"Abnehmen können Sie woanders"

DORTMUND Köstliches, unterlegt mit einer Prise Humor – die jüngste Top(f)-Hits-Party stieg in einem ganz intimen Rahmen. Dortmunds wohl ungewöhnlichster Koch Jan Möllmann und TV-Rechtsexperte Wolfgang Büser hatten in die holzlastige Siedlerklause geladen und ein Überraschungs-Menü auch fürs Zwerchfell kreiert.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 28.09.2007, 18:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jan Möllmann (l.) und Wolfgang Büser schmissen sich die humoristischen Bälle zu.

Jan Möllmann (l.) und Wolfgang Büser schmissen sich die humoristischen Bälle zu.

Drinnen wird nicht so gekocht, wie‘s draußen dran steht. Und das ist auch gut so. „Siedlerklause“ heißt der Tatort unserer „Top(f)-Hits“-Küchen-Promi-Party vom letzten Donnerstag. Das Relikt aus den 70ern liegt perfekt getarnt mitten in einer gutbürgerlichen Brechtener Siedlung, überfällt den Gast mit rustikalen Attacken aufs ästhetische Empfinden und überrascht durch excellente cuisine exquisite. Ein Geheimtipp, an dem die Serie Top(f)-Hits beim Aufspüren innovativer Kochkunst in Dortmund nicht vorbeikam.

Das winzige Restaurant von Jan Möllmann mutierte schnell zu „Muttis Wohnzimmer“, in dem 22 hoch zufriedene Gäste amüsiert den bühnenreifen Auftritten des TV-Rechtsexperten Wolfgang Büser – Gourmet durch und durch aber mit deutlichem Fluchtinstinkt vor der Küche daheim – und Hausherrn Möllmann folgten. Kostprobe O-Ton-Möllmann: „Das von Herrn Büser angekündigte Kartoffelpüree besteht zu 100 Prozent aus Sellerie.“ Oder: „Die Tapetenschnitzel unter den Lauchstreifen auf Ihren Tellern wurden von Wolfgang Büser geschnitten.“

Der  Rechtsexperte u. a. im ARD-Morgenmagazin („Das Schlimmste ist, wenn um 5 Uhr der Wecker klingelt“), unterhielt zwischen den Gängen mit kurzweiligen Richtersprüchen. Und nach dem Menü waren weitere 230 Euro für die Dortmunder Tafel gespendet, jenem bekannten mildtätigen Verein, der Bedürftige mit Lebensmittel-Spenden versorgt.

Tomaten, hand zersägt

Ein munteres Ründchen von gut 20 Gästen traf sich vor Kellenputz und Eiche. Mehr Schlemmer müssten gestapelt werden zwischen Kachelboden und Balkendecke. Möllmann, einst Jazzmusiker, jetzt Meister der Verwöhnkunst, investiert lieber in die Rohprodukte, „damit sich meine Gäste ganz aufs Essen konzentrieren können.“ Gern‘ nimmt er sich selbst aufs Korn: „Jeder, der hier vorbei fährt, vermutet eher Panhas und Currywurst statt edler Küche. Die möchte ich auch nicht enttäuschen“, sprach‘s und schickte „Assistenten“ Büser los mit Panhas aus gerösteten Rosinenbrot und Pommes mit Currywurst (Nürnberger Rostbratwürstchen!) samt Sößchen aus getrockneten Tomaten „hand zersägt“ (Möllmann).

Dann wurd‘s ernst mit der hohen Kochkunst und den Lieblingsgerichten von Wolfgang Büser, dem gebürtigen Dortmunder: Pancetta mit Rucola-Salat, Wachtelei und Zwiebelsprossen in Walnussdressing, Kroepoek mit Lachsklößchen in Beurre Blanc, Seeteufel in Safran-Sauce mit Currylinsen und Lauchstreifen, Spanferkel auf Vanille-Kartoffelpüree, Roulade vom schwarzen Angus Rind (gefüllt mit Pinienkernen und Basilikum) an Jus und Sellerie-Püree, Himbeer-Rotkohl und Möhren, überbackenes Eis (nach einem Rezept von Anne Büser) und italienisches Schoko-Törtchen mit weißem Pfeffer. Alles frei nach Möllmanns Motto „Abnehmen können Sie woanders!“

Nur am Wochenende

„Mister Westfalenpark“ Peter Padberg, Ex-Gartenchef von Dortmunds grüner Lunge, und Gattin Rita sind zwar Nachbarn der „Siedlerklause“, aber erst die „Top(f)-Hits“ verhalfen ihnen zu Möllmanns Kochkunst: Er zelebriert sie sonst nur am Wochenende. Auf Vorbestellung. Schade.

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