Abstraktes Dortmund: Fotostudent Patrick Zajfert plant Foto-Projekt mit Lochkameras

mlzKunstvolle Analogfotografien

Patrick Zajfert entwickelt mit seinem Vater analoge Fotografien aus selbst gebauten Lochkameras. Nun plant er ein Foto-Projekt in Dortmund, um die Stadt auf neue Art abstrakt darzustellen.

Dortmund

, 17.03.2019, 15:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Dortmunder U ist mittlerweile zum wohl bekanntesten Hotspot für Hobby-Fotografen in Dortmund geworden. Sei es als Hintergrund für ein schnelles Selfie oder als ein Ort, um ein Panorama der Stadt machen.

Wie so vieles in der heutigen Zeit ist auch die Fotografie sehr schnelllebig geworden. Jedoch war die Fotografie einst ein langwieriger Prozess: Ein Fotofilm musste entwickelt werden, bevor man Bilder sehen konnte – und das dauerte Tage.

Eine Lochkamera, „Camera Obscura“, ist eine noch ältere Art, Projektionen auf Bildern, also Fotografien, festzuhalten. Es handelt sich dabei um einen Vorgänger der Film-Kamera, wie man sie kennt.

„Dortmund auf eine neue Art dokumentieren“

Patrick Zajfert (23) möchte nun ein Projekt in Dortmund starten, das nicht so schnelllebig ist. Er will mehrere solcher Lochkameras in Dortmund verteilen, „um die Stadt auf eine neue Art zu dokumentieren“: In Sindelfingen wurden beispielsweise zum 750-jährigen Bestehen der Stadt Zajferts Kameras in der ganzen Stadt aufgehängt und für 750 Tage belichtet.

Dabei seien interessante Bilder der Stadt entstanden, sagt Patrick Zajfert. Ein ähnliches Projekt möchte er gerne in Dortmund durchführen. Dabei wäre natürlich das Dortmunder U ein interessantes Motiv von vielen.

Zeche Gneisenau in Derne, Belichtungszeit unbekannt: „Die Kamera wurde Richtung Osten platziert, erkennbar durch die aufsteigende Sonne (orangener Bereich hinter dem Turm). Die Lichtreflektionen im linken Bereich des Bildes entstanden wahrscheinlich durch ein beschädigtes Loch. Die Lichtstrahlen wurden gebrochen und zeichneten so die dünnen Linien“, erläutert Patrick Zajfert. (No_7468)

Zeche Gneisenau in Derne, Belichtungszeit unbekannt: „Die Kamera wurde Richtung Osten platziert, erkennbar durch die aufsteigende Sonne (orangener Bereich hinter dem Turm). Die Lichtreflektionen im linken Bereich des Bildes entstanden wahrscheinlich durch ein beschädigtes Loch. Die Lichtstrahlen wurden gebrochen und zeichneten so die dünnen Linien“, erläutert Patrick Zajfert. (No_7468) © The 7th Day

Ein Projekt von Vater und Sohn

Das Vater-Sohn-Gespann Przemek (59) und Patrick Zajfert führt gemeinsam „The 7th Day“ durch. Dort verkaufen sie Sets mit selbst gebauten Lochkameras – mit negativem Schwarz-Weiß-Fotopapier präparierte Filmdosen. In dem Set enthalten sind lichtdichte Briefumschläge, um die fertig belichteten Kameras zu Zajferts zurückzuschicken, die das belichtete Fotopapier dann einscannen und archivieren.

Interessierte Leser können sich per E-Mail bei Patrick Zajfert melden, falls sie sich bei dem Projekt beteiligen wollen.

Die Kameras werden vor dem Motiv platziert, welches man aufnehmen möchte. Dann zieht man den Klebestreifen ab und lässt das enthaltene Fotopapier so lange belichten, wie man möchte – aber mindestens sieben Tage, daher auch der Name. Theoretisch könne man das Papier unendlich lang belichten.

„Umso länger man das Bild aufnimmt, umso interessanter wird das Ergebnis“, sagt Patrick Zajfert. Entwickelt werden muss bei dieser Methode übrigens nichts, da das Papier direkt belichtet wird. Zajfert erklärt, dass die Chemikalien, die beim Entwickeln von Film benutzt werden, das Bild zerstören würden.

