Absage der Karnevals-Session trifft Vereine im Westen hart

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Der Dortmunder Karneval fällt aus. Für die Karnevals-Gesellschaften schrumpft das Vereinsleben fast auf Null – für mehr als ein Jahr. Damit sehen sich die Vereine in ihrer Existenz bedroht.

Huckarde

, 20.08.2020, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fußball-Bundesligavereine wie Borussia Dortmund fragen sich, ob die neue Saison mit oder ohne Fans im Stadion beginnt. Den Dortmunder Karnevalisten stellt sich so eine Frage nicht mehr.

Ihre Saison, auch Session genannt, wurde am Mittwoch wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Weil der Dortmunder Karneval immer im Oktober beginnt, bedeutet diese Absage ein Aus für fast alle Vereinsaktivitäten bis Oktober 2021.

Und weil diese Vereinsaktivitäten, in der Regel Auftritte bei Galaveranstaltungen, die Geldquelle der Vereine sind, sehen sich sie Karnevals-Gesellschaften im Dortmunder Westen konkret in ihrer Existenz bedroht.

Die Fixkosten bleiben

Karl-Heinz Hülsmann, Chef der Laienschauspieler von Fidelitas in Dorstfeld, rechnet vor: „Wir zahlen jeden Monat 850 Euro Miete für den Fidelitas-Treff, unser Vereinsheim. Außerdem haben wir noch eine Garage für die Requisiten. Wir kommen auf tausend Euro im Monat an Fixkosten.“

Für Karnevalsgesellschaften, die Tanzgruppen haben, kommt es noch härter. Wenn die Garden zu Musik trainieren, werden jedesmal Gema-Gebühren fällig. „Das wäre eine Gelegenheit für den Staat gewesen, uns zu entlasten“, sagt Nina Beckmann, Präsidentin und erste Vorsitzende der Dorstfelder Karnevals-Gesellschaft „So fast as Düörp‘m“.

Schon seit März keine Einnahmen mehr

Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass die Vereine nicht erst mit der Absage der kommenden Session vor Problemen stehen. „Bereits seit März sind unsere Auftritte in Seniorenheimen weggefallen und für Hochzeiten werden wir auch nicht mehr gebucht“, sagt Beckmann.

Hilfe vom Staat kommt zwar in Form von Fördermitteln zur Unterstützung von Vereinen aus den Bereichen Heimat, Tradition und Brauchtum. „Der Antrag ist die Hölle“, sagt aber Beckmann. „Ein siebenseitiges Formular und man muss ausrechnen, wie hoch man den Verlust durch den Corona-Ausfall einschätzt.“

Auch neue Kostüme gehen ins Geld

Wie hoch die Zuschüsse sein werden, kann deshalb auch Reiner Lahme, der Vorsitzende der Lütgendortmunder Karnevalsgesellschaft „Kiek es drin“, nicht abschätzen. „Es wird kaum genug sein. Uns fehlen auch die Einnahmen durch unsere Bierstände auf der abgesagten Bartholomäus-Kirmes und dem Lütgendortmunder Dorffest.“

Und Nina Beckmann denkt bereits an das Geld, das im kommenden Jahr ausgegeben werden muss. „Bei uns haben im vergangenen Winter die Nähmaschinen geglüht. Wir haben für die Jugendgarde neue Kostüme genäht.“

Die hätten auch noch in dieser Session genutzt werden sollen. Wenn es erst ab Oktober 2021 wieder Karneval gibt, muss es deshalb schon wieder neue Kostüme geben, ohne dass es vorher Einnahmen gab, sagt sie.

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Den Zusammenhalt im Verein stärken

Geld ist das eine Problem, Zusammenhalt ist das andere. „Viele Vereinsmitglieder haben sich seit Monaten nicht gesehen“, berichtet Reiner Lahme. Nur die Trainingsgruppen treffen sich. Er fragt sich, wie das Miteinander erhalten bleibt.

Auch die Mitglieder des „Verein für Volksbühnenspiele (VfV) Fidelitas“ wollen sich nicht nur bei den zwei jährlichen Schauspielen (eine Komödie und ein Weihnachtsspiel) sehen. Deshalb veranstaltet Karl-Heinz Hülsmann regelmäßig gemeinsame Kaffeetrinken, damit sich die Vereinsmitglieder nicht aus den Augen verlieren.

Interne Feiern sind eine Möglichkeit

Und trotzdem sehen die Vereine eine Möglichkeit, sich gegen Corona zu stemmen: vereinsinterne Veranstaltungen. Privatfeiern bis 150 Personen sind zugelassen.

Karl-Heinz Hülsmann denkt bereits an eine Sketch-Show im kleinen Rahmen für Vereinsmitglieder und auch die Tänzer von So fast as Düörp‘m wollen zumindest intern zeigen, was sie können. Die Termine für die abgesagten Gala-Sitzungen im Februar sind ja jetzt frei geworden.

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