Angstraum und Gefahrenzone? Polizei sieht Nordstadt „auf der Erfolgsspur“

mlz„Gefährliche Straßen“-Debatte

Wie gefährlich ist die Dortmunder Nordstadt? Die Polizei nennt nun neue Zahlen zur Entwicklung der Kriminalität. Polizeipräsident Gregor Lange äußert sich auch zur Debatte um „verrufene Straßen“.

Dortmund

, 03.06.2020, 19:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kriminalitätsrate in der Dortmunder Nordstadt ist seit mehreren Jahren rückläufig. Dies hatte die Polizei Dortmund in den Kriminalitätsstatistiken der zurückliegenden Jahre immer wieder betont. Und das gelte auch inmitten der Corona-Krise, wie Polizeipräsident Gregor Lange bei einem Rundgang durch die Dortmunder Nordstadt bekräftigt.

„Die Dortmunder Nordstadt ist seit einigen Jahren auf der Erfolgsspur und wir tun alles dafür, auf dieser Erfolgsspur zu bleiben“, sagt Gregor Lange am Ende einer Tour mit dem Direktionsleiter Gefahrenabwehr, Udo Tönjann und dem Wachleiter der Polizeiwache Nord Detlef Rath.

In den Monaten vor dem Corona-Lockdown bestätigt sich laut Polizei der positive Trend

Die Gesamtzahl der von der Polizei aufgedeckten Straftaten in der Nordstadt ist seit 2014 rückläufig und sank den Angaben nach seitdem um 39 Prozent. In den ersten zwei Monaten 2020, bevor die Corona-Pandemie für umfangreiche Einschränkungen sorgte, bestätigte sich laut Polizei der Trend der Vorjahre.

Die Zahl der Straftaten sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf insgesamt 3.128.

Die Straßenkriminalität sinke weiterhin deutlich. Andere Deliktgruppen wie Gewaltkriminalität oder Raubdelikte stagnieren allerdings. Die Zahl der Wohnungseinbrüche in der Nordstadt ist leicht steigend (plus 5 Prozent), während sie im Rest der Stadt stark zurückgeht.

Die Zahlen sinken - aber von einem hohen Niveau aus

Die Zahlen sind im Vergleich zu anderen Teilen Dortmunds immer noch hoch, das räumt auch Gregor Lange ein. „Die Zahlen sinken massiv, allerdings von einem hohen Niveau. Aber es geht Jahr für Jahr nur in eine Richtung. Das sind erhebliche Erfolge“, sagt der Polizeipräsident.

Der Nordstadt-Rundgang inklusive der aktuellen Zahlen ist auch als Reaktion auf eine Debatte über „gefährliche Straßen“ zu werten, die zuletzt aufkam. Es war eine polizeiinterne Liste von 126 Straßen in der Nordstadt öffentlich geworden, die als „gefährlich und verrufen“ eingeschätzt werden.

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Diese Einschätzung erlaubt es der Behörde, die Möglichkeiten des Polizeigesetzes auszureizen. Voraussetzung dafür ist, dass hier Straftaten wiederholt vorkommen oder verabredet werden. Die Polizei kann an diesen Orten Personen und Dinge ohne konkreten Anlass, aber im Zusammenhang mit einer möglichen Straftat, kontrollieren.

Polizei: Es geht nicht um die Straftat, sondern um die Strukturen dahinter

Detlef Rath, Leiter der Wache Nord, präzisiert das Vorgehen. „Hier werden nicht einzelne Straßen aufgeschrieben, sondern wir sehen die Nordstadt als Gesamtbereich“, sagt er. Damit könne man auf Verdrängungseffekte reagieren und nicht nur die einzelne Straftat aufklären, sondern die Strukturen dahinter.

Hinter den scheinbar „anlasslosen“ Kontrollen, die der interne Vermerk erlaubt, stecke viel Vorarbeit. Die Polizei beobachte in entsprechenden Milieus, wer sich wo bewegt und wer mit wem zu tun hat. Es sei bereits in mehreren Fällen gelungen, dadurch Hintergründe von Straftaten aufzuklären.

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Während der Lockdown-Monate März bis Mai gab es insgesamt weniger Straftaten, weil die Tatgelegenheiten seltener waren. Die Polizei Dortmund stellt sich aber auf eine „Normalisierung“ mit den weiteren Lockerungen der Infekstionsschutzmaßnahmen ein.