Angelo Kelly: „Dortmund ist für mich nichts Geringeres als Mekka!“

mlzIrish Christmas Tour 2020

Angelo Kelly hat 1994 in der Westfalenhalle seinen Durchbruch erlebt. Im Interview erzählt er von seiner Beziehung zu Dortmund, dem Leben in Corona-Zeiten und Tour-Plänen, die ins Revier führen.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 05.07.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Am Telefon klingt Angelo Kelly ganz anders: Man erkennt kaum, dass es sich um die Stimme handelt, die mit Songs wie „An Angel“ mehr als 20 Millionen Tonträger verkauft hat. Kelly ist einfach ein sympathischer Typ.

Anlässlich des neuen Albums „Coming Home“ von Angelo Kelly & Family spricht der Musiker über die Wichtigkeit von Familie, über das Wesen von irischer Musik und darüber, warum Dortmund sein persönliches „Mekka“ ist.

Im Dezember soll in der Westfalenhalle, sofern Corona es zulässt, die Irish Christmas Tour 2020 von Angelo Kelly & Family halt machen.

Herr Kelly, Sie wohnen in Irland zusammen mit Ihrer Familie auf rund 8000 ländlich-idyllischen Quadratmetern. Wie schafft man es als Familie (in der Krisenzeit), Harmonie zu pflegen, wenn man auf sehr viel beengterem Raum zusammenlebt?

Ich glaube, es geht in erster Linie darum, gemeinsame Projekte zu finden. Ganz gleich, ob das nun musizieren, ein gemeinsamer Glaube oder das gemeinsame Anbauen von Zwiebeln im Garten ist. Proaktiv zu sein - also die Zukunft selbst beeinflussen - das ist das Stichwort.

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Wir haben in der Lockdown-Zeit alle gemerkt, dass wir uns vorher im Alltag vielleicht weiter voneinander entfernten, als wir es mitbekommen hatten. Dann ist dies doch eine gute Zeit, mal wieder in den innerfamiliären Kontakt zu treten, ganz gleich auf wie vielen Quadratmetern. „Coming Home“, das bedeutet, wieder zuhause anzukommen, und zwar nicht nur örtlich.

„Coming Home“ ist der Titel des neuen Albums von Angelo Kelly & Family. Wo waren Sie denn vorher, wenn nicht zuhause?

Hinter mir liegen drei sehr intensive, anstrengende Jahre auf Tour mit „The Kelly Family“. Richtig, im Namen steckt schon drin, dass auch das meine Familie ist. Allerdings hatten meine Funktionen als musikalischer Leiter und das ständige Hin-und-Herpendeln zwischen Band und eigener Familie schleichend dafür gesorgt, dass ich mich kaum noch entspannen konnte und am Ende nirgends mehr richtig zuhause war. Im letzten Jahr war ich dadurch ziemlich erschöpft, und es kam eben zur Entscheidung, richtig nach Hause zu kommen - zu meinen Kindern, zu meiner Frau - und zwar ganz.

Das Album ist geprägt vom irischen Sound, zu hören sind neben Ihnen Ihre Frau Kira und Ihre fünf Kinder - für den kleinen William (4) war es das erste mal vorm Mikrofon. Was war das für ein Gefühl?

William hat das toll gemacht. Und klar, das ganze hat mich auch schon an meine eigene Kindheit erinnert. Was dabei herauskommt, wenn eine komplette Familie vors Mikrofon tritt, passt schon sehr zum irischen Musik-Spirit. Da geht es nämlich vor allem um Energie. Positive Energie, um genau zu sein.

Neben eigenen Songs wie dem von meiner Frau geschriebenen „Stay with me“, einer Art musikalischem Gebet, kommen auf dem Album auch irische Klassiker vor wie zum Beispiel wie „Whiskey in the Jar". Egal, welchen Rhythmus ein irisch geprägtes Stück hat: Es kommt von Herzen.

