Der Parteitag der Dortmunder SPD auf Phönix-West hatte eine ganz besondere Atmosphäre. © Schaper
SPD auf Phoenix-West

Abschleppdienst im Autokino: Dortmunder SPD tagt mit besonderer Atmosphäre

Hupen statt Händeklatschen und eine leere Autobatterie. Der SPD-Parteitag am Samstag im Autokino auf Phoenix-West hatte eine außergewöhnliche Atmosphäre – und vereinzelt kleinere Pannen.

Es ist kurz vor zehn Uhr am Samstagmorgen, als bei Christa Becker-Lettow die Anspannung weicht. Als Geschäftsführerin des SPD-Unterbezirks ist sie maßgeblich beteiligt an den Vorbereitungen für den Premieren-Parteitag im Autokino auf Phoenix-West.

„Die Tagesschau“ (ARD) ist ebenfalls gekommen. Nun beobachtet Becker-Lettow, wie rund 160 Delegierte aufs Gelände fahren und rund 80 Autos in Reih und Glied vor der Bühne unterhalb der Hochöfen parken.

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SPD-Parteitag im Autokino

Die SPD hat, den Auflagen von Gesundheits- und Ordnungsamt folgend, in Zeiten von Corona die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen: In jedem Wagen dürfen höchstens zwei Personen sitzen. Masken sind Pflicht. Aussteigen ist bis auf den Gang zur Toilette verboten. Keine Kommunikation mit den Insassen im Nachbarwagen.

„Die Logistik ist eine echte Herausforderung“, sagt Becker-Lettow. Sie ist besonders stark gefragt. Jetzt muss sie wieder ans Handy.

Ein Parteitag im Autokino? „Ein sehr spannendes Format“, findet Jan Gravert (39) aus Aplerbeck. Er sei zwar ein Freund des Straßenwahlkampfes. Aber in Zeiten der Kontaktbeschränkungen und Ansteckungsgefahr werde es mit dem klassischen Infostand schwer. „Wir werden kreativ sein“, sagt er, steigt in seinen Wagen und fährt durch die Einfahrt.

Hupkonzert als Applaus

Die Übertragung der Reden von der Bühne ins Autoradio läuft fast reibungslos. Es gibt nur wenige Momente, in denen dem Ein oder Anderen der Ton wegbricht. Zuerst ist Nadja Lüders Stimme zu hören. Sie heizt an und teilt aus: gegen die CDU, die die „Mitbestimmung der Arbeitnehmer beim Klinikum schleift.“

Gegen die „Scheinheiligkeit und Verlogenheit der Grünen“, die stets „links blinken“, sich dann aber anders verhielten. Gegen Laschet, der es nicht schaffe, die CDU auf eine Altschuldenregelung für die Kommunen einzuschwören.

SPD-OB-Kandidat Thomas Westphal © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Die Genossen danken es mit einem kurzen Hupkonzert – Applaus in Zeiten der Pandemie. Nach Lüders spricht Thomas Westphal, auch er ist deutlich zu verstehen. Er wird später, im zweiten Teil des Parteitages, noch einmal als SPD-OB-Kandidat bestätigt werden. Er wird auf 127 Ja-Stimmen, drei „Nein“ und zwei Enthaltungen kommen.

Autobatterie macht schlapp

„Man hört nix! Hört ihr mich?“ Delegierte Susanne Meyer in ihrem Auto klingt leicht verzweifelt. Nicht, weil es zu regnen begonnen hat. Gerade läuft die Antragsberatung fürs Parteiprogramm, und Susanne Meyer hat ihre große, rote Karte aus dem Auto gehalten, weil sie gern reden würde.

Diskussionen waren unter diesen Bedingungen erschwert. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Ein Helfer ist zu ihr geeilt und hält das Mikro ans Autofenster. Allein, es funktioniert nicht. Stille. Nach einer Weile: „Hört ihr mich?!“ Ja, jetzt . . . Die Antragsberatung läuft fix – große Diskussionen gibt es nicht. Wie auch unter diesen Umständen?

Um 11. 30 Uhr hat Georg Anders (71), Delegierter aus Scharnhost-Ost, ein Problem. Sein Wagen springt nicht mehr an. Wie aller hier hatte er das Radio bei abgestelltem Motor laufen lassen. Nun ist die Batterie leer. „Zehn Jahre, ist noch die erste“, grummelt Anders neben der geöffneten Motorhaube vor sich hin. „Das hat ihr jetzt den Rest gegeben.“

Abschleppdienst steht bereit

Hilfe ist schon da: Der Delegierte Dieter Pahmeier (Lütgendortmund) hat ein Überbrückungskabel zur Hand. Selbst an solche Fälle hat SPD-Geschäftsführerin Becker-Lettow gedacht: Vor der Einfahrt ins Autokino steht ein Abschleppwagen.

Kurz vor zwölf Uhr hat sich der Platz vor den Hochöfen geleert. Eine Stunde Pause, dann rollen die Gesandten der Vertreterversammlung ins Autokino. Teil zwei des ungewöhnlichen Parteitages. „Das war ein Parteitag der anderen Art“, sinniert Michael Taranczewski beim Einstieg ins Auto.

Die Atmosphäre, sicher, die habe gefehlt. Insgesamt, findet er, sei die Sache gut gelaufen. „Ich kann mir aber vorstellen, dass wir unter anderen Umständen ein bisschen mehr diskutiert hätten.“

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Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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