Abstand nicht eingehalten? Busse sollen Radfahrer geschnitten haben

mlzRadfahren in Dortmund

Wehrnot Belthle ist begeisterter Radfahrer – eigentlich: Zweimal sei er wegen fehlenden Abstands von DSW21-Bussen geschnitten worden, sagt der Familienvater. Die Polizei ermittelt.

Dortmund

, 26.10.2020, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wehrnot Belthle ist 47 Jahre alt und das Fahrrad schon von klein auf sein Hauptverkehrsmittel. In den vergangenen Monaten hatte er jedoch zweimal einen Beinahe-Unfall – weil kein Abstand zu ihm eingehalten worden sei, beklagt er.

"Abstand interessierte den Busfahrer nicht"

Bei dem ersten Vorfall fuhr der Dortmunder mit seiner 4-jährigen Tochter im Gepäck auf der Straße in Hombruch. Kurz vor einer Bushaltestelle überholte sie ein Bus und schnitt sie nach Belthles Darstellung derart, dass sie in die Eisen gehen mussten, um nicht zu kollidieren.

Vor wenigen Wochen wiederholte sich so ein Vorfall: In einer engen Kurve – bei der das Überholen mit einem Mindestabstand eigentlich unmöglich sei, sagt Belthle – überholte ihn erneut ein Linienbus.

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Diesmal habe er aber nicht rechtzeitig bremsen können, sodass der Busfahrer nicht bemerkte, wie er das Rad samt Fahrer streifte. Wehrnot Belthle ist schockiert: „Hier gibt es überhaupt keine Chance Abstand zu halten, wenn Gegenverkehr kommt.“

Nach Angaben von Wehrnot Belthle habe der Busfahrer nur geäußert: „Abstand interessiert mich nicht", und sei weiter gefahren. Belthle hat Anzeige erstattet, die Polizei Dortmund ermittelt nun.

So viele Verkehrsunfälle wie noch nie

In Dortmund gab es im Jahr 2019 fast 1800 Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Vor allem die "schwachen" Verkehrsteilnehmer, wie Fußgänger und Radfahrer, sind besonders gefährdet. Ihr Schutz hat besonders hohe Priorität, wie die Polizei Dortmund im vergangenen Unfallbericht schreibt.

Dank der Nachbarschaftsinitiative stehen hier bereits die Hinweissymbole.

Dank der Nachbarschaftsinitiative stehen hier bereits die Hinweissymbole. © Schaper

Dabei sind die Zahlen von Verkehrsunfällen mit beteiligten Radfahrern sogar insgesamt zurückgegangen. Für Kinder und Senioren gibt es allerdings einen Zuwachs von rund 1,5%.

Mindestabstand von 1,50m wieder abgeschafft

Mit dem neuen Straßenverkehrs-Bußgeldkatalog sollte der Schutz der Radfahrer weiter gestärkt werden. Dabei wurde auch ein Mindestabstand von 1,50m beim Überholen von Radfahrern festgelegt, welcher das Überholen in engeren Straßen rechtlich unmöglich gemacht hätte.

Doch diese Neuerung ereilte das Schicksal des ganzen Bußgeldkatalogs, der im Sommer wegen eines Formfehlers außer Kraft gesetzt wurde.

In dieser Kurve hatte ihn ein Linienbus trotz fehlenden Abstands überholt. Als ein Auto aus dem Gegenverkehr kam, hatte ihn der Bus gestreift.

In dieser Kurve hatte ihn ein Linienbus trotz fehlenden Abstands überholt. Als ein Auto aus dem Gegenverkehr kam, hatte ihn der Bus gestreift. © Schaper

Auf Anfrage bei der Polizei Dortmund müsse man jetzt die Vorfälle wieder einzeln verhandeln. Da die Verfahren noch laufen, würde man aber keine weitere Aussagen dazu treffen wollen. Fest stünde aber, dass beide beteiligten Seiten gleichermaßen angehört werden.

DSW21: Abstand zu Radfahrern wird ausführlich thematisiert

Beim Arbeitgeber des Busfahrers, Busnetz-Betreiber DSW21, möchte man sich wegen der laufenden Ermittlungen ebenfalls nicht zu Belthles Vorwürfen äußern. Die Pressestelle bestätigt aber: "Wir geben der Polizei selbstverständlich alle angefragten Informationen und unterstützen die Aufklärung, so wie wir es immer tun."

Auf die Nachfrage, wie das Thema Abstand zu Radfahrern behandelt würde, und welche präventiven Maßnahmen es gebe, antwortet die Pressestelle: "Das Thema Abstand zu Radfahrerinnen und Radfahrern, gerade auch an engen Stellen im Straßenraum, wird bei uns in der Ausbildung und fortlaufenden Schulungen explizit und ausführlich thematisiert."

Wehrnot Belthle bleibt optimistisch

Belthle berichtet, er sei berufsbedingt ebenfalls auf das Auto angewiesen. Er wünscht sich aber „für den Innenstadtbereich Tempo 30 und ein Überholverbot, denn das Radfahren muss das primäre Verkehrsmittel sein.“

Als Arbeitgeber - Wehrnot Belthle hat einen Tischlerbetrieb - fördert er die innerbetriebliche Fahrradkultur. "Wir zählen, wie oft wir mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Wer am Ende die meisten Striche auf der Liste hat, gewinnt einen Restaurant-Gutschein." Er bleibt optimistisch, denn "ÖPNV und Radfahren ist doch das Beste, was uns je passiert ist", sagt Belthle.

In eigener Sache: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass im letzten Jahr ein Höchststand an Verkehrsunfällen mit Personenschaden erreicht wurde. Diese Aussage hat sich im Nachgang als falsch herausgestellt.

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