutz das Thema Nummer eins“, sagt sie und ergänzt: „Man muss unter anderem über die Autobahnbrücken in Brechten sprechen, die für mein Empfinden keinen Lärmschutz haben. Wenn man am Schiffhorst an der Brücke steht, kann man sich nicht unterhalten – so laut ist es.“

Autobahnlärm ärgert CDU genauso wie die Grünen

Da die Grünen im Stadtbezirk ähnlich denken, könnte es jetzt in der Bezirksvertretung zu einem gemeinsamen Antrag von CDU und Grünen kommen. „Wir haben das gleiche Ziel und wollen, dass das Lärmproblem an der A2 jetzt angegangen wird. Dazu möchten wir uns auch mit der Bürgerinitiative in Brechten zusammensetzen“, sagt Grünen-Sprecher Klaus Sichelschmidt.

Nicht nur der vermeintlich zunehmende Autobahnlärm, sondern auch die mit Graffiti beschmierten Brückenteile an der A2 - wie hier am Schiffhorst - , ärgern die Brechtener seit Jahren.

Nicht nur der vermeintlich zunehmende Autobahnlärm, sondern auch die mit Graffiti beschmierten Brückenteile an der A2 – wie hier am Schiffhorst – ärgern die Brechtener seit Jahren. © Oliver Schaper (Archiv)

Der Ansprechpartner dort wird Mirko Deik sein. „Wir sind da“, sagt er, „die Interessengemeinschaft Lärmgeschädigter der A2 ist nie aufgelöst worden.“ Spricht man mit ihm, dann glaubt er nach Jahren der Erfolglosigkeit nicht daran, dass irgendwer die Landesbehörde Straßen NRW doch noch zu besserem Lärmschutz wird bewegen können. „Vielleicht gibt es aber einen ganz anderen Ansatz über die Feinstaubbelastung. Die müsste doch mal gemessen werden, wenn eine Autobahn mitten durch ein Wohngebiet führt“, so Mirko Deik.

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Für aktuelle Messungen will auch Oliver Stens (SPD) als Bezirksbürgermeister gegebenenfalls noch mal in den Ring steigen. „Wenn es gute Gründe gibt, den Autobahnlärm in Brechten messen zu lassen, dann wird die Bezirksvertretung aktiv werden“, sagt Stens. Für eine Mehrheit braucht es dort aber die Stimmen der SPD. Fraktionsvorsitzende Gabriele Hammacher gibt an, sich bisher mit dem Thema aktuell nicht befasst zu haben.

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