Alte Sauerorgel aus Dorstfeld wird in Gronau wieder zusammengebaut

mlzEvangelische Kirche Dorstfeld

Mit dem Umbau der Evangelischen Kirche Dorstfeld zur Eventkirche endete auch die Ära der Sauerorgel. Sie wurde damals ausgebaut. Doch was ist aus dem wertvollen Instrument geworden?

Dorstfeld

, 22.02.2019, 11:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dr. Tamás Szöcs ist immer noch begeistert. „Wenn er über die Dorstfelder Orgel spricht, klingt er wie ein Schatzsucher, der im Wrack eines gesunkenen Schiffes uralte Goldmünzen entdeckt hat“, formulierte es RN-Redakteurin Sarah Bornemann im Februar 2017 treffend, als sie Szöcs beim Ausbau der Orgel in Dorstfeld kennenlernte. Zwei Jahre später ist seine Begeisterung eher noch gewachsen.

Das Wertvollste überhaupt

„Nach dem Ausbau der Orgel kam das Instrument in verschiedene Werkstätten zur Restaurierung“, berichtet der Kantor der evangelischen Kirchengemeinde in Gronau, der aus Siebenbürgen in Rumänien stammt, und seit 2005 Kantor im westfälischen Gronau ist. Und auch zwei Jahre nach dem Ausbau sagt der 44-Jährige: „Für uns ist die Orgel das Wertvollste überhaupt.“ Und er hat auch die Instandsetzung des Instruments hautnah begleitet.

„Die Hauptteile der Orgel wie Pfeifen, Windladen, Windanlage oder Ständerwerk sind damals nach Frankfurt/Oder in die Orgelwerkstatt Scheffler gebracht worden. Die Rosette wird in der Glasmalerei Peters in Paderborn restauriert und die Gehäuseteile werden in einer Gronauer Schreinerei gereinigt und aufbereitet.“

Arbeiten bald beendet

Die Restaurierung in der Orgelwerkstatt Scheffler ist zwischenzeitlich so gut wie abgeschlossen. „Im vergangenen Sommer habe ich ein fünfwöchiges Praktikum in der Orgelwerkstatt absolviert und die Restaurierungsarbeiten begleitet“, berichtet er.

Die Arbeiten werden nach strengen denkmalrechtlichen Auflagen ausgeführt. In der Orgelwerkstatt Scheffler hat im vergangenen Jahr bereits ein Treffen mehrerer Orgelsachverständigen stattgefunden. Auch die Aufbereitung der Gehäuseteile geschieht unter der Aufsicht der Gronauer Denkmalbehörde und des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe.

Die neue Heimat des Instrumentes, die Evangelische Stadtkirche Gronau wurde ebenfalls auf den Einzug des Instruments vorbereitet. „Im vergangen Sommer wurde die Westempore erweitert und statisch verstärkt um das ca. 13 Tonnen schwere Instrument empfangen zu können“, so Dr. Szöcs.

Umfangreicher Umbau

Damit nicht genug: Auch die Erneuerung der Stromleitungen und der Beschallungsanlage sowie der Einbau einer Lüftungsanlage, die für die Orgel und die Holzeinrichtung die nötigen klimatischen Verhältnisse herstellen soll, werden momentan durchgeführt. „Da diese Arbeiten alle staubintensiv sind, wird man mit dem Einbau der Sauer-Orgel in Gronau erst im Herbst 2019 beginnen“, kündigt der Kantor an.

Ein Termin, der auch in Dorstfeld bereits in einigen Kalendern stehen dürfte. Denn der Männergesangsverein (MGV) Dorstfeld, der in der Evangelischen Kirche an der Hochstraße viele Konzerte gegeben hat, will es sich nicht nehmen lassen, dabei zu sein, wenn das prächtige Instrument in Gronau erstmals nach seinem Ausbau in Dorstfeld wieder erklingt.

MGV will zur Premiere

„Wir freuen uns darauf“, berichtet Rolf Weiershaus, Pressesprecher des MGV auf Anfrage dieser Redaktion. „Unser Sangesbruder Paul-Gerhard Suchhardt steht im engen Kontakt mit Gronau.“ Gern würde der MGV auch bei der Premiere der Orgel aktiv dabei sein. „Vielleicht“, so Rolf Weirshaus können wir das mit einer kleinen Konzertreise verbinden.“

Die wäre ein kleiner Trost. Denn der Verlust des Instruments schmerzt immer noch alle Sänger“, verrät der Sprecher des Männergesangvereins. Ebenso wie der Verlust der Kirche an der Dorstfelder Hochstraße, wo der MGV liebend gern noch einmal singen würde.

Lange Verhandlungen im Vorfeld

Dem Umzug der Sauer-Orgel gingen lange Verhandlungen voraus, in die neben der Evangelische Landeskirche von Westfalen auch die Denkmalbehörde Dortmund und der der Landschaftverband Westfalen-Lippe beteiligt waren.

Für die Dauer des Umzugs und der Restaurierung hat die Orgel übrigens den Status eines beweglichen Denkmals erhalten.

Die Sauer-Orgel ist rund 13 Tonnen schwer und hat mehr als 2000 Pfeifen aus Metall und Holz von der Länge zwischen einem Zentimeter und fünf Metern. Vor ihrem Umzug war das Instrument 114 Jahren nicht bewegt worden.

Über 1300 Spender

Zu der Finanzierung des Gronauer Orgelprojektes tragen über 1300 Spenderinnen und Spender bei. Die weiteren Kosten tragen die Evangelische Landeskirche von Westfalen, der Evangelische Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken, die Evangelische Gemeinde Gronau, die Stiftung Orgelklang der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie der Bund mit 164.000 Euro.

Doch diese Kosten aufzubringen lohnt sich: Das Instrument gilt Experten als die wertvollste historische Sauer-Orgel, die es noch in dieser Größenordnung in Westdeutschland gibt.

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