Adlon-Investor verklagt Signal Iduna auf 536 Millionen Euro

Landgericht Dortmund

Der Investor des Berliner Adlon-Hotels, Anno August Jagdfeld, verklagt die Signal-Iduna-Versicherung auf 536 Millionen Euro Schadenersatz. Jagdfeld wirft ihr rufschädigende Äußerungen im jahrelangen Streit um einen Immobilienfonds zur Finanzierung des Berliner Luxushotels vor. Heute beginnt vor dem Landgericht der Prozess.

DORTMUND

, 15.12.2016, 01:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei der Signal Iduna, hier der Hauptsitz im Bild, geht heute der Blick zum Landgericht Dortmund.

Bei der Signal Iduna, hier der Hauptsitz im Bild, geht heute der Blick zum Landgericht Dortmund.

Im großen Sitzungssaal des Dortmunder Landgerichts dürften am Donnerstag mehr Zuhörer als üblich sitzen: Denn dort verklagt Anno August Jagdfeld (69), Immobilienunternehmer und Investor des wieder aufgebauten Berliner Adlon-Hotels, die Signal-Iduna-Versicherung auf Schadenersatz. Jagdfeld, der selbst vor Gericht erscheinen wird, wirft der Versicherung eine „Rufmordkampagne“ vor. Er fordert 536 Millionen Euro Schadenersatz.

Es handelt sich um eine bereits im Dezember 2014 eingereichte Feststellungsklage: Das Gericht muss zunächst entscheiden, ob die Signal Iduna überhaupt schadenersatzpflichtig ist. Würde das Gericht dies so sehen, so dessen Sprecher Dr. Thomas Jungkamp, ginge es erst in einem weiteren Verfahren um die Schadenshöhe.

Alles dreht sich um den von Jagdfeld verwalteten Adlon-Fonds zur Finanzierung des renommierten Hotels, an dem auch die Signal Iduna mit einem einstelligen Millionenbetrag beteiligt ist. Der Streit entzündete sich 2011, es ging um Geld: Der Fonds schüttete nicht das aus, was die Anleger sich erhofft hatten.

Rufschädigende Äußerungen?

Eine „Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger“, der auch Signal Iduna angehörte, soll in der Folge über Rundschreiben rufschädigende Äußerungen über Jagdfeld verbreitet haben. Diese Äußerungen muss sich nach Ansicht des Klägers die Versicherung mit Hauptsitz in Dortmund und Hamburg zurechnen lassen.

Die Signal Iduna streitet die Vorwürfe ab: „Es gibt keine einzige negative Aussage der Signal Iduna zu Herrn Jagdfeld und seinen Fonds“, sagte zuletzt Signal-Iduna-Sprecher Edzard Bennmann. 2011 gab es auch zwei Strafanzeigen gegen Anno August Jagdfeld wegen Untreue, die zweite davon über einen für die Signal Iduna tätigen Anwalt. Gerichte wiesen die Untreue-Vorwürfe gegen Jagdfeld zurück.

Fonds ging 2012 insolvent

Laut den Anwälten des Immobilienunternehmers sollen dieser und diverse Gesellschaften seiner Jagdfeld-Gruppe (damals noch als Fundus-Gruppe firmierend) durch die „Kampagne“ gegen Jagdfeld große finanzielle Schäden erlitten haben. Beispielsweise durch Probleme, Bankkredite zu erhalten. Ein weiterer Fonds Jagdfelds finanzierte das Grand Hotel Heiligendamm an der Ostseeküste, in dem 2007 das G8-Gipfeltreffen stattfand. Der Fonds ging 2012 insolvent – laut Jagdfelds Anwälten eine Folge der Geschehnisse im Jahr 2011.

Die Kläger sehen eine „juristische Vorlage“ zu ihrem Fall in jenem des Medienkonzerns Kirch gegen die Deutsche Bank. 2002 hatte deren damalige Vorstandsvorsitzender Rolf Breuer in einem Interview die Kreditwürdigkeit des Unternehmens bezweifelt. Wenig später musste der Kirch-Konzern Insolvenz anmelden. Nach Jahren des Rechtsstreits musste die Bank schließlich mehr als 900 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. 

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