Anklage: Arzt trat Friseurin von Pienaar

Der Angeklagte ist ein Kinderarzt, das mutmaßliche Opfer die ehemalige Friseurin von Ex-BVB-Stürmer Steven Pienaar: Das Dortmunder Amtsgericht muss sich seit gestern mit einer wüsten Schlägerei in einem Afro-Hair-Salon befassen.

20.09.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Kinderarzt die Friseurin vor zwei Jahren übel geschlagen und getreten hat. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung und Bedrohung.

Um eine missratene Frisur ging es bei der gewalttätigen Auseinandersetzung allerdings nicht. Der Schädel des Doktors ist so kahl wie der von Kojak, den kleinen Kinnbart kann er sich mühelos ohne Hilfe vom Fachmann stutzen. Der 53-jährige Mediziner hatte vielmehr eine Freundin (24) begleitet, die im Afro-Salon einst als Friseurin gearbeitet hatte, aber zuletzt wohl nicht mehr bezahlt worden war. Und das sollte an jenem Tag nachgeholt werden.

Dazu ist es jedoch nie gekommen. Erst wurden die Besucher ignoriert, dann begann auch schon das Handgemenge. Der Doktor: "Ich war schockiert. Wir sollten rausgeschmissen werden." Dabei sei es doch vereinbart gewesen, dass seine Freundin endlich ausbezahlt wird.

Um zu demonstrieren, wie wüst es damals in dem Afro-Friseursalon zugegangen ist, holte der elegant gekleidete Kinderarzt gestern ein schickes, aber zerrissenes Hemd aus seiner Tasche, das er zwei Jahre lang aufbewahrt hat. Außerdem hatte er gleich eine ganze Reihe von Fotos dabei: von seiner Daumenverletzung und von einer Platzwunde auf der Wange seiner Freundin - verursacht durch spitze Fingernägel.

Schockiert

Arzt und Freundin fühlen sich bis heute als Opfer und sind deshalb völlig schockiert, dass sie nun auf der Anklagebank sitzen. "Da ist was verdreht worden", sagte der Doktor dem Gericht.

Wer war Opfer, wer war Täter? Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Antworten auf diese Fragen wird es wohl erst in einigen Wochen geben. Denn die wichtigste Zeugin, die Ex-Friseurin von Pienaar, ist gestern nicht erschienen. Möglich, dass sie gar kein Interesse mehr an der Aufklärung des Falles hat.

Jörn Hartwich

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