Ambulante Pflege in Corona-Zeiten – ohne Körperkontakt geht es nicht

mlzCoronavirus

Sie haben jeden Tag Kontakt zu älteren, erkrankten Menschen und müssen deshalb besonders vorsichtig sein. Für ambulante Pflegekräfte ist die Corona-Krise eine enorme Herausforderung.

Dortmund

, 31.05.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Abstand halten ist das derzeit geltende Mantra, wenn es um die Bekämpfung des Coronavirus geht. Doch es gibt Situationen, in denen ist diese Vorsichtsmaßnahme schlichtweg nicht umzusetzen. So beispielsweise auch in der ambulanten Pflege. Aber das Abstandhalten ist dort nicht die einzige Herausforderung.

Astrid Bandulewitz-Müller hat tagtäglich unmittelbaren Kontakt zu Menschen, die zur Risikogruppe des Coronavirus gehören. Die 54-Jährige ist ambulante Altenpflegerin und arbeitet in der Caritas-Sozialstation am Asselner Hellweg.

Körperkontakt lässt sich nicht vermeiden

Während sie in einer normalen Frühschicht knapp zehn Patienten besucht, können es später am Tag auch schon einmal 25 bis 30 Klienten sein, die Bandulewitz-Müller auf ihrer Pflegetour anfährt.

Jetzt lesen

Doch, wie kann man sich an das Abstandsgebot halten, wenn man den Patienten beispielsweise beim Duschen oder dem Toilettengang helfen muss? „Das ist unmöglich“, erklärt Bandulewitz-Müller. „Wir kommen unseren Patienten bei der Pflege automatisch näher. Das lässt sich gar nicht verhindern.“

Deshalb seien andere Vorsichtsmaßnahmen derzeit umso wichtiger. „Wir haben auch schon vor der Pandemie teilweise mit Handschuhen gearbeitet, aber jetzt sind wir nicht nur auf die Handschuhe, sondern natürlich auch auf die Schutzmasken angewiesen. Als Schutz für uns und die Patienten. Wir werden ja auch nicht regelmäßig getestet“, betont die 54-Jährige, die auch im Privatleben Einschränkungen erlebt, denn: „Man weiß, welche Verantwortung man hat und deshalb bin ich beispielsweise im Umgang mit meinen Kinder noch einmal vorsichtiger.“

Nicht alle Patienten hatten Schutzmasken

Dabei war die Versorgung mit Mund-Nasen-Schutzmasken zu Beginn der Pandemie durchaus ein Problem, denn nicht alle Patienten hatten eine solche Maske. „Wir Pflegekräfte waren immer mit einer entsprechenden Schutzmaske ausgestattet, aber unseren Patienten fehlte diese oftmals.“

Jetzt lesen

Aus diesem Grund habe die Caritas dann damit begonnen, die Patienten in Eigenregie mit Schutzmasken auszustatten. Bemerkenswert sei gewesen, sagt Bandulewitz-Müller, dass die Patienten sofort mit großem Verständnis reagierten. „Es wird immer aufgepasst, dass die Schutzmaske auch aufgesetzt wird. Die Patienten sind schon sehr vorsichtig und gut informiert.“

Allerdings treten auch immer wieder Schwierigkeiten auf. So seien Körperkontakt und Nähe zwar nicht vermeidbar, man versuche dies aber auf ein Minimum zu reduzieren. „Und gerade das“, unterstreicht die zweifache Mutter, „ist sowohl für die Patienten als auch für uns Pflegekräfte nicht ganz einfach.“

Weniger sprechen, um das Risiko zu minimieren

Natürlich wolle man den Patienten auch einmal über die Hand streichen oder ihnen Zuneigung zeigen, dies sei jedoch in der aktuellen Situation nicht möglich. Bandulewitz-Müller: „Ich merke bei mir sogar, dass ich versuche, weniger zu sprechen, um auf diese Weise das Infektionsrisiko noch einmal zu verringern. Das ist keine einfache Situation.“

Dennoch habe sie den Eindruck, dass der stetige Kontakt zu den Patienten in Zeiten der Corona-Krise noch einmal bedeutsamer sei. „Es ist auch so, dass der ambulante Pflegedienst den älteren und kranken Menschen eine Art Tagesstruktur gibt. Da spielt gegenseitiges Vertrauen eine sehr große Rolle.“

Gerade jetzt, wo bis vor kurzem kaum ein Kontakt zu Personen außerhalb des eigenen Haushaltes möglich war, sei es wichtig gewesen, bei den Menschen zu sein. Dabei habe es auch schon kuriose Situationen gegeben, wie Bandulewitz-Müller berichtet: „Teilweise durfte ja zum Beispiel nicht einmal der eigene Enkel zu seiner Oma. Stattdessen waren wir dann aber vor Ort und konnten in die Wohnung. Das ist schon komisch, aber macht auch deutlich, dass es wichtig ist, diesen Job zu machen.“

Lesen Sie jetzt