Auch auf dem Friedhof ist Weihnachten ein Thema - in diesem Fall auf einem Grab auf dem Südwestfriedhof. © Didi Stahlschmidt
Weihnachten auf dem Friedhof

An den Weihnachtstagen waren die Friedhöfe in Dortmund besondere Orte

Besinnung, Bewegung und Begegnung sind neben der Natur und der Ruhe die Gründe für einen ausgiebigen Spaziergang auf einem der parkartig angelegten Friedhöfe der Stadt. Ein Rundgang.

Es sind ganz besondere Orte, die eine gewisse Magie ausstrahlen. Voller Natur, Kunst und Ruhe. Orte der Erinnerung und der Gedanken, an denen die Zeit stehenbleibt und man die Seelen baumeln lassen kann.

Vor allem zu Weihnachten. Friedhöfe sind dabei nicht nur mehr Orte der Trauer. Gerade Corona-bedingt erfreuen sich die grünen Stadtparks großer Beliebtheit und sind ein leiser Treffpunkt der Stadtgesellschaft. Eine Weihnachtsreise über den Ost-, Haupt- und Südwestfriedhof.

Besucher aus allen Gruppen der Stadtgesellschaft

Bereits am Heiligen Abend (24.12.) lässt ein kleiner Streifzug über den Ostfriedhof an vielen Stellen ein Lichtmeer aus Kerzen erkennen, die die Dunkelheit aufbrechen. Doch nur wenige Besucher scheinen diese besondere, weihnachtliche Stimmung zu suchen.

Das sieht am nächsten Tag anders aus. Zu den zahlreichen Joggern, die einem immer wieder an anderen Stellen des Ostfriedhofs erneut begegnen, gesellen sich viele Hundebesitzer, viele Pärchen und auch viele Einzelpersonen.

Die Brücke im Zentrum des Hauptfriedhofs war ein beliebtes Ziel bei Spaziergängern jeglichen Alters. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

„In dieser besinnlichen Zeit um Weihnachten genieße ich hier das Abschalten vom Alltag und lasse die Seele ein wenig baumeln“, so Hartmut Langdorn, der kurz am jüdischen Teil des Ostfriedhofs innehält.

Kurz danach kommt ein Vater mit seiner jungen Tochter vorbei, und eher hastig versucht er, dem Tempo seiner aufgeregten Tochter zu folgen, die das über den Friedhof verteilte Ratespiel für den ersten Weihnachtsfeiertag auserkoren hat.

Unzählige Senioren, junge Familien mit Kinderwagen und zum fünften Mal derselbe Jogger sorgen für permanente Abwechslung. Und immer wieder sieht man Menschen, die an Gräbern stehen bleiben und innehalten.

Einfach kurz inne halten und sich der Ruhe und Schönheit zuwenden: Wie hier auf dem Ostfriedhof, auch wenn einem das Grab unbekannt ist. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

„Ich kenne diese Person gar nicht. Doch mal kurz in sich zu gehen, den Kopf abzuschalten und an nichts zu denken, während man das Grab betrachtet, ist wunderbar“, erklärt eine junge Frau, die vor einem Engel steht.

Weihnachtsdekorationen auch auf Gräbern

Ein ähnliches Bild ergibt sich auf dem Hauptfriedhof. Weitläufiger und wie auch schon zuvor ohne Probleme bei der Abstandsregelung sind hier mehr Besucher als sonst in Bewegung. Zu den bereits beschriebenen Zielgruppen zwischen Joggern und Senioren gesellen sich hier vor allem auch viele junge Menschen, irgendwo zwischen Abitur und Uniabschluss. Die Sonne scheint und spiegelt sich in den Wasserflächen, während man leise den Unterhaltungen lauschen kann.

„Es ist so schön befreiend hier. So entschleunigend. Und die Parklandschaft ist echt schön“, so Marlen Wittenkort, die mit ihrem Freund auf der steinernen Brücke steht.

Weihnachtsdekoraktionen auf Gräbern sind auch auf dem Hauptfriedhof zu finden. Und Lichtspiele lassen die Sinne etwas abschweifen. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

Die Reise geht weiter zum Südwestfriedhof. Im Kreuzviertel gelegen beeindruckt die Parklandschaft durch die großen Platanen entlang der Wege und während Jung und Alt sich mit viel Abstand begegnen, fällt hier eines mehr auf als bei den beiden anderen Friedhöfen: Weihnachtsdekorationen auf Gräbern.

Hier mal ein Weihnachtsgesteck, dort ein roter Stern oder eine Lichterkette. Und selbst kleine, geschmückte Weihnachtsbäume sind zu finden. Es scheint, als ob der Geist von Weihnachten auch hier eine Rolle spielt. Bedächtig, gut gelaunt und doch nachdenklich und voller schöner Eindrücke sowie Begegnungen, endet ein Weihnachtsspaziergang der besonderen Art – über die Dortmunder Friedhöfe.

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Seit Februar 2007 bin ich als freier Redakteur mit der Kolumne "quer gehört" für die Bereiche Musik/ Nightlife/ Kultur/ Creativ Industries bei den Ruhr Nachrichten aktiv. Parallel arbeite ich als freier Journalist für verschiedene Magazine, Gastronomie-Führer, als freier Fotograf und als Autor und Werbe-Texter.
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