Annegret Lücking fühlt sich in Scharnhorst-Ost pudelwohl

mlzSerie: Auf ein Eis mit ...

Annegret Lücking gefiel einer unserer Artikel nicht. Bei einem Eis hat sie ihre Sicht auf Scharnhorst-Ost dargelegt. Sie sieht viele gute Seiten – aber auch etwas Schatten.

Scharnhorst

, 25.03.2019, 21:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach unserem Interview mit dem Scharnhorster Polizeichef Peter Klebon (siehe hier) hat sich Annegret Lücking (70) bei uns beschwert, die am Buschei wohnt. Wir haben sie auf ein Eis eingeladen.

Hallo Frau Lücking, was hat Ihnen an dem Interview nicht gefallen?

Ich finde es zum Beispiel überhaupt nicht relevant, dass hier Menschen leben, die vom Staat unterstützt werden. Das gehört nicht in den Artikel. Und dann die Wortwahl. Da stand etwas von „Parallelgesellschaften“, die es in Scharnhorst-Ost geben soll. Das ist für mich ein Ausdruck, der mich an dunkle Nazi-Zeiten erinnert. Ich habe mich darüber auch schon bei Peter Klebon direkt beschwert.

Und was hat er gesagt?

Er sagt, für ihn sei der Begriff nicht negativ besetzt.

Das sehe ich ehrlich gesagt auch so.

Und dann hieß es in dem Interview noch, er arbeite hier lieber als in Syburg oder Kirchhörde, weil hier aus polizeilicher Sicht mehr los ist. Ich habe ihn gefragt, ob er sich eigentlich wünscht, dass es Straftaten gibt, damit ihm nicht langweilig ist.
Das hat er eigentlich eher spaßig gemeint. So habe ich es jedenfalls verstanden. Aber ich merke, dass Sie eine sehr engagierte Scharnhorsterin sind. Wie lange wohnen Sie schon am Buschei?

Seit 1971. Ich bin mit meinem Mann hierher gezogen, als wir geheiratet haben. Eigentlich bekam man diese Wohnungen nur, wenn man Kinder hatte. Eine befreundete Ärztin hat mir eine Schwangerschaft bescheinigt, obwohl das gar nicht stimmte.

Woher kommen Sie ursprünglich?

Aus Neuasseln. Wir wohnten in der Kolonie hinter dem heutigen Künstlerhaus an der Scheckerodestraße. Die Kolonie gibt es heute gar nicht mehr. Ich hatte da eine sehr schöne, gut behütete Kindheit.

Und dann Scharnhorst-Ost. Wie war es hier Anfang der 70er?

Sehr schön. Wir hatten hier eine ganz tolle Nachbarschaft. Hier wohnten Leute, die bei VEW oder der Stadt arbeiteten. Das waren alles richtig nette Leute.

Und hat sich Scharnhorst-Ost seither verändert?

Ja. Erst kamen die Spätaussiedler, später viele Marokkaner zum Beispiel. Aber das fand ich gut. Dadurch entstand eine Multikulti-Gesellschaft, die ich mochte. Noch später wurde es dann schlechter. Mir gefällt heute zum Beispiel nicht, dass sich die Holding, der unsere Häuser hier am Buschei gehören, nicht darum kümmert. Wir haben 40 Jahre alte Fenster, und die Fassaden sehen schlimm aus. Da müsste vieles saniert werden. Ein paar Straßen weiter, wo die Häuser stehen, die den hiesigen Wohnungsgesellschaften gehören, sieht alles gut aus.

Sie könnten wegziehen – zum Beispiel zurück nach Neuasseln.

Nein, ich finde meine Wohnung hier ausgesprochen schön. Sie ist sehr hell und lichtdurchflutet, und sie hat eine Südloggia. Wir haben im EKS allerbeste Einkaufsmöglichkeiten und mit der Stadtbahn eine sehr gute Verkehrsanbindung in die Stadt.

Das EKS ist bei Scharnhorstern sehr beliebt. Auch bei Annegret Lücking.

Das EKS ist bei Scharnhorstern sehr beliebt. Auch bei Annegret Lücking. © Andreas Schröter


Und mit dem Naturschutzgebiet Alte Körne haben wir die Natur direkt vor der Haustür. Ich kann mit dem Fahrrad bis Unna nur durch Grün fahren. Ich würde nicht gerne wegziehen.

Das alles höre ich immer wieder, wenn ich mit Menschen aus Scharnhorst-Ost spreche. Kennen Sie denn auch die Vorurteile, die es zu diesem Stadtteil gibt oder zumindest früher mal gab?

Ja, sicher, als Kind durfte ich nicht nach Scharnhorst. Und auch später, als ich mich am Heisenberg-Gymnasium als Elternvertreterin engagierte, musste ich mich immer dafür verteidigen. Aber Scharnhorst-Ost ist viel besser als sein Ruf.

Bis auf die von Peter Klebon angesprochene Drogenproblematik.

Die Drogenprobleme finde ich sehr schlimm, bekomme sie aber nur am Rande mit. Schlimm ist am Buschei die Verkehrsführung. Der Bus muss wegen der Verkehrsinseln scharf bremsen. Dann rappeln hier die Gläser im Schrank. Da müsste dringend etwas passieren.

Wenn Sie mit uns ein Eis essen und dabei über ein Thema Ihrer Wahl sprechen möchten, dann melden Sie sich unter E-Mail do-nordost@ruhrnachrichten.de bei uns. Das Thema sollte allerdings etwas mit den Stadtbezirken Brackel, Eving oder Scharnhorst zu tun haben. Politiker lassen wir in dieser Serie Politiker außen vor. Wir möchten mit den ganz „normalen Menschen von nebenan“ über ihre ganz normalen Freuden, Sorgen und Wünsche sprechen.
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