Allesfresser-Krebse bringen die Pest nach Dortmund

mlzArtenschutz

Auf Dortmund marschiert eine invasive Art zu: Der Amerikanische Flusskrebs breitet sich in NRW aus und gefährdet heimische Arten und Gewässer. Allerdings gibt es für Dortmund noch Hoffnung.

Dortmund

, 21.09.2020, 14:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die ersten Exemplare des Amerikanischen Flusskrebses wurden vor 130 Jahren von Menschen nach Deutschland verschifft. Was damals noch nicht bekannt war: Der Krebs ist eine ernste Bedrohung für die heimische Flora und Fauna - wenn nichts passiert bald wohl auch in Dortmund.

In den letzten 30 Jahren haben sich die Amerikanischen Flusskrebse in ganz Nordrhein-Westfalen rasant ausgebreitet, mittlerweile ist der Krebs „die häufigste Flusskrebsart in Deutschland“, wie Dr. Thomas Korte, Biologe von der Emschergenossenschaft, erklärt. „Eine Eindämmung ist nicht mehr möglich“

Korte ist nicht der einzige Experte, der sich mit der invasiven Art beschäftigt. Martin Maschka ist Fischereiberater von der Wildnisschule Ruhr, auch er macht sich große Sorgen um die heimischen Tier- und Pflanzenarten.

„Da sind dann ganze Gewässer einfach tot“

Denn die amerikanischen Krebse übertragen die Krebspest auf ihre eurasischen Artgenossen, die innerhalb weniger Tage an der Krankheit sterben. Die amerikanischen Krebse sind hingegen immun.

Das größte Problem ist aber, so Maschka: „Die sind Allesfresser mit einer Vorliebe für Eiweiß, das heißt, sie fressen Insekten, andere Krebse oder Fische und wenn die tierische Nahrung aufgefressen ist, fressen sie die Pflanzen im Gewässer.“ Zusätzlich können die amerikanischen Krebse häufiger und mehr Nachwuchs bekommen als die heimischen Arten und sie sind weniger empfindlich für Gewässerverschmutzung.

Das Ergebnis: „Da sind dann ganze Gewässer einfach tot.“ Heimische Krebsarten wie der Edelkrebs seien so mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Krebse essen für die Umwelt

Auch in Dortmund hat Maschka den Krebs schon gefangen, allerdings sind die Populationen noch relativ klein. Deswegen ist die Chance, sich der invasiven, amerikanischen Krebse zu erwehren, größer.

Das Umweltamt Dortmund gab auf Nachfrage an, die „Situation genau im Blick zu haben“, und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen beginnt wieder, aktiv Edelkrebse auszusiedeln um den Bestand zu schützen.

Eine Option im Kampf gegen die invasiven Krebse liegt für Martin Maschka in „der Einführung der Krebse in unseren Speisekreislauf“. Die Krebse könnten als Tierfutter genutzt werden oder sogar in Restaurants auf den Tellern serviert werden. Wer also in Zukunft Krebs bestellt, rettet vielleicht gerade die Umwelt.

Lesen Sie jetzt