Alle Parkplätze in Innenstadt-Vierteln abschaffen – Architekt macht radikalen Vorschlag

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Sollen die Parkplätze von der Saarlandstraße und aus anderen Innenstadtvierteln verschwinden und Anwohner ihre Wagen in Quartiersgaragen abstellen? Der Vorschlag eines Architekten hat Haken.

Dortmund, Saarlandstraßenviertel

, 02.03.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Während die städtischen Planer und Tiefbauer noch überlegen, wie sich die Saarlandstraße nach Abschluss der Bauarbeiten präsentieren soll, meldet sich der Dortmunder Architekt Norbert Post zu Wort. In einem Schreiben an die Bezirksvertreter und die Verwaltung wagt Post einen radikalen Vorstoß.

Er schlägt vor, alle öffentlichen Parkplätze für Autos vor allem in der Saarlandstraße abzuschaffen. „Stellplätze für private Pkw gehören bis auf wenige Ausnahmen grundsätzlich nicht in den öffentlichen Straßenraum“, so Post. „Schon gar nicht in die funktionale und gestalterische Mitte eines Quartiers.“

Seine Empfehlung: Politik und Verwaltung sollen Investoren für den Bau von Quartiersgaragen begeistern. Die wenigen Stellplätze, die dann noch im öffentlichen Raum zurückblieben, „dürften nicht preiswerter zu nutzen sein als Stellplätze in Quartiersgaragen oder Parkhäusern“.

So lange das bequeme und dauerhafte Abstellen von privaten Autos auf Gehwegen und Straßen billiger sei, werde man "keinen Quadratmeter beispielsweise für Geh- und Radwege zurückgewinnen“, schreibt Post.

"Wir brauchen Masterpläne für den ruhenden Verkehr"

Ein Modell, das er auch für das Kreuz-, das Klinik- und das Kaiserstraßenviertel und rund um die Hainallee empfiehlt. „Wir brauchen in allen dicht besiedelten Wohnquartieren Masterpläne für den ruhenden Verkehr.“

Bei Birgitta Wenger-Klein läuft Architekt Post offene Türen ein - zumindest, was den Bau von Quartiersgaragen betrifft. „Wir plädieren seit Jahr und Tag dafür“, sagt die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Saarlandstraßenviertel. „Aber jetzt ist es fast schon zu spät“, so Wenger-Klein mit Blick auf den Tiefbunker an der Ruhrallee, auf dem nun ein Wohnkomplex entstehen soll. „Das wäre ein idealer Standort gewesen.“

Ganz gleich, ob Verbotsschilder oder Markierungen: Auch in den Seitenstraßen der Saarlandstraße ist beinahe jeder Quadratmeter zugestellt.

Ganz gleich, ob Verbotsschilder oder Markierungen: Auch in den Seitenstraßen der Saarlandstraße ist beinahe jeder Quadratmeter zugestellt. © Beushausen

Udo Dammer, Bezirksbürgermeister in der östlichen Innenstadt, sagt, er halte die Idee zum Bau von Quartiersgaragen „im Grundsatz für nicht verkehrt.“ Zuvor gebe es aber etliche Fragen zu klären. Das Saarlandstraßenviertel sei hochverdichtet und verfüge kaum noch über Freiflächen. „Wo soll also gebaut werden?“, fragt Dammer.

Quartiersgaragen: Preise sind für Bürger ein Knackpunkt

Zudem sei unklar, welchen Einzugsbereich eine solche Stellplatzanlage haben solle. „Ich weiß nicht, welchen Fußmarsch die Anwohner dafür in Kauf nehmen würden.“ Und ein Investor lasse sich nur finden, wenn ein solches Parkhaus wirtschaftlich betrieben werden könne, gibt Dammer zu bedenken. „Der Knackpunkt ist doch: Wie viel Geld sind die Bürger bereit, für einen solchen Stellplatz auszugeben?“

Offenbar nicht sehr viel, zieht man ältere Umfragen der Stadtverwaltung zurate. Beispielsweise 2005. Damals ging es um den Bau einer Tiefgarage unterhalb des Brüderwegs. Befragt, wie viel Geld Anwohner für einen Parkplatz locker machen würden, endete die Zahlungsbereitschaft für die meisten Bürger bei rund 30 Euro monatlich. Ähnlich ernüchternde Ergebnisse hatte es bereits 2004 bei einer Umfrage im Kronprinzenviertel gegeben.

