Altes Fachwerkhaus in Derne vor Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

mlzAltengerechte Wohnungen entstehen

Altengerechte Wohnungen mit Reha- und Physioeinrichtungen könnten an der Dionysiusstraße 8 entstehen – und zwar in einem denkmalgeschützten Gebäude mit langer Geschichte.

Derne

, 03.02.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Dionysiusstraße, einer kleinen Straße, die die Altenderner Straße mit der Oberbeckerstraße verbindet, liegt ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus seit vielen Jahren im Dornröschenschlaf. Es handelt sich dabei um den Humanns-Hof, der später auch Schulte-Tigges-Hof hieß und von Helmut Zajonz aufwendig renoviert worden ist.

Wie Peter Szymkowiak vom SPD-Ortsverein Derne mitteilt, ergebe sich eine positive Entwicklung für das Gebäude. Einer Mitteilung von Oberbürgermeister Ullrich Sierau an den SPD-Stadtbezirksvorsitzenden Lars Wedekin sei zu entnehmen, dass das Gebäude aus dem Besitz der Harpen AG mittlerweile an eine Projektentwicklungsgesellschaft übergegangen sei.

Erste Gespräche

„Dringend benötigter altersgerechter Wohnraum soll, in Kombination mit Reha- und Physioeinrichtungen, dort errichtet werden“, so die SPD weiter. Um eine Wirtschaftlichkeit zu erzielen, soll neben der denkmalgerechten Sanierung des Fachwerkhauses eine Zusatzbebauung möglich werden. Erste Gespräche hierzu haben mit dem Eigentümer und dem planenden Architekturbüro stattgefunden, so OB Sierau in seinem Schreiben.

Altes Fachwerkhaus in Derne vor Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

Eine Tafel zeigt‘s an: Helmut Zajonz hat das Haus aufwendig saniert. © Andreas Schröter

Der SPD-Ortsverein Derne begrüßt diese Weiterentwicklung ausdrücklich und freut sich über den Einsatz der Verwaltung und der Stadtspitze. „Zu hoffen bleibt,“, so Peter Szymkowiak, „dass sich diese positive Entwicklung auch für viele andere Projekte im Stadtteil fortsetzt.“

Als Kind dort oft gespielt

Der Ur-Derner Klaus Henter kennt das Gebäude seit 80 Jahren, wie er sagt. Als Kind habe er dort oft gespielt und die Gänse und Hühner gefüttert, die die Familie Zajonz dort nebenbei hielt. Eigentlich war Zajonz Bergmann. Deswegen habe es in der Deele des Hauses auch viele Artefakte aus dem Bergbau gegeben. Fast sei das ein kleines Bergbaumuseum gewesen, so Henter.

Später, nachdem Helmut Zajonz gestorben und seine Frau in ein Altenheim gezogen war, gingen diese Dinge an das Besucherbergwerk in Lünen. Zajonz, der den Hof gepachtet hatte, hatte sich in den 80er Jahren mit der Harpen AG um den Denkmalschutz des Gebäudes gestritten. Schließlich bescheinigte eine Professorin von der Technischen Hochschule Aachen den kulturellen und historischen Wert und stellte das Gebäude von 1887 unter Denkmalschutz. Viele Derner begrüßten damals diese Entscheidung, weil sie das Haus als architektonischen Zeitzeugen für ihren Stadtteil sehen.

Ländliche Lebensart

In dem Bescheid zum Denkmalschutz hieß es damals: „Dieses Haus dokumentiert die ländliche Lebensart, seine Baukultur und die Besiedlungsform dieses Ortsteiles. Es ist ein wichtiger Zeuge der heute von der modernen Industrie fast völlig verdrängten ländlichen Bauform aus der Blütezeit des Fachwerkbaus. Für die Erhaltung und Nutzung dieses Gebäudes liegen somit wissenschaftliche und volkskundliche Gründe vor, zumal es der letzte Repräsentant eines gut erhaltenen westfälischen Bauernhauses im Ortskern von Altenderne ist.“

Vierständerbau

Seine wirtschaftliche Existenzgrundlage verlor der Hof allerdings schon Anfang des 20. Jahrhunderts, weil die Industrie immer mehr Flächenbedarf hatte. Die Harpener Bergbau-AG übernahm den Besitz. Der frühere Besitzer Heinrich Schulte-Tigges erhielt 1956 im Tausch einen Hof in Brackel.

Altes Fachwerkhaus in Derne vor Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

Hier geht‘s zur Deele des alten Fachwerkhauses © Andreas Schröter

Bei dem Haus handelt es sich um einen mächtigen, zweigeschossigen Vierständerbau mit Satteldach. Die abgeschrägte Giebelspitze deutet darauf hin, dass die Besitzer sich als Bauern erster Klasse sahen. Ursprünglich stand dieses Walmdach nur dem Schulzen zu.

Es ist typisch für seine Art, denn das sächsische Bauernhaus ist seiner anfänglichen Zweckbestimmung nach in erster Linie Wirtschaftsgebäude und dann erst Wohnhaus. Darum nimmt der größte Platz in dem Gebäude auch der Wirtschaftsraum ein, der aus Tenne, den Ställen, der Küche und dem Dachboden für das geerntete Getreide besteht. Nur die Schweine wurden ausgelagert.

Infos zum Gebäude aus: Heinz-Werner Heick: Geschichte der Dionysius-Kirche in Kirchderne und die Entwicklung Dernes bis zur Neuzeit.
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