Einmal Hongkong und zurück: Abzockfalle beim Online-Handel

mlzDortmunder reingefallen

Ein vermeintliches Schnäppchen im Internet hat sich für Marco Beier als Ramschware entpuppt. Und er ist nicht das einzige Opfer so genannter Fake-Shops. Das gilt es zu beachten..

Dortmund

, 24.10.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beim Stöbern im Internet fiel ihm die etwas gefütterte Jacke für den Herbst direkt ins Auge. Sie wurde zudem für einen vermeintlichen Schnäppchenpreis angeboten. Schnell war das schicke Teil auch angeklickt und gleich in zwei Größen bestellt. Marco Beier aus Brackel weiß heute, dass er sich vor dem Bestellklick etwas mehr Zeit hätte nehmen sollen.

„Die Jacke sah auf den Fotos echt gut aus und schien mir für 44,90 Euro recht günstig zu sein. Da mir mal L und mal XL besser passt, habe ich sie in beiden Größen für dann knapp 90 Euro bestellt“, sagt Marco Beier. Was der Krankenpfleger, der in der außerklinischen Intensivpflege arbeitet, dann bekommen hat, beschreibt er so: „Das war billigste China-Ware. Die Jacken haben einen reinen Herstellungswert von vielleicht je drei bis vier Euro. Sie kamen auch nicht in einem Paket bei mir an, sondern waren in eine Tüte eingewickelt. Beide Jacken haben auch nicht gepasst und rochen nach Plastik.“

Bestellt hatte Marco Beier die Jacken bei Terriberri.de. In dem Onlineshop ist warme Herbst- und Winterbekleidung zum kleinen Preis zu bekommen. Mit sogenannten Blitzangeboten werden Kunden in den Webshop gelockt.

Verbraucherzentrale vermutet unseriösen Online-Shop

Die Verbraucherzentrale NRW hat sich, nachdem mehrere Beschwerden bekannt wurden, den Shop genauer angesehen. Sie kommt zu folgendem Ergebnis: „Wir haben den Verdacht, dass es sich hier um einen unseriösen Online-Shop handelt, da sich dieser nicht an deutsche Rechtsnormen hält. Denn aktuell ist vollkommen unbekannt, wer diesen Onlineshop überhaupt betreibt und für terriberri.de verantwortlich ist.“

Marco Beier wollte allerdings die 90 Euro nicht in den Wind schreiben. Er wendete sich an eine Mailadresse von Terriberri.de und erhielt tatsächlich auch eine Antwort, sogar auf Deutsch. „Mir wurde mitgeteilt“, sagt er, „dass der Rückversand nur versichert ginge - und dies auch nur nach Hongkong.“

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Also traten die für ihn untauglichen Jacken per DHL-Versand ihren Weg nach Hongkong an. Dort allerdings wurde die Annahme verweigert und das Paket landete wieder bei Marco Beier in Brackel.

Was tun? Marco Beier suchte Rat bei der Verbraucherzentrale. „Wir mussten aber leider feststellen“, sagt Rafael Lech, Leiter der Beratungsstelle in Dortmund, „dass wir in dem Fall nicht weiter helfen können, da der Anbieter im Ausland seinen Sitz hat. Auch zeigt sich hier, dass solche Unternehmen oftmals am deutschen Zivilrecht vorbei agieren und die dem Verbraucher zustehenden Rechte ignorieren. Eine außergerichtliche Korrespondenz über uns wäre da auch nicht zielführend gewesen.“

Kleingedrucktes nicht gelesen und Lehrgeld gezahlt

Zu guter Letzt hatte Marco Beier etwas Glück im Unglück. Den Kaufpreis von 89,80 Euro erhielt er wieder zurück, auf 41 Euro Versandkosten bleibt er allerdings sitzen. So teuer ist nun das Lehrgeld, das er dafür zahlen muss, „dass ich mir die Allgemeinen Geschäftsbedingungen im Kleingedruckten nicht angesehen habe“.

Seit Jahren kauft Marco Beier regelmäßig online ein. „Es war immer alles in Ordnung. Und wegen Corona, wo man ja noch mehr den Gang in die City scheut, nutze ich deutlich öfter die Online-Shops. Dabei habe ich diesen Anbieter zum ersten Mal genutzt“, so Marco Beier.

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Für die Zukunft empfiehlt der Verbraucherschutz-Experte Rafael Lech ihm und allen anderen, die Internetseiten, auf denen man erstmalig Bestellungen aufgibt, genauestens zu überprüfen. „Dabei sollte auf folgende Punkte geachtet werden: Sitzt das Unternehmen in Deutschland bzw. in der EU? Wer ist im Impressum benannt? Wie kann man die Bestellung zurückschicken? Welche Kosten kommen auf mich zu und wie sind die Erfahrungen Dritter mit der betreffenden Seite?“

Der Reinfall, den Marco Beier erlebte, ist bei Weitem kein Einzelfall. Mit dem boomenden Online-Handel kommen auch immer mehr so genannte „Fake-Shops“ auf den Markt, die sich als Abzockfalle entpuppen.

An einem Tag sieben Anfragen zu Fake-Shops

„Wir haben allein am Dienstag, 20.10., sieben Anfragen von Dortmunder Verbrauchern zum Thema Fake-Shop erhalten“, sagt Rafael Lech. Darunter war auch ein sehr drastischer Fall. Eine Verbraucherin sei auf den Anbieter www.glorzone.store reingefallen und bleibe auf 280 Euro sitzen. „Auch ihr können wir nicht helfen, da auf der Seite keine AGBs oder ein Impressum erkennbar sind und auch keine sonstige Möglichkeit der Kontaktaufnahme besteht“, so Rafael Lech.

Er weiß, dass eine Zielgruppe beim Online-Kauf besonders gefährdet ist: die Schnäppchenjäger. Rafael Lech empfiehlt, nur bei dem Anbieter etwas zu bestellen, dem man auch vertraut. „Wir machen auch durchaus gute Erfahrungen mit den eher kleineren Unternehmen - wenn sie ihren Sitz in Deutschland oder zumindest im europäischen Ausland haben“, so Lech.

Online-Abzocke

Die Verbraucherzentrale berät

  • Wenn eine Klärung von Rücknahme- oder Zahlungsmodalitäten für die Verbraucherzentrale nicht möglich ist, verweisen die Berater an die Schlichtungsstelle der EU oder auch an das Europäische Verbraucherschutzzentrum.
  • Die Verbraucherzentrale arbeitet auch mit der Kriminalprävention der Dortmunder Polizei zusammen. Aktuell wird über eine gemeinsame Aktion zum Thema Abzocke beim Online-Handel nachgedacht.
  • Die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale an der Reinoldistraße 7-9 ist erreichbar unter Tel. (0231) 720 917-0 oder per E-Mail an dortmund@verbraucherzentrale.nrw
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