Altersruhesitz mit Vollpension: Das sind die sechs Methusalems im Dortmunder Zoo

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Andenkondor, Anakonda und Ameisenbär – sie gehören zu den Senioren im Dortmunder Zoo. Wie Menschen werden auch immer mehr Zootiere hochbetagt - mit den entsprechenden Wehwehchen.

Dortmund

, 01.02.2019, 04:20 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die ältesten Tiere im Dortmunder Zoo sind das Empfangskomitee. Gleich hinter dem Eingang stelzen sie in Pink durch den großen Teich und pflegen ihr Gefieder: die Flamingos. Elf der Chileflamingos kamen 1970 zum Dortmunder Zoo. Ob noch alle leben, weiß man nicht. In der Gruppe fallen sie nicht auf. Im Berliner Zoo zum Beispiel ist Flamingo Ingo das älteste Tier. Er zählt bereits 71 Lenze.

Altersruhesitz mit Vollpension: Das sind die sechs Methusalems im Dortmunder Zoo

Unter den Flamingos sind einige, die 1970 zum Dortmunder Zoo gekommen sind. © Oliver Schaper

Tierische Senioren sind ein Phänomen, das mit der geschützten Haltung von Wildtieren in menschlicher Obhut entstanden ist. „Meistens sterben die Tiere in freier Wildbahn eher“, sagt Biologe Markus Patschke, rechte Hand von Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter.

In freier Natur werden Tiere meist nicht so alt

In freier Wildbahn werden Tiere in der Regel nicht so alt, dass sie an Krebs oder Arthrose erkranken; denn kranke und altersschwache Tiere sind leichte Beute für Raubtiere. „Sie werden gefressen oder verhungern, weil sie keine Beute mehr fangen können, oder verdursten“, sagt Patschke. Im Zoo hingegen haben sie einen Altersruhesitz mit Vollpension, medizinischer Versorgung und Mangel an Räubern. Laut Experten leben Tiere im Zoo im Schnitt ein Drittel länger als in der Wildbahn.

Auch Breitmaulnashorn Natala wäre wegen ihrer Zahnprobleme verhungert, wenn sie in freier Natur leben würde, mutmaßt Patschke. Der weibliche Koloss ist 49 Jahre alt, wird in diesem Jahr 50 und gehört zu den fünf ältesten Nashörnern in Europa.

Altersruhesitz mit Vollpension: Das sind die sechs Methusalems im Dortmunder Zoo

Bei schlechtem Wetter bleibt Natala lieber im Stall und macht es sich im Heu bequem. © Oliver Schaper

Im Nationalpark in Südafrika geboren

Natala stammt aus Zeiten, in denen man spätere Zootiere noch aus der freien Wildbahn entnommen hat. Sie wurde wahrscheinlich 1969 in Südafrika im Hluhluwe-iMfolozi-Park, dem ältesten Nationalpark Afrikas, geboren und kam über viele verschiedene Stationen in anderen Zoos im Jahr 2006 nach Dortmund, wo sie die Nashorngruppe verstärken und ihren Lebensabend verbringen sollte. Natala hat insgesamt fünf Kälber bekommen.

Altersbedingt hat Natala schon einige Backenzähne verloren. „Die Mahlzähne sind schon so heruntergeraspelt, dass sie das Gras nicht mehr zerkaut bekommt und nicht mehr verdauen kann“, erläutert der Zoo-Biologe. Deshalb bekommt sie als Zusatzfutter Pferdemüsli. Sie braucht deutlich länger fürs Fressen als die drei jungen Nashörner Amari, Jasira und Shakina. Bei schlechtem Wetter bleibt Natala lieber gleich im Stall im Heu liegen, verzichtet dafür sogar auf die Grasfütterung, berichtet ihre Tierpflegerin Melissa Engelke.

Angst vor der Schlammkuhle

Auch die Gelenkigkeit, sofern man bei Nashörnern davon reden kann, hat bei Natala nachgelassen. Sie mag sich nicht mehr in die Schlammkuhle legen aus Angst, dass sie nicht mehr rauskommt. Patschke: „Tierpfleger müssen sie mit Schlamm einreiben, das ist wichtig für die Erneuerung der Haut.“ Außerdem geht Natala gern unter eine Rotlicht-Lampe und eine UV-Anlage.

Natala ist im Gegensatz zu anderen Nashörnern sehr reinlich und erledigt ihr großes Geschäft nicht gern im Innenstall. Deshalb muss sie, wenn die Nashörner nachts keinen Zugang zur Außenanlage haben, weil es zum Beispiel zu kalt ist, morgens immer dringend „aufs Klo“. Den Toilettengang erledigt sie dann draußen, sobald die Tierpfleger sie rausgelassen haben. Übrigens, Nashörner haben dort tatsächlich einen festen Toilettenplatz.

Nashorn-Oma Natala ist der Chef im Gehege

Auch wenn sie alt ist, hat Natala noch immer Temperament. Sie ist die Chefin im Ring. Sie versteht sich nicht gut mit dem jungen Bullen Amari, hat ihn immer wieder in die Schranken gewiesen und ist nun von ihm getrennt. Natala ist gut von den jungen Nashörnern zu unterscheiden: Sie ist altersbedingt etwas dünner und hat einen etwas eingefallenen Rücken. „Natala ist extrem zutraulich und holt sich von den Tierpflegern ihre Streicheleinheiten, hebt sogar das Bein, um sich die Leiste kraulen zu lassen“, erzählt der Zoo-Biologe.