Thier Galerie Ecke Potgasse / Silberstraße, Belichtungszeit 5 Monate: „Die Kamera wurde Richtung Osten ausgerichtet. Ein Sonnenverlauf ist auf dem Bild nicht sichtbar, da das Gebäude die Sonne von Süden verdeckt. Der unterschiedliche Farbton zwischen Glasfront (Rot/Orange) und Himmel (Blau) kommt durch die Mittagssonne zustande. Da die Aufnahme im Winter gemacht wurde, sieht man keine Reflexionen in der Glasfront. Im Sommer wäre dies durchaus möglich gewesen“, so Patrick Zajfert. (No_10665/2)

Thier Galerie Ecke Potgasse / Silberstraße, Belichtungszeit 5 Monate: „Die Kamera wurde Richtung Osten ausgerichtet. Ein Sonnenverlauf ist auf dem Bild nicht sichtbar, da das Gebäude die Sonne von Süden verdeckt. Der unterschiedliche Farbton zwischen Glasfront (Rot/Orange) und Himmel (Blau) kommt durch die Mittagssonne zustande. Da die Aufnahme im Winter gemacht wurde, sieht man keine Reflexionen in der Glasfront. Im Sommer wäre dies durchaus möglich gewesen“, so Patrick Zajfert. (No_10665/2) © Patrick Zajfert / The 7th Day

Schon über 11.000 dieser Kameras haben Zajferts in die ganze Welt verschickt, und rund 4.000 Kameras zurückbekommen. Auf ihrer Internetseite kann man die entwickelten Bilder sehen – mit klassischer Fotografie haben die Ergebnisse nichts mehr zu tun: Durch unterschiedliche Belichtungszeiten, Lichteinflüsse und Witterungsbedingungen entstehen abstrakte Bilder, die sich jedoch sehen lassen können.

Sohn Patrick übernimmt das Ruder

Patrick Zajfert ist 2017 bei dem Projekt eingestiegen, als sein Vater an Lungenkrebs erkrankte und nicht mehr in der Lage war, die Arbeit alleine weiterzuführen. Der gebürtige Pole Przemek Zajfert hat „The 7th Day“ im Jahr 2012 gegründet, arbeitet aber mit Lochkameras schon seit dem er mit jungen Jahren mit der Fotografie angefangen habe. Früher hat Vater Zajfert seine selbst gebauten Kameras zum Beispiel auf Weihnachtsmärkten verkauft.

Wasserturm Lanstroper Ei, Belichtungszeit 10 Tage: „Die Kamera wurde hier Richtung Westen platziert. Ein abfallender Sonnenverlauf ist zu sehen. Die Unschärfe kommt durch eine Doppelbelichtung zustande. Die Kamera wurde einmal während der Belichtung verschoben. Das sieht man auch gut an der Lücke zwischen den Sonnenspuren“, erklärt Patrick Zajfert. (No_7467)

Wasserturm Lanstroper Ei, Belichtungszeit 10 Tage: „Die Kamera wurde hier Richtung Westen platziert. Ein abfallender Sonnenverlauf ist zu sehen. Die Unschärfe kommt durch eine Doppelbelichtung zustande. Die Kamera wurde einmal während der Belichtung verschoben. Das sieht man auch gut an der Lücke zwischen den Sonnenspuren“, erklärt Patrick Zajfert. (No_7467) © The 7th Day

Während der gelernte Fotolaborant Prezemek Zajfert sich in Stuttgart um den Versand der Teilnahmesets und das Einscannen der Bilder kümmert, übernimmt Patrick Zajfert in Dortmund den organisatorischen Teil der Arbeit, koordiniert die Bestellungen und pflegt die Internet-Auftritte des Projektes. „Durch meinen Vater ist mir die Fotografie einfach in die Wiege gelegt worden“, sagt Patrick Zajfert, der im vergangenen Jahr begonnen hat, an der FH Dortmund Fotografie zu studieren.

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