Die Sportwelt Dortmund betreibt zahlreiche Dortmunder Bäder. Im Bild: das Volksbad. © Schuetze (Archiv)
Ärger um Badbetreiber

Ärger um die Sportwelt: Stadt Dortmund hält eine Million Euro Zuschuss zurück

Wende im Knatsch beim Badbetreiber Sportwelt Dortmund: Die DLRG hat den Antrag, die Sportwelt-Chefs per Gerichtsbeschluss vor die Tür zu setzen, zurückgezogen. Beendet ist der Ärger aber nicht.

„Da wollte jemand mit dem Kopf durch die Wand.“ Jörg Husemann, nebenamtlicher Geschäftsführer des Badbetreibers Sportwelt Dortmund, fühlt sich bestätigt. Er und sein Mitstreiter Rolf Makowka, ebenfalls nebenamtlichter Chef der Sportwelt, bleiben an der Spitze des rund 60 Mitarbeiter starken Badbetreibers. Vorläufig.

Die DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft), einer der drei Sportwelt-Gesellschafter, wollte am Mittwoch (6.10.) vor dem Landgericht die Abberufung beider Sportwelt-Chefs erreichen. Als Grund hatte der DLRG-Bezirk Dortmund angeführt, man habe den Verdacht, der Badbetreiber befinde sich in finanzieller Schieflage und könne auf eine Insolvenz zusteuern. Doch kurz vor dem Treffen im Gerichtssaal zog die DLRG ihren Antrag auf einstweilige Verfügung überraschend zurück.

„Der Eilantrag hätte wohl keine Chance gehabt“, räumt DLRG-Bezirksleiter Stefan Raetsch auf Anfrage ein. Da die Löhne und Gehälter für September inzwischen überwiesen seien, habe sich der Verdacht auf finanzielle Probleme nicht bestätigt. Zudem habe man die Stellungnahme des Sportwelt-Anwalts erhalten, so Raetsch. „Darin wird die finanzielle Lage als solide dargestellt“, sagt Raetsch. „Deshalb haben wir unseren Antrag kurzfristig zurückgezogen.“

DLRG: „Bekommen nur unzureichende Antworten“

Alles in Butter also? Alles nur ein Missverständnis? Mitnichten. „Wir werden nachhaken“, kündigt Raetsch an – und macht deutlich, dass der Knatsch keineswegs beerdigt ist. Nach wie vor bekomme die DLRG nicht den gewünschten und vollständigen Überblick in verschiedene Unterlagen, kritisiert Raetsch.

„Es gibt einen gewissen Informationsstau“, moniert der DLRG-Bezirksleiter. „Wir stellen Fragen, bekommen aber oft nur unzureichende Antworten.“ Zudem werde die DLRG weiter darauf drängen, die Aufgaben der beiden „Nebenamtlichen“ in die Hände eines hauptamtlichen Geschäftsführers bei der Sportwelt Dortmund zu legen. „Wir halten daran fest“, sagt Raetsch.

Doch an genau dieser Stelle wartet die nächste Klippe. „Wir wehren uns keineswegs gegen einen Hauptamtlichen“, kontert Sportswelt-Geschäftsführer Husemann. Es gebe bereits einen Entwurf für die Stellenausschreibung. Wer sich für den Job interessiere, müsse eine betriebswirtschaftliche Ausbildung haben und über Fachkenntnisse im Bäderwesen verfügen.

Sportwelt: „DLRG will eigenen Kandidaten durchsetzen“

Problem: Die DLRG sei mit dem Text nicht einverstanden und blockiere die Ausschreibung, sagt Husemann. „Der DLRG ist wohl daran gelegen, einen Kandidaten bzw. eine Kandidatin ihres Vertrauens an die Spitze zu setzen“, vermutet Husemann. Es gehe um Macht und Einfluss.

Schließlich habe die DLRG bereits in der Vergangenheit versucht, eigene Leute in der Geschäftsführung zu installieren, so Husemann. Damit aber sei die DLRG bei den beiden weiteren Gesellschaftern abgeblitzt. Die beiden weiteren Gesellschafter sind die Grüne Schule (ein Bildungsinstitut in Bochum) sowie der Dortmunder Kreisverband Schwimmen. Insgesamt also drei Gesellschafter, die offenkundig wenig harmonieren – aber alle die gleichen Anteile halten.

Dass zudem alle Beschlüsse stets einstimmig gefasst werden müssen, macht die Sache nicht leichter. Sportwelt-Chef Jörg Husemann gilt als Vertreter der Dortmunder Schwimmvereine – sein Pendant Rolf Makowka als Vertreter der Grünen Schule in Bochum, deren Geschäftsführer er gleichzeitig ist.

Sportwelt wartet auf rund eine Million Euro von der Stadt

Obschon die Sportwelt insgesamt acht städtische Frei- und Hallenbäder betreibt, ist die Stadt Dortmund an der Gesellschaft nicht beteiligt. Trotzdem haben die städtischen Sport- und Freizeitbetriebe ebenfalls Karten im Spiel: Neben Geld für die Investitionen in den Bädern (etwa im Hallenbad Hombruch) überweist die Stadt pro Jahr 2,5 Millionen Euro Betriebskostenzuschuss.

Offenbar aber mangelt es auch den Sport- und Freizeitbetrieben an Einblick in bestimmte Unterlagen: Wie zu erfahren war, hat die Stadt die Auszahlung des Betriebskostenzuschusses teilweise auf Eis gelegt. Dabei soll es um rund eine Million Euro gehen. Die Summe soll erst überwiesen werden, wenn die Sportwelt einen vom Wirtschaftsprüfer unterzeichneten Jahresabschluss für 2020 vorlegt, heißt es. Was überlichweise bis Ende Juni hätte geschehen müssen.

Die Zerwürfnisse zwischen den Akteuren sind so tief, dass bereits ein Mediator eingeschaltet worden ist. Nachdem CDU-Fraktionsvize Sascha Mader entnervt hingeworfen hat, versucht sich nun Bürgermeister Norbert Schilff. Der ist durch den Vorstoß der DLRG beim Landgericht böse überrascht worden.

Bürgermeister Norbert Schilff soll die Gräben zuschütten

Er habe davon nur durch Zufall erfahren, sagt Schilff auf Anfrage. Und reagiert entsprechend sauer: „Wenn man sich in einem Mediationsverfahren befindet, ist ein solches Vorgehen überflüssig und schädlich“, findet Schilff deutliche Worte an die DLRG-Akteure.

Er werde sich dafür starkmachen, dass die Stelle für einen hauptamtlichen Geschäftsführer so schnell wie möglich ausgeschrieben werde. Und: Die Sportwelt Dortmund soll einen Beirat erhalten. Er soll sich aus Ratsvertretern und Gesandten der Sportverwaltung zusammensetzen. „Die Stadt muss unbedingt mehr Einblick bekommen“, sagt Schilff.

Die privat organisierte und gemeinnützige Gesellschaft betreibt die Hallenbäder in Hombruch, Lütgendortmund, Brackel und Mengede sowie die Freibäder Froschloch, Volkspark, Hardenberg und Wellinghofen.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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