Dortmunder rettet 77-Jähriger das Leben – Heute ist er bei „Aktenzeichen XY“ zu sehen

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Wo andere wegsehen, hat Karsten Weisgut (39) eingegriffen und so das Leben einer Frau gerettet. Dass dieses selbstlose Handeln mit einer Ehrung endet, hätte er selbst nie gedacht.

von Franka Doliner

Dortmund

, 11.12.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Handeln oder stehen bleiben? Für einen 39-jährigen Dortmunder war letzteres keine Option, als er letztes Jahr im Oktober Zeuge eines Verbrechens wurde und in einer gefährlichen Situation einen kühlen Kopf bewahrte. Damit rettete er vermutlich das Leben einer 77 Jahre alten Frau. Sein Name: Karsten Weisgut.

Nach einer Fortbildung ist der Dortmunder auf dem Heimweg, als ihm an der S-Bahn-Station Dortmund-West ein Mann auffällt: „Er kam mir suspekt vor, ich habe mir aber erstmal nichts weiter dabei gedacht“, erinnert sich Weisgut.

Der 39-Jährige handelt am Bahnsteig sofort

Als der Mann am Bahnsteig dann wie aus dem Nichts auf eine Passantin einschlägt und unkontrolliert auf die Frau eintritt, handelt der 39-Jährige sofort. Durch Rufe macht Weisgut andere auf die Situation aufmerksam, schreit den Täter an und rennt los. Es gelingt ihm, den Mann zu Boden zu bringen.

Weisgut nutzt die gewonnene Zeit und hilft der älteren Dame aufzustehen. Der Schläger ist kurze Zeit später zurück auf den Beinen. „Mein erster Blick ging auf seine Hände“, erinnert sich der 39-Jährige. Der Täter hat keine Waffe, und auch sonst scheint er abwesend zu sein, geht sogar teilnahmslos weg.

Weisgut führt die Frau weg vom Bahnsteig und beruhigt sie, warnt sogar noch eine Gruppe Schüler, die auf die Bahnstation zuläuft. Eine junge Frau eilt zur Hilfe. Sie hat die Szenerie beobachtet und die Polizei informiert. Der Täter – ein psychisch kranker Mann – wird später in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen.

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Auf einmal fand sich Weisgut in einer Situation wieder, in der es um Leben und Tod ging. „Du funktionierst in dem Moment nur“, erinnert sich der Leiter mehrerer Kindertagesstätten an diesen Tag zurück: „Darüber, was noch hätte passieren können, habe ich erst im Nachhinein nachgedacht.“ Das Wichtigste sei, dass es dem 77 Jahre alten Opfer den Umständen entsprechend gut gehe.

Die Frau war es auch, die ihren Retter bei der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ für den Zivilcourage-Preis vorgeschlagen hatte. „Als sie mir davon am Telefon erzählt hat, da habe ich gelacht“, schmunzelt Weisgut. Anschließend habe er erst einmal gegoogelt, was das denn für ein Preis ist.

Die Szene wurde in München nachgestellt

Im Oktober dieses Jahres klingelte dann das Telefon. Karsten Weisgut ist einer von vier Preisträgern. In einer Extremsituation hat er viele kluge Entscheidungen getroffen, lautet die Begründung der Jury. „Da kommt jetzt einiges auf Sie zu“, heißt es noch im Telefonat. Dass eine solche Ehrung zeitaufwendig ist, kann der glückliche Preisträger nur bestätigen.

Zuerst stand ein Filmdreh in München an. Für die Sendung wurde die Szene nachgestellt. Dabei spielte sich Weisgut selbst. „Filme machen heißt warten“, weiß Weisgut nach seinem kurzen Abstecher in die Medienwelt. Das Endergebnis hat nicht nur ihm gefallen. Innerhalb kürzester Zeit sei das Video von mehreren Hunderttausend Menschen auf Facebook angeschaut worden: „Der Film ist klasse geworden, und ich habe so viele Nachrichten bekommen, wie toll das ist.“

Am 20. November ging es für den couragierten Helfer nach Berlin, wo Bundesinnenminister Horst Seehofer den Preis überreichte. „Das war eine richtig große Veranstaltung“, erzählt Weisgut danach: „Ich hatte mir das kleiner vorgestellt.“

Am Mittwoch (11.12.) steht für Weisgut dann der letzte große Auftritt an, in München, bei der Live-Ausstrahlung von Aktenzeichen XY. Rückblickend sagt der Dortmunder: „Es ist wichtig, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Zivilcourage wichtig ist.“ Auch in Zukunft würde Weisgut jederzeit helfen: „Für mich ist das die ganze Zeit selbstverständlich gewesen.“

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