Die Irish Summer Tour 2020 musste aufgrund der Corona-Krise auf 2021 verlegt werden. Nun ist eine Weihnachtstournee im irischen Stil geplant. Nehmen wir an, Corona lässt das Konzert in Dortmund am 23. Dezember zu: Was dürfen die Dortmunder von so einer Show erwarten?

Eins vorweg: Dortmund für mich nichts Geringeres als Mekka (er lacht). In der Westfalenhalle hatte ich 1994 zusammen mit „The Kelly Family“ den Durchbruch. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich an die 17.000 Fans denke. Und ich war damals erst 13...

Dann 2017, kam das Comeback von „The Kelly Family“, ebenfalls in der Westfalenhalle - und wieder war die Bude voll. Dann durfte ich mit meiner eigenen Familienband Angelo Kelly & Family auch schon in der Westfalenhalle auftreten, und wieder: Gänsehaut! Kurz gesagt: tolle und sehr wichtige Erinnerungen an Dortmund.

Und was dürfen die Fans nun am 23. Dezember in Dortmund erwarten?

An diesem Tag habe ich Geburtstag. Jetzt stellen Sie sich diese Kombination vor: mein Geburtstag, meine Familie, die Westfalenhalle, irische Musik-Energie. Coming Home! Es wird für jeden etwas dabei sein, sozusagen eine richtige Energiespritze kurz vor Heiligabend.

Was verbinden Sie neben der Westfalenhalle mit dem Ruhrgebiet?

Ich habe diese eigentümliche Atmosphäre immer gemocht. Ende der 80er-Jahre bin ich mit der Familie im Campingbus durch den Ruhrpott gereist, durch Essen, Bochum, et cetera... Man muss schon lernen, das Ganze zu mögen - ich habe das! Aber auch der Strukturwandel hin zur Kultur ist faszinierend zu beobachten. Und sehr wichtig. Alles ist im Wandel, immer...

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In all den Jahren hatten Sie stets Zugang zu Live-Publikum. Das ist jetzt, durch die Krise, abhanden gekommen - zumindest zeitweise. Was macht das mit Ihnen?

Eine Tour absagen zu müssen, habe ich noch nie erlebt. Selbstverständlich fehlt uns die direkte Verbindung zu den Fans. Auf der anderen Seite gibt es ja heutzutage Social Media.

Und damit ist es schon einfacher als früher, trotz allem wenigstens irgendwie Kontakt zu den Fans zu pflegen. Das ist natürlich nicht dasselbe wie die Live-Aura, aber besser als nichts. Aber Social Media kann auch ein wahrer Fluch sein, man muss lernen, damit richtig umzugehen.

Inwiefern?

Sobald sich das Blatt wendet, sobald aus Freude und Zuneigung Hass und Beleidigungen werden, entwickeln sich die Social-Media-Plattformen schnell zu einem Pulverfass. Das ist bekannt. Die Medien werden immer schneller, und jeder kann im Netz von sich geben, was er möchte, und damit schnell großes Gehör finden. Von den vielen Falschmeldungen mal ganz abgesehen. Also: Fluch und Segen zugleich.

Das ist auch der Grund, warum ich meinen Kindern auf keinen Fall Social Media ans Herz lege, bis sie, sagen wir mal, wenigstens 15 oder 16 sind.

Wie schützen Sie Ihre Familie vor Anfeindungen?

Ich selbst wurde als Kind immer sehr gut geschützt. Mir ist bewusst, dass ich mit der öffentlichen Präsentation meiner Familie eine große Verantwortung trage. Aber glauben Sie mir, wir teilen längst nicht alles. Und ein Vater weiß schon, seine Familie zu schützen, vor den Kameras, vor den Medien. Zu uns nach Hause kommt so schnell kein Journalist.

Herr Kelly, vielen Dank für die Worte, und toi toi toi, dass für den Dezember alles glatt läuft und Sie und Ihre Familie uns bald besuchen können.

Ich bedanke mich auch für das Gespräch und für die spontane Erinnerung an Dortmund. Ach ja, Gänsehaut... Ich hoffe, wir werden uns im Dezember sehen!

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