Das älteste bekannte Zoonashorn wurde 54 Jahre alt, in freier Wildbahn werden diese Dickhäuter höchstens 45 Jahre. „Das sind aber alles nur Schätzungen“, betont Markus Patschke. Ein Jahr älter als Natala ist Nashornbulle Snoopy, der aus dem Zoo Dortmund zum Zoo-Safari-Park Stutenbrock gezogen ist.

Aus einer anderen Zoo-Zeit

Zoolotse Marcel Stawinoga sagt: „Aus heutiger Sicht stammt Natala aus einer anderen Zoo-Zeit, die heute unvorstellbar ist. Sie ist eine der letzten lebenden Zoo-Tiere, die die Blütezeit des Tierhandels noch miterlebt haben, auf die heute eher skeptisch und verständnislos zurückgeblickt wird.“ Auch das Selbstverständnis der Zoos habe sich seitdem stark gewandelt. Stawinoga: „Verstehen Zoos sich doch heute als Artenschutzeinrichtungen, die auch zahlreiche Tiere und Tierarten wieder zurück in die Wildnis gebracht haben.“

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Andenkondor Konrad bringt es auf 41 Jahre. © Oliver Schaper

41 Jahre alt ist auch schon Andenkondor Konrad, der mit seiner zehn Jahren jüngeren Partnerin Konny im Gehege unweit der Flamingos hoch oben auf den Ästen thront. Im Dortmund hat er erst einen geringen Teil seines langen Vogellebens verbracht. Er kam im Oktober 2015 aus Wuppertal. Mit einer Spannbreite von 3,20 Metern ist der Andenkondor der größte flugfähige Vogel der Welt.

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Saruskranich Elfriede ist 31 Jahre alt. © Marcel Stawinoga

Saruskranich Elfriede

Ein ebenfalls richtig alter Vogel ist Saruskranich Elfriede. Die Kranich-Henne wird dieses Jahr 32 Jahre alt. Sie ist auf der Australien-Wiese zu Hause, die sie sich mit Roten Riesenkängurus und einem Weißstorch teilt. Aber wie die Flamingos ist Elfriede aktuell im Winterquartier untergebracht. Ihr Partner ist vor einem Jahr gestorben. Der Saruskranich gilt als größter Kranich der Welt und kann bis zu 1,80 Meter groß werden.

Das älteste Reptil im Dortmunder Zoo ist die Grüne Anakonda Schnüffel, eine Riesenschlange. Schnüffel ist ein Er, 1988 geboren, nicht geschlüpft, weil – anders als die meisten Schlangen – Anakondas lebend gebären. Seit Juli 1992 ist Schnüffel im Zoo Dortmund, lebte aber vorübergehend in Bremerhaven und kam im Jahr 2000 wieder zurück. Wie alt Schnüffel noch werden kann, weiß man nicht. „Man kann nur vermuten, dass diese Tiere 80 Jahre alt werden können. Es gab einen Königspython im Londoner Zoo, der wurde 79 Jahre alt“, sagt Markus Patschke.

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Das sind die ältesten Tiere im Dortmunder Zoo

Anakonda Schnüffel liegt am liebsten auf der Lampe

Anakondas sind die schwersten Schlangen, die Weibchen können bis zu 8 Meter lang und 100 Kilo schwer werden. Die Männchen sind mit zwei bis drei Meter wesentlich leichter. „Schlangen sind nicht die hellsten Kerzen auf der Torte“, weiß Reptilien-Experte Patschke, „Krokodile sind viel klüger.“ Ab und zu badet Schnüffel im Wasserbecken im Amazonas-Haus, liegt aber am liebsten ganz oben auf der lang gezogenen Lampe.

Ameisenbärin Sandra ist mit 24 Jahren das älteste Ameisenbärenweibchen in Europa und vermutlich in der Welt. Sie ist im Dortmunder Zoo geboren und immer hier geblieben. Den Altersrekord hält mit 30 Jahren die inzwischen gestorbene Ameisenbärin Rosi – ein Wildfang – aus dem Zoo Krefeld.

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Ameisenbärin Sandra ist mit 24 Jahren aktuell die älteste Vertreterin ihrer Gattung in Europa und möglicherweise in der Welt. © Oliver Schaper

Ameisenbärin Sandra ist schon kahl am Rücken

Artgenossin Sandra hat rund zehn Kinder bekommen und ist schon ziemlich kahl am Rücken, dort, wo sich die Jungen festgekrallt haben. Paaren muss sich Sandra heute nicht mehr, kuschelt aber gern mit Tapir Kuni, der auch schon 24 Jahre alt und ein Methusalem ist.

Laut Tierpfleger Andre Läpke liebt Sandra Joghurt und Avocados. Da das Futter für die zu schweren Ameisenbären umgestellt wurde, hat sie zwölf Kilogramm abgenommen und jetzt eine Mannequin-Figur. „Sie ist auch bereits ein bisschen senil beim Essen“, sagt ihr Tierpfleger, „manchmal muss man sie daran erinnern.“

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