Ein Viertel der Befragten war immerhin noch bereit, 50 Euro für einen Pkw-Stellplatz auszugeben. Dabei hatten Investoren und Betreiber schon damals deutlich gemacht: 70 Euro im Monat müssten es schon sein, um eine solche Anlage kostendeckend zu fahren.

Inzwischen dürften die Preise eher zwischen 80 und 100 Euro liegen, schätzt die Verwaltung. Konsequenz: Zum Beispiel eine Quartiersgarage am Brüderweg wurde nie gebaut.

Stadt bräuchte mehr Personal für Kontrollen

Wenger-Klein, erste Stimme der Geschäftsleute im Saarlandstraßenviertel, lässt das so nicht gelten. Die Umfragen seien alt. „Ich glaube, dass viele Anwohner heutzutage sehr wohl bereit wären, etwas mehr zu bezahlen.“ Von daher sei es sinnvoll, eine neue Umfrage zu starten. „Am besten hier im Saarlandstraßenviertel.“

Nach Abschluss der Bauarbeiten und der Neugestaltung der Saarlandstraße soll es besser werden. Doch der Parkdruck für die Anwohner im Viertel dürfte bleiben.

Nach Abschluss der Bauarbeiten und der Neugestaltung der Saarlandstraße soll es besser werden. Doch der Parkdruck für die Anwohner im Viertel dürfte bleiben. © Beushausen

In der Verwaltung kommt das vorläufig nicht auf die Tagesordnung. Im Gegenteil: Auf Anfrage werden eine Menge weiterer Probleme aufgelistet. Damit Quartiersgaragen funktionieren, "müssen alle öffentlichen Parkplätze im Umfeld zwingend lückenlos bewirtschaftet werden“, stellt Verwaltungssprecher Christian Schön klar.

Soll heißen: Jeder Anwohner, der seinen Wagen weiter draußen abstellt, müsste dafür zahlen. Mit einem grünen Anwohnerausweis für 30,70 Euro/Jahr wäre es wohl nicht mehr getan. Auch nicht mit einer Parkscheibe.

Es kommt hinzu: Die Stadt bräuchte für die Kontrollen deutlich mehr Personal. „Die Einhaltung der Regeln müsste unbedingt in einem engen Takt überwacht werden“, sagt Schön. „Mindestens einmal täglich, auch nachts.“ Denn kein Mensch laufe mehrere hundert Meter zu einer teuren Quartiersgarage, wenn er umgekehrt vor der Haustür kostenlos parken könne.

Continentale als künftiger Standort für ein Parkhaus?

Für eine solche Parkraumpolitik bedürfe es neben einer angemessen Zahl an Überwachungskräften auch „einer politischen Zustimmung.“ Und was das Saarlandstraßenviertel betreffe, sei der Verwaltung kein geeignetes Grundstück bekannt, auf dem eine Quartiersgarage gebaut werden könne.

Oder vielleicht doch? Geschäftsfrau Birgitta Wenger-Klein hätte da eine weitere Idee: Voraussichtlich 2024 räumt die Continentale-Versicherung ihren Standort an der Ruhrallee und zieht zur Stadtkrone Ost. Die Folgenutzung für die Flächen ist zwar unklar. „Es wäre aber schön, wenn die Stadt das zumindest prüfen würde“, sagt Wenger-Klein.

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