Andreas Gruhn hat schwierige Themen für Kinder abwechslungsreich auf die Bühne gebracht

mlzKinder- und Jugentheater

Die Trennung der Eltern, die Krankheit der Mama ... Im Kindertheaterstück „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ muss ein 13-jähriges Mädchen viele Schicksalsschläge verkraften.

von Britta Helmbold

Dortmund

, 14.02.2020, 22:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Schlagstöcken ausgerüstet stürmt das achtköpfige Ensemble die Bühne und beginnt, rhythmisch auf Holz, Metall und Plastik einzudreschen. Dazu gibt Musiker Manuel Loos von seinem Mischpult aus Elektrosound und Rainer Kleinespel versucht es mit Sprechgesang.

Von der ausgelassenen, Gute-Laune-Stimmung verbreitenden Anfangsszene ist nach rund 90 Minuten Spielzeit nichts mehr übrig. Im abgedämmten Licht sitzt Teenager Paulina weinend mit dem Abschiedsbrief ihrer toten Mama auf der Bühne.

Keine leichte Kost für Kinder ab zehn Jahre hat Andreas Gruhn, Direktor des Kinder- und Jugendtheaters (KJT), mit „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ in der schönen Ausstattung von Susanne Ellinghaus inszeniert. Allzu viele Kinder gab es in der nicht ausverkauften Premiere am frühen Freitagabend nicht, aber das größtenteils erwachsene Publikum spendete reichlich Applaus für das engagierte Spiel und die abwechslungsreiche Umsetzung des Kinderbuchs von Finn-Ole Heinrich, der gemeinsam mit Dita Zipfel auch die Bühnenfassung besorgte.

Der maulige Teenager Paulina hat es nicht leicht in ihrem Leben

Paulina, auch Maulina genannt, weil sie so viel rummault, hat es nicht leicht. Erst trennen sich ihre Eltern (schön veranschaulicht: Eine Videoprojektion zeigt eine dreiköpfige Familie, die in Puzzleteile zerfällt), dann erfährt sie, dass ihr Papa eine neue Freundin hat, und schließlich muss die 13-Jährige mitansehen, wie ihre Mama dahin siecht und schließlich stirbt. Überzeugt gespielt wird dieses Mädchen trotzig-rotzig von Ann-Kathrin Hinz.

Bettina Zobel gibt eine einfühlsame Mama ab und Jan Westphals Papa Paul gerät ins Stottern, wenn er seiner Tochter die Situation, seine neue Flamme ist auch noch schwanger, erklären will. Zum Glück gibt es da den Opa, Andreas Ksienzyk in einer Fantasie-Generalsuniform, der seine aufmunternden Weisheiten gerne in einer Art Gesang seiner Enkelin vorträgt.

Ein Happy End gibt es für Paulina leider nur in der Traumwelt

Dann gibt es da noch den neuen Freund Paul, den Jan Westphal wunderbar als verschüchtertes Heimkind spielt, ihre alte Clique und die Haushaltshilfe Ludmilla (wunderbar: Johanna Weißert sexy in Schwarz und mit osteuropäischem Akzent).

Sie alle helfen Maulina, die Hoffnung nicht zu verlieren, an Wunder zu glauben. So gibt es vor dem traurigen Schluss noch eine tolle Traumsequenz: Der Zaubertrunk, den die Kinder mit Ludmillas Hilfe gebraut haben, wirkt, Maulinas Mama wird wieder gesund und auch die Familie rauft sich wieder zusammen.

Es ist eine Geschichte von Trennung und Tod, aber auch von Freundschaft und Zusammenhalt. Trotz aller Tragik fehlen auch Glücksmomente nicht.

Termine: 16./17./23.2.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22. www.theaterdo.de
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