Abgeholzte Bäume und riesiger Parkplatz: Naturschützer kritisieren Wilo

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Dortmunder Naturschutzverbände kritisieren Wilo wegen der Baumfällungen und der Ausmaße des Parkplatzes auf dem Firmengelände. Der Pumpenhersteller kann die Aufregung nicht verstehen.

Hörde

, 19.08.2019, 17:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Friedliche Natur und die größte Baustelle Nordrhein-Westfalens liegen in Hörde nebeneinander. Der weltgrößte Pumpenhersteller Wilo baut seine Firmenzentrale zum Wilo-Campus aus und verlegt dafür unter anderem die Nortkirchenstraße. In einer Stellungnahme kritisieren Dortmunder Naturschutzverbände nun zwei wesentliche Aspekte des gesamten Bauvorhabens.

? Wer kritisiert hier eigentlich?

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der BUND, der Nabu und die LNU gemeinsam zu den Veränderungen in Hörde äußern. Zuletzt hatten die Verbände im Sommer 2018 ihre Stellungnahme abgegeben, als es darum ging, die Veränderung des Flächennutzungsplanes für das Gebiet zu beschließen.
Die ist nötig, um die rechtlichen Voraussetzungen für die Veränderung des Bebauungsplanes Hö 280 zu schaffen. Der ist gerade auf dem Weg in die politischen Gremien. Bürger und sogenannte Träger öffentlicher Belange können ihre Bedenken äußern, die dann von der Verwaltung bewertet und beantwortet werden. Genau das haben die Naturschutzverbände auch getan.

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? Und was kritisieren sie?

Es sind vor allem zwei Punkte, die den Verbänden ein Dorn im Auge sind. Sie kritisieren zum einen die Rodung von insgesamt 16.000 Quadratmetern Waldfläche mit einem Verlust von mindestens 260 Einzelbäumen sowie die Errichtung eines ebenerdigen Mitarbeiterparkplatzes mit 850 Stellplätzen.
„Wir tun immer so, als ob unser Boden vermehrbar ist“, sagt Prof. Frank Wilke, der die Stellungnahme erarbeitet und auch schon im März 2019 in der Bezirksvertretung vorgesprochen hat: „Muss es sein, dass der Boden versiegelt wird und so viele ebenerdige Parkplätze entstehen? Dortmund ist da ein bisschen rückständig, überall anders werden Tiefgaragen oder Parkhäuser gebaut.“
Die Rodung der Bäume ist für den östlichen Teil eines Waldgebietes vorgesehen, das zwischen Phoenix-West und dem nördlichen Wilo-Gelände verläuft. „Das städtebauliche Konzept für Wilo lässt deutliche Verringerungen des Flächenverbrauchs zu“, steht in der Stellungnahme.

Abgeholzte Bäume und riesiger Parkplatz: Naturschützer kritisieren Wilo

Ein Teil der umstrittenen Waldfläche bleibt als sogenannte Biotopvernetzung stehen. © Michael Nickel

? Was sagt Wilo zu der Kritik?

Bei Wilo zeigt man sich überrascht. „Die Stellungnahme ist inhaltlich gleich mit der vom vergangenen Jahr“, sagt Martin Linge-Boom, zuständig für die Entwicklung des Wilo-Campus. Vor einigen Wochen habe es ein persönliches Gespräch zwischen Wilo und Vertretern der Naturschutzverbänden gegeben, bei dem die kritischen Punkte ausgeräumt worden sein sollen. „Wir waren uns einig, dass wir damit bei Null angekommen sind“, sagt Linge-Boom. Er bietet Wilke nun ein öffentliches Gespräch mit Vertretern der Stadt Dortmund an.
Eine wesentliche Neuerung in der neuen Stellungnahme taucht im dritten Absatz auf: „Die Umweltverbände werden sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese weitere, aber vermeidbare Naturvernichtung [...] in Zeiten
des Artensterbens und des Klimawandels wehren“, heißt es. Ob die Verbände derzeit konkret eine Klage vorbereiten, bestätigt Frank Wilke auf Anfrage nicht. „In Erwägung ziehen muss man aber alles“, sagt er. „Wir sind nicht gegen Wilo, sondern dagegen, dass 16.000 Quadratmeter Wald abgeholzt werden.“

? Was hat es mit den Baumfällungen und dem Parkplatz tatsächlich auf sich?

Auf dem östlichen Teil des Wilo-Geländes entsteht der große Mitarbeiter-Parkplatz mit 850 Plätzen. „So sieht es die Stellplatzsatzung der Stadt Dortmund vor, so wird es von uns gefordert“, sagt Martin Linge-Boom. Wilo baue die Mindestanzahl an Parkplätzen.
Die Fläche diene zudem als Vorbehaltsfläche für einen möglichen Ausbau der Logistik. Sollte der tatsächlich umgesetzt werden, müssen die Parkplätze an anderer Stelle neu entstehen - und zwar dort, wo das umstrittene Wäldchen liegt. Es befindet sich nördlich der derzeit neu entstehenden Nortkirchenstraße und am ebenfalls zukünftigen Kreisverkehr zur Olof-Palme-Straße. „Die Ausweichfläche liegt hier, weil es auf Phoenix-West nicht möglich war“, sagt Linge-Boom.
Klar ist, dass hier definitiv etwas gebaut wird. Die Firma Louis Opländer, einst aus Wilo hervorgegangen, bekommt auf der einen Hälfte der Fläche ein Gebäude. Die entsprechenden Bäume sind bereits gefällt. Klar ist laut Linge-Boom aber auch, dass die bewaldete Ausweichfläche - also die zweite Hälfte der Fläche - für mögliche neue Parkplätze so lange unberührt bleibt, bis eine Abholzung tatsächlich notwendig wird. Im Fall der Fälle würde hier ein Parkhaus entstehen.
Die Kritik der Naturschutzverbände, wonach durch den großen Parkplatz zu viel Fläche unnötig versiegelt würde, kann Linge-Boom nicht nachvollziehen: „Die Flächen im Norden unseres Gländes waren immer versiegelt, weil das hier ein Altlastenschwerpunkt ist. Wir dürfen die Flächen gar nicht aufreißen.“
Durch die Entwicklung des Geländes konzentriert Wilo seine Standorte in Dortmund zukünftig komplett auf dem neuen Campus. Durch den Wegfall von Flächen in Oestrich, an der Florianstraße und der Konrad-Adenauer-Allee fielen gleichzeitig auch 22.000 Quadratmeter versiegelter Fläche weg, so Linge-Boom.

Abgeholzte Bäume und riesiger Parkplatz: Naturschützer kritisieren Wilo

Auf der anderen Seite des Wilo-Geländes, hier entlang der Konrad-Adenauer-Allee, machen es sich unter anderem Vögel gemütlich. Der größte Teil der benachbarten Waldfläche bleibt unberührt. © Michael Nickel

? Wo und wie pflanzt Wilo Bäume nach?

Dem Wegfall der Bäume wird in einer Verwaltungsvorlage eine „erhebliche Auswirkung hinsichtlich des Mikroklimas“ zugeschrieben, gleichzeitig werden auf dem Wilo-Campus alle Flachdächer begrünt. Die Nachpflanzungen nimmt Wilo in Kemminghausen und Salingen/Persebeck vor. „Wir haben schon 350 Bäume gekauft“, sagt Linge-Boom. So seien es zum einen mehr Bäume als gefordert, zum anderen würden keine „Besenstile“, sondern richtige Bäume gekauft.

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