Die Angeklagte hat nach Auskunft ihrer Verteidigerin Ina Klimpke vor Aufregung kaum geschlafen. © Martin von Braunschweig
Prozessauftakt am Landgericht

Angebliche Prostituierte entschuldigt sich für Sex-Falle

Maria G. soll zusammen mit zwei Komplizen mehrere Freier in die Falle gelockt und bestohlen haben. Vor Prozessbeginn am Landgericht wirkte sie müde und traurig. Doch das legte sich.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat die 19-jährige Angeklagte einen ganz perfiden Trick angewandt, um an das Geld fremder Männer zu gelangen.

Auf der Online-Plattform markt.de soll Maria G. Anzeigen geschaltet haben, in denen sie gegen Bezahlung sexuelle Dienstleistungen versprach.

Hatte ein Freier angebissen, wurde er offenbar in ein Hotel bestellt, um die Zahlung des vereinbarten Honorars gebeten und anschließend noch einmal unter die Dusche geschickt. Diesen Zeitpunkt soll die angebliche Prostituierte dann zur Flucht genutzt haben.

Unter die Dusche geschickt

Staatsanwalt Golo Osthoff hat in der Anklageschrift aber auch eine Reihe von Fällen dokumentiert, in denen die Männer die Flucht von Maria G. bemerkten. In diesem Moment sollen aber stets die beiden vor der Tür wartenden Komplizen eingeschritten sein – und brutal zugeschlagen haben.

Zwei Übergriffe sollen sich in Hotels am Wall in der Dortmunder Innenstadt ereignet haben. Weitere Tatorte lagen laut Staatsanwalt Osthoff in Wuppertal, Hagen und Essen.

Hotels am Wall

Zum Auftakt des Prozesses vor der 36. Strafkammer erschien Maria G. am Mittwoch sichtlich zerknirscht und aufgewühlt. Tränen standen in ihren Augen, als sie an der Seite ihrer Verteidigerin Ina Klimpke den Saal betrat. „Sie hat in letzter Zeit kaum geschlafen“, sagte die Rechtsanwältin.

Die Aufregung legte sich jedoch, als Maria G. schließlich zu reden begann. Sie gab zu, die Masche zusammen mit einer Freundin ausgeheckt zu haben. Und nach einem Streit mit der anderen Frau habe sie später einfach allein weitergemacht.

Zuerst mit Freundin gearbeitet

Irgendwann seien ihr damaliger Freund und einer von dessen Bekannten dazugekommen. „Sie sollten mich beschützen“, sagte Maria G. den Richtern.

Dass ihre beiden Komplizen jedoch zu brutaler Gewalt bereit waren, will die Angeklagte gar nicht mitbekommen haben. Im Vorfeld sei das nicht abgesprochen worden, behauptete sie. Staatsanwalt Osthoff kommentierte scharf: „Das glaube ich ihnen nicht.“

„Es tut mir leid“

Am Ende des ersten Verhandlungstages nutzte die 19-Jährige dann noch die Chance, sich bei den Opfern zu entschuldigen. „Ich hatte jetzt Zeit, um darüber nachzudenken. Was ich den Männern angetan habe, tut mir leid“, sagte sie mit leiser Stimme. Und: „Wenn ich das wieder rückgängig machen könnte, würde ich es sofort tun.“

Einer der beiden Komplizen ist bereits in einem gesonderten Prozess zu fast fünf Jahren Haft verurteilt worden. Gegen den zweiten Mann läuft der Prozess aktuell noch vor einer anderen Strafkammer des Dortmunder Landgerichts.

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